Heiko Mell 01.01.2016, 04:14 Uhr

FH-Ingenieure nur begrenzt einsetzbar?

Da das brisante Thema „FH- oder TH-Studium“ oft hochkocht, möchte ich Ihnen meine Erfahrungen aus der Sicht eines mittelständischen HiTec-Betriebs mitteilen:

Wir haben festgestellt, daß FH-Abgänger meistens Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, mit der Rechtschreibung und mit Fremdsprachen haben. Aus den Schulzeugnissen erkennt man, daß sie ihre schulische Laufbahn oft wegen schwacher Leistungen in diesen Fächern nach neun oder elf Jahren aufgegeben haben. Als Ausgleich dafür haben sie in einer Lehre praktische Erfahrungen gesammelt, die ein Abiturient nicht vorweisen kann.

Die obengenannten Defizite können auch durch die Berufsschule, die Fachhochschule und selbst durch Nachhilfekurse nicht vollständig behoben werden, da sie meistens auf mangelnde Begabung zurückzuführen sind. Wir können daher FH-Absolventen nicht für die Korrespondenz mit seriösen Kunden und schon gar nicht für Verhandlungen und Korrespondenz mit dem Ausland einsetzen. Unsere FH-Mitarbeiter erkennen das selbst und sind mit ihrer Mittlerrolle zwischen Arbeiterschaft und Geschäftsleitung einverstanden.

Daß sich die oberen Etagen unserer Betriebe überwiegend mit TH- und Uni-Abgängern füllen, ist daher logisch. Ausnahmen, insbesondere FH-Leute mit Abitur, bestätigen auch hier die Regel. Ihre Regeln 5 + 6 in den VDI nachrichten vom 7.8.98 möchte ich allen Abiturienten und Studienberatern ans Herz legen.Ganz herzliche Grüße von einem Personalchef (ca. 340 Einstellungen insgesamt) und einem begeisterten Leser Ihrer Karrieretips.

Antwort:

Der Brief erreicht uns auf Firmenbriefbogen, ist also auch Aussage eines Unternehmens/Arbeitgebers und damit in jedem Fall besonders wertvoll für diese Serie.

Da nicht jeder Leser alle Beiträge ausschneiden wird, hier noch einmal die Kernsätze der angesprochenen Regeln aus Frage 1313 vom 7.8.98:

„5. Mit einer 3 vor dem Komma bei der Abiturgesamtnote ist der TH-Besuch ein sehr großes(!) Risiko. Ohne Mathematik-Leistungskurs übrigens auch.

6. Ein Einser-Abiturient hätte es schwer, sein entsprechendes Potential in einem FH-Studium voll auszuschöpfen.“Aussagen wie die obige zeigen, auf welchen Erfahrungswerten beispielsweise so manche Absage im Bewerbungsprozeß beruhen dürfte.

Sofern weitere interessante Aussagen zu dem Thema eingehen, werden wir hier zumindest den Trend dieser Aussagen gern veröffentlichen. Bitte sagen Sie uns jeweils ein paar Worte über sich selbst, dann hat Ihre Meinung für die anderen Leser einen höheren Informationswert. Und, halten wir das fest: Der Einsender hat nicht gesagt, kein FH-Absolvent könne anständig schreiben. Hätte er das, hätte er zumindest einen ernstzunehmenden Gegner. Aber auch ich weiß, was er meint. Schließlich lese ich Bewerbungen und höre ich die nicht immer überzeugenden Selbstdarstellungen verschiedener Bewerbergruppen in Vorstellungsgesprächen.

Es bleibt die Forderung: Jeder Absolvent einer (Fach-)Hochschule muß imstande sein, ein (fachliches und/oder persönliches) Anliegen in schriftlicher oder mündlicher Form in seiner Muttersprache so vorzutragen, daß das Resultat überzeugt und den meisten Regeln entspricht. Sag ich mal, will ich mal sagen, also was wollt“ ich noch mal sagen? Mein Gott …

Frage-Nr.: 1323
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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