Heiko Mell

Ihre Karriereberatung ist wohltuend, Herr Mell!

Frage 1:

Ihre Karriereberatung in den VDI nachrichten lese ich stets gerne – weniger der akuten Karriere wegen, sondern vor allem aus Interesse, welche Zusammenhänge Sie in der neuen Folge wieder unmissverständlich und präzise auf den Punkt bringen. Es macht Spaß, bereits beim Lesen der Fragen zu raten, welche Stilblüten „dran“ sind.

Antwort 1:

Ich freue mich, hier auf mindestens einen weiteren Menschen gestoßen zu sein, der diesen Teil meiner Arbeit schätzt. Weit verbreitet ist diese Einstellung nämlich nicht. Es gibt engagierte Leser, die mir erbitterte Vorwürfe machen, wenn ich wieder einmal auf Formulierungen hinweise, die ein Akademiker so eigentlich nicht verwenden dürfte. Das hält mich nicht davon ab, es dennoch wieder zu tun. Fehler sind Fehler, man darf sie nicht einfach unkommentiert stehen lassen. Das würden gerade unsere entsprechend ausgebildeten Leser bei falsch gebrauchten technischen Begriffen auch nicht akzeptieren.

Und wie ich immer wieder unterstreiche: Sehr viele ranghohe Vorgesetzte reagieren sehr negativ und mit erkennbarem Widerwillen auf interne Berichte, Eingaben und Anträge, in denen mehrfach Fehler enthalten sind, die – nennen wir es einmal so – einem halbwegs gebildeten Menschen eigentlich nicht unterlaufen dürften.

Ich schließe keineswegs aus, dass schon Bewerbungen gescheitert sind und interne Karrieren stecken blieben, weil höhere Vorgesetzte bei aller Anerkennung der reinen Fachqualifikation der Kandidaten über entsprechende Fehlleistungen sprachlicher Art die Nase gerümpft haben.

Es geht dabei nicht um gelegentliche Tippfehler, dagegen ist niemand gefeit. Aber wenn in einer Ausarbeitung so drei bis vier richtige „Klopse“ vorkommen, dann kann man schon deswegen mit seinem Anliegen auf Ablehnung stoßen.

Entsprechend gebildete und anspruchsvolle Vorgesetzte können sich spontan gar nicht vorstellen, dass ein Briefschreiber oder Antragsteller, der sich bei seinem Anliegen selbstverständlich größte Mühe in Richtung einer sprachlich halbwegs korrekten Darstellung zu geben hat (im Zweifelsfall etwa auch im Duden nachschaut), das nicht hinbekommen würde. Also vermutet er, er als Empfänger der Botschaft sei dem Absender nicht wichtig genug gewesen, um hier Einsatz und Sorgfalt zu investieren. Das geht in Richtung Missachtung, auf die nun nahezu alle Chefs äußerst kritisch reagieren.

Ich darf ausnahmsweise einmal mich selbst zitieren, was ich sonst vermeide: Im Kapitel VI („Das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten“) meiner „Karriere-Basics“ lautet die Regel 24: „Am schnellsten geht’s mit Missachtung. Die meisten Chefs können einen von Respekt und Achtung ihnen gegenüber getragenen sachlichen Widerstand ganz gut ertragen, Missachtung jedoch niemals. Der Verdacht reicht, die Rache ist fürchterlich.“

Gern gebe ich an interessierte Leser eigene Erfahrungen weiter, wie sich Resultate auf diesem Gebiet verbessern lassen (es geht nicht um die Standard-E-Mail, sondern um wirklich wichtige Ausarbeitungen):

  • Man kann einen komplexen Text am Bildschirm überfliegen und seinen Sinn erfassen. Aber das sorgfältige Kontrollieren auf sprachliche Fehler aller Art funktioniert ungleich besser oder überhaupt nur bei eingehendem Beschäftigen mit dem Ausdruck auf Papier.
  • Wenn man sich den Text laut vorliest, erkennt man Sinn und Logikfehler viel leichter – und man stolpert über Sätze, deren Sinn im Dunkeln bleibt oder deren Schluss nicht zu ihrem Anfang passt.
  • Die Rechtschreibprogramme des Computers fischen diverse Fehler heraus, können aber letztlich zwar falsch geschriebene, aber nicht mit absoluter Sicherheit falsch verwendete Wörter erkennen. Wer z. B. formuliert: „Seid gestern regnet es“, schreibt nicht etwa „seit“ mit falschem Endbuchstaben, er benutzt ein hier völlig falsches, aber korrekt geschriebenes Wort. Und sagen Sie nicht, Ihr Korrekturprogramm fände diesen Fehler: Genau den hatten wir in einer jüngeren Einsendung. Was nützt uns eine Problemlösung, die mal funktioniert und dann wieder nicht.
  • In jedem Fall hilft intensives Lesen sorgfältig geschriebener und von Fachleuten überarbeiteter Texte wie z. B. in Büchern aller Art, seien es Romane oder selbst Krimis. Man erwirbt dabei Sprachgefühl und speichert entsprechendes Wissen ab.

Dass niemand gegen einzelne Fehler gefeit ist, sehen wir gleich:

Frage 2:

Nun, nach vielen Jahren des Kopfnickens zu Ihren Beiträgen fand ich tatsächlich einmal auch in Ihrer Antwort 3.031/1 eine Passage, die für mich unbeabsichtigt erheiternd klingt:

„… ein Bewerber mit der Absicht, … absolvieren zu wollen.“ Demnach will er jetzt ja noch gar nicht, hat jedoch bereits den Plan gefasst, es künftig einmal zu wollen? Interessant, klassisches „Willensmanagement“ offenbar? Warum auch nicht? Der Rundfunk meldet ja laufend ähnliche Fälle, etwa von Politikern, die ankündigen, die Abgabenlast senken zu wollen oder der Möglichkeit, etwas gegen XY tun zu können (diesen letzten Halbsatz sollten Sie noch einmal überdenken, er erschließt sich mir nicht; H. Mell).

Antwort 2:

Also die von Ihnen zitierte Passage meiner Antwort ist schlicht „doppelt gemoppelt“: In der „Absicht“ steckt bereits die Aussage, es tun zu wollen, die Wörter „zu wollen“ waren schlicht überflüssig.

Nun sage ich ja zum Glück nicht: „Schreiben Sie so wie ich, dann ist es richtig“, ich beschränke mich auf: „Schreiben Sie richtig.“ Dass ich dennoch damit immer wieder meine eigenen Ergüsse zur Diskussion stelle, muss ich hinnehmen.

Nur einmal etwas überspitzt und am Rande: Ihre Politiker, die von der Absicht sprechen, die Abgabenlast senken zu wollen, kann ich sogar ein wenig verstehen. Diese Menschen kündigen das vor Abschluss aller internen Diskussionen an. Eine Ankündigung dergestalt, dass sie die Last senken „werden“, wäre wegen des langen parlamentarischen Weges dorthin gar nicht zu verantworten, also reden sie lieber nur von der Absicht sowie vom Wollen und haben, wenn es schief gegangen ist, gleich zwei Ausreden.

Generell habe ich wenig gegen Politiker, die Abgabenlasten reduzieren möchten. Da würde ich glatt eine schwächere Formulierung übersehen.

Frage 3:

Bleiben Sie wie gewohnt kritisch am Ball und uns Lesern weiter mit spitzer Feder und scharfem Blick erhalten! Es ist wohltuend.

Antwort 3:

Danke für die Blumen, ich gebe mein Bestes.

 

Frage-Nr.: 3.039
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43/44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-10-25

Von Heiko Mell

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