Heiko Mell

Die optimale Lösung: Der „Schlüssel“ passt ins „Schloss“

Stellen Sie sich vor, jemand hat ein (Tür-)Schloss, beschreibt das im Detail und sucht dafür extern einen Schlüssel – wer den Schlossbesitzer damit zufriedenstellen kann, erhält eine Prämie. Sie sind interessiert, packen Ihren schön geputzten Standard-Schlüssel ein und senden ihn „auf Verdacht“ an die angegebene Adresse. Soll doch der Schlossbesitzer selbst herausfinden, ob er mit Ihrem Schlüssel glücklich wird. Anders Ihr Mitbewerber X: Auch er hat seinen Standard-Schlüssel. Aber für ihn ist das nur ein Lösungsansatz, noch keine Lösung. Er analysiert die veröffentlichte technische Beschreibung des Schlosses im Detail – und bearbeitet seinen „Rohling“ im Hinblick auf die Anforderungen des Schlosses: Er feilt hier etwas weg, verändert dort das Profil des Schlüsselbartes, gleicht die Zahl der „Zacken“ so gut wie möglich den erkennbaren Anforderungen an. Und dann schickt er sein „individuell angepasstes Werk“ an jene Adresse.

Der Schlossbesitzer stellt nur eine zentrale Forderung an den für ihn interessanten Schlüssel: Er muss in das beschriebene Schloss passen! Nicht der auf Hochglanz polierte oder gar vergoldete Schlüssel, nicht das nie gesehene technische Meisterwerk nützt ihm etwas – er steckt ihn in sein Schloss und probiert, ob er passt.

Was glauben Sie, wer nun wohl die größeren Chancen hat, die ausgesetzte Prämie zu erringen? Ich fürchte es auch.

Das Beispiel liebe Leser, ist so banal, dass man sich schon fast dafür schämt. Aber, seien Sie dessen versichert, es ist nach wie überaus angebracht, diese Grundlagen zu vermitteln.

Sie haben sicher die Begriffe „entschlüsselt“: Es geht um die zu besetzende Position, um die veröffentlichte Stellenanzeige und um die Darstellung der Bewerber-Qualifikation im Lebenslauf. Einmal als reine Faktensammlung so niedergeschrieben „wie die Dinge nun einmal sind“, dann jedoch liebevoll neu strukturiert und im Hinblick auf die anstehende Aufgabenstellung und das aufgelistete Anforderungsprofil zielorientiert neu geordnet.

Sie hätten mit der rein faktenorientierten Darstellung Ihres Werdeganges nichts falsch gemacht – aber unser Beispielkandidat macht alles richtiger und ist erheblich näher dran am Erfolg.

Hintergrund ist genau der beschriebene Effekt: Unser „Schlossbesitzer“ sucht nicht den Schlüssel, der Eindruck „schindet“ und so aussieht als könnte man mittelfristig etwas daraus machen, sondern jenen, der jetzt schon passt. Das läuft auf die 1:1-Umsetzung des idealen Bewerbers hinaus. Vor allem seine heutige Position sollte in vielen Aspekten der ausgeschriebenen entsprechen, wobei der Verantwortungsumfang (Hierarchieebene) und z. B. das Gehalt beim Wechsel durchaus wachsen dürfen. Im Idealfall umfasst die gesuchte Übereinstimmung u. a.: - Branche und Typ des Unternehmens - Tätigkeitsrichtung des Bewerbers - Positionsbezeichnung - Aufgaben- und Verantwortungsdetails. Zwei Beispiele mit Vorschlägen für eine solche Bearbeitung: 1. Branche und Typ des Unternehmens: Ihr heutiger Arbeitgeber möge die deutsche Tochter (800 Mitarbeiter) eines internationalen Weltkonzerns mit 70 000 Mitarbeitern sein. Ist das suchende Unternehmen ein privater Mittelständler mit – geschätzt – etwa 1200 Mitarbeitern, dann beschreiben Sie als heutigen Arbeitgeber jene deutsche Tochter und drängen den Konzern in den Hintergrund (Sie verwenden weder das in diesem Falle negative Reizwort „Konzern“, noch erschlagen Sie den armen inserierenden Mittelständler mit 70 000 Mitarbeitern). Wenn Sie es verantworten können – so etwas gibt es –, umreißen Sie Ihren heutigen deutschen Arbeitgeber noch mit „mittelständisch strukturiert“.

  1. Ihre heutige Positionsbezeichnung ist konzerntypisch nicht nur in Englisch formuliert, sie lässt auch bei einer Übersetzung keine große Ähnlichkeit zur ausgeschriebenen Position erkennen. Sie wissen, dass es da Vergleichbares gibt, aber der beim Empfänger zuerst lesende Vorentscheider in HR kann das nicht wissen. Also schreiben Sie eine auf die deutsche Bezeichnung in der Anzeige zielende Positionsbezeichnung in den Lebenslauf und hängen – damit Sie besser schlafen – Ihre Originalbezeichnung in Klammern dahinter (umgekehrt geht es auch).

Das führen Sie dann z. B. bei den Aufgabendetails so fort. Stellen Sie Passendes ausführlicher dar, lassen Sie Unpassendes auch einmal weg, ändern Sie die Reihenfolge etc. Ihr fertiges Produkt muss dem Leser in diesem Fall (!) heruntergehen wie vorgekauter Babybrei.

Als Warnung: Gerade Ingenieure setzen gern allein auf Fakten. In einer Bewerbung steckt aber das Wort „Werbung“. Und dafür – Sie können es in jedem Prospekt nachlesen – reicht eine Faktensammlung nicht aus!

Heiko Mell auf YouTube über Corona und die Folgen

Wie hat die Coronakrise den Bewerbungsprozess verändert? Worauf muss ich bei Jobinterviews per Videokonferenz achten? Was ist noch für den Ingenieurarbeitsmarkt zu erwarten? Darüber spricht Heiko Mell mit VDI-nachrichten-Ressortleiter Peter Steinmüller im Karrieretalk:

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Notizen aus der Praxis
Bewerbung
508: Achtung: Risiko!

Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26/27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2020-06-26

Von Heiko Mell

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