Heiko Mell

Aufschrei eines gequälten Chefs

Man sollte sicher nicht in Fernsehkrimis nach Lösungen für industrielle Führungsprobleme suchen. Das habe ich selbstverständlich auch nicht getan. Mir kam jedoch auch ohne dass ich gesucht hätte, beim Schauen spontan die Erleuchtung, hier auf die Lösung eines Alltagsproblems gestoßen zu sein: Der Leiter einer Mordkommission hatte ein Team engagierter, z. T. eigenständig denkender (schlimm) und oft auch so handelnder (schlimmer) Kommissare und Kommissarinnen (ich werde mich hüten, auch das zu bewerten) zu führen. Und in einer Stresssituation ruft er seiner Mannschaft hinterher: „Könnt ihr nicht einmal einfach nur tun, was ich gesagt habe!“ Das klingt nach einer Mischung aus Verzweiflung, etwas Wut und viel Enttäuschung. Und mir kam die Erkenntnis: Das ist genau das, was viele Chefs bewegt! Nein, nicht immer, aber eben oft: Nicht bei den großen Strategiediskussionen, da müssen Zweifel und Gegenargumente erlaubt sein. Aber es gilt für die vielen kleinen Situationen des täglichen Führungsgeschäfts. Wo es eigentlich fast um Nichts geht – aber einer muss die Festlegung treffen. Z. B.: „In Zukunft legen wir diese Berichte in blauen Aktendeckeln ab“ oder „Ab sofort treffen wir uns montags um 10:00 Uhr zum Abteilungsmeeting.“ Und schon geht es los: „Ich würde ja lieber gelbe Aktendeckel vorschlagen“ oder „Meinen Sie nicht, dienstags um 11:00 Uhr wäre günstiger?“ Der Chef bekommt ja schon Magengeschwüre, wenn er an die nächste Diskussion dieser Art denkt. Und ein Chef mit Magengeschwüren ist ein schwieriger Partner, wenn es um seine Zustimmung zu einer Beförderung, einer Gehaltserhöhung oder einem Sachantrag geht. Selbst wenn die gelben Aktendeckel aus irgendeinem Grunde wirklich besser sein sollten: Die Firma wird an seiner Entscheidung für blaue nicht zugrunde gehen, also lassen Sie ihm seinen Spaß. Und heben Sie sich Ihre Ideen für Situationen auf, in denen sie wirklich gefragt und – und erfolgsentscheidend – sind. Gerade die besonders intelligenten Mitarbeiter denken oft, sie müssten zu jedem Thema eigene Lösungen beisteuern. Müssen sie aber nicht. Oft genügt es, wenn sie einfach engagiert tun, was der Chef gesagt hat. Manchmal reicht schon das, um den Vorgesetzten zufrieden zu stellen. Und darum geht es doch letztlich.

Man sollte sicher nicht in Fernsehkrimis nach Lösungen für industrielle Führungsprobleme suchen. Das habe ich selbstverständlich auch nicht getan. Mir kam jedoch auch ohne dass ich gesucht hätte, beim Schauen spontan die Erleuchtung, hier auf die Lösung eines Alltagsproblems gestoßen zu sein: Der Leiter einer Mordkommission hatte ein Team engagierter, z. T. eigenständig denkender (schlimm) und oft auch so handelnder (schlimmer) Kommissare und Kommissarinnen (ich werde mich hüten, auch das zu bewerten) zu führen. Und in einer Stresssituation ruft er seiner Mannschaft hinterher: „Könnt ihr nicht einmal einfach nur tun, was ich gesagt habe!“ Das klingt nach einer Mischung aus Verzweiflung, etwas Wut und viel Enttäuschung.

Und mir kam die Erkenntnis: Das ist genau das, was viele Chefs bewegt! Nein, nicht immer, aber eben oft: Nicht bei den großen Strategiediskussionen, da müssen Zweifel und Gegenargumente erlaubt sein. Aber es gilt für die vielen kleinen Situationen des täglichen Führungsgeschäfts. Wo es eigentlich fast um Nichts geht – aber einer muss die Festlegung treffen. Z. B.: „In Zukunft legen wir diese Berichte in blauen Aktendeckeln ab“ oder „Ab sofort treffen wir uns montags um 10:00 Uhr zum Abteilungsmeeting.“ Und schon geht es los: „Ich würde ja lieber gelbe Aktendeckel vorschlagen“ oder „Meinen Sie nicht, dienstags um 11:00 Uhr wäre günstiger?“

Der Chef bekommt ja schon Magengeschwüre, wenn er an die nächste Diskussion dieser Art denkt. Und ein Chef mit Magengeschwüren ist ein schwieriger Partner, wenn es um seine Zustimmung zu einer Beförderung, einer Gehaltserhöhung oder einem Sachantrag geht.

Selbst wenn die gelben Aktendeckel aus irgendeinem Grunde wirklich besser sein sollten: Die Firma wird an seiner Entscheidung für blaue nicht zugrunde gehen, also lassen Sie ihm seinen Spaß. Und heben Sie sich Ihre Ideen für Situationen auf, in denen sie wirklich gefragt und – und erfolgsentscheidend – sind.

Gerade die besonders intelligenten Mitarbeiter denken oft, sie müssten zu jedem Thema eigene Lösungen beisteuern. Müssen sie aber nicht. Oft genügt es, wenn sie einfach engagiert tun, was der Chef gesagt hat. Manchmal reicht schon das, um den Vorgesetzten zufrieden zu stellen. Und darum geht es doch letztlich.

Von Heiko Mell

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