Heiko Mell

Als neue Führungskraft in einem inhabergeführten Unternehmen: Vorsicht vor der Rolle des „ersten Fremden“

Was hier spontan klingt wie ein gutgemeinter Rat an Theaterschauspieler hat tatsächlich Ähnlichkeit damit. Wer Manager ist oder werden will, muss ganz sicher auch gelegentlich eine Rolle spielen. Und in diesem „Stück“ gibt es zwar keinen jugendlicher Liebhaber, aber eben jenen „ersten Fremden“. Und diese Figur stellt besondere Anforderungen:

Ein inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen in etwas großstadtferner Lage: Die ganze Belegschaft ist seit Jahren dort beschäftigt; niemand wechselt, schon weil es im Umfeld kaum andere Arbeitgeber dieser Branche gibt. Die Folge: Die Fluktuation auch im Management ist praktisch nicht vorhanden.

Dann gibt es an der Spitze einen Generationenwechsel. Der alte Inhaber übergibt an seine Erben, die seit Jahren mit dem Haus vertraut sind. Diese Nachfolgegeneration übernimmt einen fast „geräuschlos und von selbst“ laufenden Betrieb, den der Vorgänger tadellos eingespielt hatte: Die einzelnen Führungskräfte beherrschen ihr Metier und wissen, was zu tun ist. Sie kennen und achten ihre gegenseitigen Befindlichkeiten (sowie die Marotten ihres Chefs) und gleichen die längst erkannten Schwächen kollegial aus. Ganz wesentlich: In den letzten Jahren konnte der Inhaber seine Führungsaufgabe auf fachliche Entscheidungen beschränken, personelle oder gar disziplinarische Steuerungsaktivitäten seinerseits waren nicht erforderlich – und unterblieben also.

In diesem Umfeld sind die Erben gereift, sie halten diese Art der Führung eines perfekt eingespielten Teams ebenso ergebener wie tüchtiger Manager für den Standard einer Unternehmensführung. Zunächst macht das nichts, es läuft ja alles effizient und harmonisch.

Dann aber geht eine der Führungskräfte in Rente, ein extern gefundener Ersatz tritt an. Der ist ein ganz normaler Manager mit durchaus nicht stromlinienförmiger Persönlichkeit und einem Minimum an „Ecken und Kanten“. Er will – und muss – sich profilieren. Er erkennt die Schwachstellen in den Abläufen und Strukturen, hat keine Verbindung zur Historie des gewachsenen Betriebes und tobt los. Absolut betrachtet, bleibt er dabei durchaus im üblichen Rahmen – aber in Relation zu seinem neuen Umfeld ist er erschreckend, ja störend „anders“, ein Fremdkörper.

Hier nun müsste die Stunde der neuen Inhaber schlagen: Es gilt, den ersten fremden Manager ihres Lebens an die Hand zu nehmen, ihn auf – dort so gesehene – Fehler aufmerksam zu machen, ihn hier zu bremsen und dort zu schieben, bis alles wieder in alter Harmonie läuft (von der Chance, die vom Neuen ausgehenden Impulse zu nutzen, um das Unternehmen weiter voranzubringen, ganz zu schweigen). Kurz: Sie müssten diesen „ersten Fremden“ ihres Lebens im hauseigenen Management schlicht führen.

Allein das haben sie noch nie gemacht, ja nicht einmal erlebt, denn der alte Gesellschafter-GF hatte das seit Jahren nicht mehr demonstrieren müssen. Also reagieren die Erben hilflos, tun aktiv nichts, ärgern sich aber täglich über den Neuen, der mehr und mehr als Fehlbesetzung gilt. Bis sie sich dann zum Aufhebungsvertrag entschließen.

Sollten Sie also irgendwann „erster Fremder“ sein (was man ja einfach erkennt), seien Sie äußerst vorsichtig: Passen Sie sich erst einmal dem Umfeld an – und unterstellen Sie nicht, wenn niemand Sie kritisiere, sei ja wohl alles in Ordnung. Vielleicht kann Ihr neuer Chef (noch) keine Führungskraft angemessen steuern – weil er nicht weiß, wie das geht und sich vor dem Versuch ein wenig fürchtet.

Sie sprach auch über Teamarbeit. Das Team und seine effiziente Arbeit seien ihr sehr wichtig – „aber natürlich behalte ich mir die letzte Entscheidung vor“. Das ist eine klare Aussage – die gerade auf einem Schiff wohl auch nicht anders möglich ist. Mit ein wenig Überspitzung könnte man die Aussage so vereinfachen: „Wir sind ein Team, und ich treffe die Entscheidungen.“

Was man daraus lernen kann: Fast (!) alles, was Chefs an Grundsätzlichem so sagen, ist auch so gemeint. Bis auf einen kleinen Rest – und auf den kommt es mitunter an.

Frage-Nr.: 484
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-06-15

Von Heiko Mell

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