Heiko Mell

Achtung: Risiko!

1. Zwei Schritte im Voraus planen

Das Klima am Arbeitsmarkt wird rauer. Ob Sie wechseln wollen oder müssen – stets sind Sie auf eine Akzeptanz Ihrer Werdegang-Daten bei neuen Arbeitgebern angewiesen. In einer kleinen Reihe werde ich auf typische Risiken eingehen, die Ihren Erfolg gefährden könnten. Viele davon sind vermeidbar. Genau darum soll es hier gehen.

Ich weiß nicht, ob Sie einen solchen Tiefschlag schon einmal erlebt haben, ich wünsche es Ihnen nicht: Als begeisterter junger Autofahrer hatte ich mir im Rahmen meiner damaligen Möglichkeiten meinen Traum aus südeuropäischer Produktion verwirklicht. Die Maschine faszinierte mich, die Ausstattung war ungewöhnlich komplett und das Design weckte durchaus Emotionen. Alles war gut – und sollte ein paar Jahre später beim nächsten Fahrzeugwechsel noch besser werden. Ich füllte beim Händler für ein süddeutsches Premium-Fabrikat mühsam den Kaufvertrag mit all den erforderlichen Zubehörteilen und Sonderausstattungen aus, als erstmals mein noch immer ziemlich neues Altfahrzeug zur Sprache kam. Das Erwachen war grausam. Ohne mit der Wimper zu zucken, zerriss der Händler meinen vorbereiteten Vertrag, erklärte, „so ein“ Gebrauchtfahrzeug käme ihm nicht auf den Hof und verabschiedete sich.

Selbst der Verkäufer einer weniger exklusiven Marke, der mein ehemals geliebtes altes Auto schließlich in Zahlung nahm, motzte mich noch Monate später bei Werkstattbesuchen an, „die Karre“ stünde immer noch unverkauft herum.

Mein Fehler: Ich hatte mich beim damaligen Ankauf von einer kurzfristigen Lösung begeistern und zu einem Vertragsabschluss hinreißen lassen – ohne zu bedenken, dass da ein „dickes Ende“ drohen könnte. Dabei ist die Geschichte ganz einfach: Wenn man weiß, dass man das jetzt zu kaufende „Fahrzeug“ eines Tages wieder irgendwo verkaufen muss, ist man sehr gut beraten, vor dem ersten Schritt auch an den zweiten zu denken. Das gilt für Autos ebenso wie für in- oder externe neue Stellen. Bei letzteren ist zumindest damit zu rechnen, dass man sich damit eines Tages wieder auf den Markt begeben will oder muss, bei Autos ist es sicher.

Verlassen wir die Fahrzeuge und bleiben wir bei Positionen. Auch hier gibt es die mitunter durchaus reizvoll erscheinende Versuchung, einen bisherigen Werdegang des Typs A vorläufig mit einer völlig anders gelagerten Position des Typs B fortzuschreiben – ohne an die herausfordernde Aufgabe zu denken, die sich daraus ergebende Gemengelage eines Tages einem dritten Arbeitgeber als Ideallösung für einen Standardbedarfsfall verkaufen zu müssen.

Die Kontrollfrage, die Sie sich bei jedem Tätigkeits-/Arbeitgeberwechsel stellen müssen, lautet: Wie stehe ich da, wenn ich meinen Werdegang etwa in zwei, in fünf oder in zehn Jahren erneut vermarkten muss? Die Antwort auf die Zehnjahres-Frage ist leicht: absolut positiv, diese lange Dienstzeit im neuen Gebiet würde alles überstrahlen (und dominieren), was davor war. Nur: Dass es dort zu zehn Jahren kommt, ist absolut nicht sicher. Auch nach fünf Jahren wären die Chancen noch recht gut. Aber nach achtzehn oder vierundzwanzig Monaten? Das alte Metier hätten Sie hinter sich gelassen, eine versuchte Rückkehr wäre nicht sehr überzeugend. Und im neuen Bereich fehlte entweder noch die Erfahrung – oder Sie würden dort (je nach den Umständen des Einzelfalles) als gescheitert gelten.

Eine beliebe Ausrede von Bewerbern mit entsprechenden Sprüngen im Werdegang lautet: „Aber mich hatte doch ein seriöser Arbeitgeber mit der damals neuen Position betraut, damit hat doch ‚das System‘ den seinerzeitigen Schritt gutgeheißen.“ Das stimmt leider so nicht: Der damalige Partner auf Arbeitgeberseite hatte einfach mit Ihrem Einsatz eines seiner drängenden Probleme gelöst. Was Unternehmen später vom sich so ergebenden Gesamtbild halten, interessiert ihn nicht.

Oder: Sie müssen selbst auf sich und Ihren Weg aufpassen, anderen fehlt dafür die Motivation.

Heißt das nun, dass es in einer Laufbahn gar keine Veränderungen geben darf, ist niemals irgendeine Art von Neuanfang möglich, muss der „rote Faden“ bis zum Exzess strapaziert werden? Absolut nicht! Gezielt eingebaute, wohl überlegte Abweichungen vom bisherigen Weg sind durchaus möglich, oft unvermeidbar und mitunter sogar empfehlenswert.

Ich sage nur: Stellen Sie sich vor dem ersten kritischen Schritt die erwähnte Kontrollfrage, und dann entscheiden Sie. Viele Werdegänge nämlich sehen nicht so aus, als wäre nach jener Frage nur die falsche Entscheidung getroffen worden. Sie lassen hingegen den Schluss zu, der Kandidat hätte überhaupt nie ernsthaft gefragt. Und genau das gilt es auszuschließen.

Als ein Beispiel für den hier angesprochenen Regelverstoß mag auch die Führungsfrage gelten: Erst ein Aufstieg vom Sachbearbeiter zum Abteilungsleiter mit 30 Mitarbeitern bei A, dann hochkarätiger Spezialist und Einzelkämpfer bei B, knapp zwei Jahre später wird ein erneuter Wechsel fällig. Aber welches Ziel passt jetzt zum Wunsch nach beruflichem Fortschritt und Einkommenssteigerung?

Service für Querleser:

Stellen Sie sich bei jedem anstehenden in oder externen Wechsel die Kontrollfrage: Wie sieht mein gesamter Werdegang aus, wenn ich in zwei oder mehr Jahren damit wieder auf den Markt gehen muss, wie wirkt er auf fremde Bewerbungsempfänger? Oder: Was kurzfristig eine Lösung zu sein scheint, kann schon mittelfristig zum Problem werden.

„Notizen aus der Praxis“-Nr.: 502
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-03-20

Von Heiko Mell

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