Heiko Mell

Achtung: Risiko!

Wenn sich neue zu alten Problemen addieren („Wiederholungstäter“)

Sehr viele Angestellte passieren die verschiedenen „Kontrollpunkte“ des berufsrelevanten Lebens glatt und ohne besondere Auffälligkeiten bzw. Vorkommnisse. Sie absolvieren die Schule in der vorgegebenen Zeit, erzielen einen vorzeigbaren Abschluss, studieren mit ebensolchen Resultaten, bleiben in ihrer Berufslaufbahn der Studien-Fachrichtung treu, absolvieren ihre Positionen mit guten Beurteilungen, können regelgerechte Dienstzeiten pro Arbeitgeber aufweisen etc. Sie bilden den Standard.

Deutliche Abweichungen davon in den kritischen Bereich hinein werden zumeist schon im Lebenslauf erkennbar – und fallen bei dessen Analyse auf.

Für den Umgang mit diesen Auffälligkeiten gibt es keine festen Regeln – niemand kann mit Sicherheit sagen, für welche eventuell geringeren Fähigkeiten oder Eigenschaften ein schwaches Abitur steht. Aber, so viel steht für jeden Bewerbungsleser fest: Irgendetwas bedeutet es schon. Und gegen ein gutes Abitur des Mitbewerbers spricht überhaupt nichts.

Es kann also keinesfalls schaden, von Jugend an auf kritische Besonderheiten im Lebenslauf zu verzichten. Nun gibt es ein Kriterium, das solche Details zwar nicht vollständig löscht, aber doch deutlich abmildert: die Zeit.

Weist der Werdegang eines Kandidaten von etwa 35 Jahren keine anderen Probleme auf als schwache Abiturnoten – bei absolut überzeugenden Fakten danach –, dann wird das in der Regel toleriert

Je aktueller erkennbare Probleme sind (Extrembeispiel: derzeit Arbeitslosigkeit, letztes Zeugnis kritisch), desto weniger hatte die Zeit Gelegenheit, ihre „heilende“ Wirkung zu entfalten.

Man kann – wie schon beim Abitur – unbedingt darüber streiten, was einzelne Auffälligkeiten konkret bedeuten und wie stark sie ggf. den Wert eines Bewerbers für den Empfänger mindern. Aber in einem Punkt sind sich die Analytiker doch einig: Häufungen von Auffälligkeiten, Wiederholungen von Problemen in einzelnen beruflichen Phasen gelten als ziemlich kritisch. Da liegt schnell das Wort vom „Wiederholungstäter“ in der Luft – und der Vergleich mit Vorstrafen bei der Wertung durch Gerichte mag sich anbieten.

Also gilt der Grundsatz: Man vermeide solche Auffälligkeiten im Lebenslauf, vor allem aber hüte man sich vor Häufungen. Wer also, um im obigen Beispiel zu bleiben, mit einem schwachen Abitur leben muss, hat seinen möglichen „Überziehungskredit“ in dieser Hinsicht weitgehend aufgebraucht. Er ist gut beraten, keine weiteren kritischen Punkte dieser Art zu sammeln.

Und wer zusätzlich zum schwachen Abitur noch eine entsprechende Auffälligkeit in späteren Phasen aufweist, vermeide unter allen Umständen neue Vorkommnisse der hier angesprochenen Art. Immerhin ist er gewarnt und kann – so er will – entsprechend vorsichtig operieren.

Sagen wir es einmal so: Wenn die den Standard bildenden Menschen ohne solche Regelverstöße durch ihr Berufsleben kommen, sogar ohne einen „Überziehungskredit“ in Anspruch zu nehmen, dann könnte das ein durch „alte Geschichten“ vorgewarnter Kandidat auch. So er wollte. Was oft das eigentliche Problem ausmacht.

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Frage-Nr.: 503
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 13
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2020-27-03

Von Heiko Mell

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