Heiko Mell

Hilfe, die Berufsanfänger kommen!

Antwort:

Cognac würde mir helfen, da bin ich ganz sicher. Offen ist, ob jeweils vor oder nach dem Vorstellungsgespräch mit einem Berufseinsteiger der beste Zeitpunkt dafür wäre. Da ich an manchen Tagen aber mehr trinken müsste als mir gut täte und ich ohnehin nichts Hochprozentiges im Büro habe, bleibt das ein reiner Wunschtraum.

Vielleicht bin ich ja auch ungerecht und wir waren früher auch so und haben damals unsere Gesprächspartner an den Rand der Verzweiflung gebracht? Haben wir nicht, entscheide ich schließlich – wir waren „irgendwie weiter“. Nachdem ich das geklärt habe, hier einige Höhepunkte aus einer Runde mit Bewerbern um die Elite-Startposition „Assistent des Vorsitzenden der GF“ eines international führenden größeren Mittelständlers. Und das Schönste dabei: Sie können herzhaft darüber schmunzeln – es war kein Ingenieur dabei.

Kandidat 1: Er will nett sein und fragt beim Abschied mitleidvoll: „Haben Sie noch einen anstrengenden Tag heute?“ Mir fällt keine Antwort ein.

Kandidat 2: Kommt mit Lederjacke, die in der Garderobe bleibt, und sitzt mir im Hemd mit Krawatte gegenüber. Auf meine diesbezügliche Frage: „Meine zwei Jacketts haben Flecken und sind in der Wäsche.“ Und dann triumphierend (er hat ein schlagendes Argument gefunden): „Das hätten Sie ja auch nicht gewollt, dass ich Ihnen mit Flecken gegenüber sitze.“ Ich gestehe nach sorgfältigem Nachdenken, dass ich das tatsächlich eher nicht …

Kandidat 3: In unserer schriftlichen Einladung bitten wir um Terminbestätigung. Er faxt dieselbe – bittet aber nun seinerseits darum, dass wir ihm den Erhalt seiner Bestätigung bestätigen (tun wir, damit er gut schläft). Übrigens wird das Gespräch mit ihm durch einen hartnäckig klingelnden Taxifahrer gestört, den er schon bei der Anreise zu uns zum (falsch) vorausberechneten Termin bestellt hatte.

Kandidat 4: Es stellt sich heraus, dass er Fachrichtung A studiert hat (die er nicht mehr mag), erste Berufspraxis im Fachgebiet B hat (das er auch nicht mehr mag), jetzt aber als Zielrichtung Fachgebiet C angibt (zu dem er überhaupt keine Beziehung nachweisen kann).

Kandidat 5: Hat schon ein wenig Praxis in einem inhabergeführten Unternehmen und gibt den Stil „des Inhabers“ als Motivation für die Bewerbung an. Gerade hatte ich ihm ausführlich erklärt, dass auch das Zielunternehmen inhabergeführt ist. Das ist nicht witzig.

Kandidat 6: Ein „sag ich mal“-Sager. Dieser Pausenfüller nervt – mehr als sich „Benutzer“ das vorstellen können. Ich habe mitgezählt: bis zu dreimal pro Satz muss ich mir das anhören. Lösung: zu Hause einen freien Vortrag halten, Tonband mitlaufen lassen, anhören, entsetzt sein, daran arbeiten. Sag ich mal.

Kandidat 7: Er erbittet sich von meiner Sekretärin ein Blatt Papier für Notizen im Gespräch. Ich bin glücklich: Der Mann hat wenigstens einen eigenen Kugelschreiber.

Kandidat 8: Ich stelle den Standort des Unternehmens vor, der etwas abseits der Metropolen liegt. „Da habe ich schon gejagt“, untermauert der Bewerber seine Ortskenntnis. Auf meine Nachfrage beruhigt er mich: Wenigstens gehören ihm die Jagd oder die Latifundien dort nicht, er war nur geladener Gast. Leider trübt er zwei Tage später das Bild, das ich bis dahin von ihm haben durfte: Zusätzlich zu den beim Gespräch bereits geltend gemachten und von uns schon angewiesenen Reisekosten von 820,00 DM fordert er „vergessene“ 8,40 DM für die Fahrt zum Flughafen telefonisch nach. Das ist genau der Blick fürs Wesentliche, den wir oft so verzweifelt suchen!

Lassen wir es gut sein. Und ich habe ja Cognac zu Hause. Damit kein Missverständnis aufkommt: Das waren alles keine „tödlichen“ Vorkommnisse. Aber sie, genau sie, sind die Ursache dafür, dass die Unternehmen so wild auf junge Akademiker „mit erster Praxis“ sind. Die wissen dann zumindest, dass Anzugsjacketts gar nicht gewaschen, sondern in die Reinigung gegeben werden. Hoffentlich.

Kurzantwort:

Cognac würde mir helfen, da bin ich ganz sicher. Offen ist, ob jeweils vor oder nach dem Vorstellungsgespräch mit einem Berufseinsteiger der beste Zeitpunkt dafür wäre. Da ich an manchen Tagen aber mehr trinken müsste als mir gut täte und ich ohnehin nichts Hochprozentiges im Büro habe, bleibt das ein reiner Wunschtraum.

Frage-Nr.: 98
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-06-12

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