Heiko Mell

15 Jahre Praxis sucht „kein Mensch“

Antwort:

Es gilt als ehernes Gesetz: In einer Marktwirtschaft muss der Verkäufer offerieren, was die Kunden haben wollen. Der Angestellte ist ein solcher Anbieter, seine Kunden sind Unternehmen, die Mitarbeiter einstellen.

Und, lieber Leser, können Sie bieten, was Arbeitgeber suchen? Zum Glück steht jede Woche in der Zeitung, welche Qualifikation gewünscht wird, jede Stellenanzeige ist eine aussagefähige – und kostenlose – Informationsquelle.Also prüfen Sie einmal, ob Sie dabei sind bei den Begehrten. Selbst wenn Sie derzeit einen Job haben: Sie wissen niemals, wie lange der noch existiert. Und die Möglichkeit, selbst auf eigene Initiative wechseln zu können, ist so kostbar, dass Sie sich diese Chance unbedingt offen halten sollten. Oder härter gesagt: Falls nur noch Ihr heutiger Chef Sie haben wollte, Sie aber keine Alternative dazu mehr fänden, müssten Sie Ihre berufliche Existenz als gefährdet einstufen.

Was nun schreiben Unternehmen so als Anforderung in ihre Anzeigen? Ausbildung / Fachrichtung, Branchenerfahrung, Fachkenntnisse, Sprachen – und oft geben sie die geforderte Berufspraxis im Detail an. Mit „erster Praxis“ ist so bis zu zwei Jahren seit Studienende gemeint. Dann kommt die Kerngruppe „mit drei bis fünf Jahren“, hochbegehrt, weil rundum qualifiziert und erfahren. So weit, so gut.

Aber, wie jüngst einer meiner Gesprächspartner im Beratungsgespräch feststellte, „meine fünfzehn Jahre Praxis sucht kein Mensch“. Recht hat er, der Blick in die Stellenangebote zeigt das sofort. Und bitte lassen Sie sich nicht täuschen: „Mindestens fünf Jahre“ meint, sieben bis acht seien noch akzeptabel – aber fünfzehn sind auch davon nicht mehr abgedeckt, sind schlicht zu viel.

Dahinter steht die gesicherte Erkenntnis, dass der Wert von Erfahrung in immer dem gleichen Job in den ersten Monaten progressiv, dann einige Zeit etwa linear und ab etwa fünf Jahren schnell degressiv ansteigt. Und so ist letztlich jemand mit fünfzehn Jahren gegenüber dem mit fünf eigentlich nur älter, unflexibler – und teurer, bietet aber dafür kaum höheren Gegenwert zum Ausgleich. Und – darum geht es – er fällt bei Bewerbungen schnell durch das Anforderungsraster. Zwar darf er sich „überqualifiziert“ nennen, aber vor Absagen schützt das nicht!

Fein heraus ist, wer aufsteigt. So etwa alle fünf Jahre eine Stufe, das verhindert den genannten Effekt. Und ein „Leiter“ darf auch einmal zehn Jahre seinen Job ausgeübt haben, bevor man ihm „zuviel“ vorwirft.

Aber als Sachbearbeiter ohne Karriereambitionen? Da wird der Wechsel mit steigendem Alter grundsätzlich immer schwieriger. Zumindest sollten Sie sich bemühen, Flexibilität nachweisen zu können. Durch konsequente fachliche Weiterbildung, interne Aufgabenveränderungen, Mitwirkung an interessanten Projekten, Auslandseinsätze etc. Und achten Sie darauf, nicht zu „teuer“ zu werden, sonst sitzen Sie schnell im „goldenen Käfig“. So „richtig Geld“ wird ohnehin nur in Führungspositionen verdient.

Vor allem aber: Lesen Sie Stellenanzeigen auch dann, wenn Sie derzeit gar nicht wechseln wollen, denn Sie könnten es morgen unfreiwillig müssen!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 92
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-10-26

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