Heiko Mell

Genormt heißt schwieriger

Antwort:

Viele insbesondere jüngere Bewerber träumen von standardisierten Bewerbungen. Bloß nicht nachdenken, bloß nicht als Individuum auftreten müssen, immer schön alles nur einfach aus dem PC abrufen können – und nur jeweils den Kopf einziehen und warten, ob es gutgegangen ist.

Diesen Leuten kann geholfen werden! Schon im November 2001, so heißt es, könnten die zuständigen Bildungsminister der 15 EU-Staaten eine Vorlage beschließen, nach der Bewerbungen oder doch die Lebensläufe darin künftig überall nach einheitlichen Regeln gestaltet werden sollen. Das bedeutet, vermerkt z. B. die Welt am 20.08.2001, dass Jobbewerber in Europa künftig ihre Arbeitserfahrungen und Ausbildungen in getrennten Listen angeben – und auf das Passbild verzichten sollen.

Natürlich soll die Verwendung des künftigen EU-Musters freiwillig erfolgen (es heißt auch nicht, dass Stellenanzeigen mit der Anforderung von Passbildern etwa verboten würden). Nun, wir werden sehen, ob und was kommt – und was sich wie durchsetzt. Wenn es so weit ist, gehen wir natürlich auch hier darauf ein.Mir geht es heute um eine Warnung: Niemand glaube bitte, „so etwas“ erleichtere dem deutschen Bewerber in Deutschland (Standardsituation unserer Leser) das Finden einer Position!

Für diejenigen Bewerber, die immer schon „gut“ waren, mag es leichter werden. Dann fallen vielleicht ihr perfekt passendes kurzes Studium mit den Top-Noten, der tadellos-einwandfreie Werdegang mit dem klaren „roten Faden“, die richtig langen Dienstzeiten etc. noch schneller auf. Aber die anderen, die vielleicht Erklärungsbedarf haben, die eher individuelle Begründungen geben müssten als jetzt nach Normvorschrift nur alles aufzulisten – die werden es bei standardisiertem System noch schwerer haben. Denn auf genormte Bewerbungen folgen – natürlich – genormte Auswertungen, die jede Abweichung vom Ideal gnadenlos ans Licht zerren. Und ob manchen Bewerbern „wg. Aussehens“ eine Ablehnung erst nach dem Vorstellungsgespräch oder direkt nach Bewerbungseingang zuteil wird, bringt den Betroffenen auch wenig (wird aber Fotografen missfallen). Leider lehrt mich die Erfahrung, dass die engagierten Gegner der heute noch allein üblichen „frei gestalteten“ Bewerbung mit jenen identisch sind, die von neuen Normen am wenigsten haben werden.

Warten wir also einmal ab. Und planen Sie ein: Der Druck, einen halbwegs idealen (lt. Arbeitgeberwunsch) Lebenslauf vorzeigen zu können, wird eher wachsen als abnehmen!

Warum die EU-Minister das überhaupt tun? Weil heute die Bewerbungsverfahren in den einzelnen Ländern höchst unterschiedlich sind und ein Ausländer, der das andere System nicht kennt, stets negativ wegen Verstoßes gegen Formvorschriften auffällt. Das abzubauen, ist der Job der Minister (die sich selbst höchst landesspezifisch „beworben“ haben müssen, vorher. Oder will sich der Bundeskanzler in Kürze vorschreiben lassen, seine Minister beispielsweise nach italienischem Standard zu ernennen? Warten wir einmal, was auf der Ebene geschieht).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 90
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-10-12

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