Heiko Mell 01.01.2016, 10:15 Uhr

Ein Führungs-Märchen

Antwort:

Es war einmal ein Mann, der verdiente sein Geld, indem er anderen Leuten gute Ratschläge gab. Den rief der Chef eines mittelständischen Industriebetriebes an: Er hätte da ein Problem (das fand der Angesprochene erfreulich).

Stein des Anstoßes wäre der technische Leiter des Unternehmens. Der nämlich funktioniere nicht. Während der häufigen längeren Geschäftsreisen des Chefs ins Ausland beispielsweise geschähe nichts, werde nichts bewegt, sei bei seiner Rückkehr praktisch alles noch so wie vorher. Andererseits sei der Mann tüchtig, insbesondere früher in anderen Arbeitsverhältnissen gewesen und hier am Anfang auch.Ob der Berater herausfinden könne, warum das nicht so liefe wie erhofft. Das wäre garantiert zu machen, versprach dieser. Denn man hatte eine Diagnose gefordert, weder Therapie noch Wunderheilung.

Zum Termin vor Ort hat der Chef sich verspätet, soll aber jeden Moment vom Flughafen kommen. Der Berater wird schon ins Chefzimmer geführt. Dem gegenüber auf dem langen Flur steht „Technischer Leiter“ an einer Tür. Vom Besucherstuhl (ebenso wie vom Chefschreibtisch) gibt es eine perfekte Aussicht auf Betriebshof und Werkshallen.

Der Chef kommt aufs Gelände, stellt seinen Koffer beim Pförtner ab, geht in Halle 1. Kommt bald wieder heraus, zieht einen Schwarm bekittelter Menschen hinter sich her wie einst Professor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik. Verschwindet samt Tross in Halle 2, während in Halle 1 geordnetes Durcheinander einsetzt. Alles läuft, räumt, baut um. Der Chef kommt heraus, der Schwarm hinter ihm ist gewachsen, die Betriebsamkeit greift auf Halle 2 über. Fünf davon gibt es, vier werden besucht. Von oben sieht das alles sehr eindrucksvoll aus.

Dann betritt der Chef sein Zimmer, entschuldigt sich. Das, so der Berater, sei überhaupt nicht schlimm: Er habe inzwischen seine Aufgabe gelöst. Nein, tröstet er den entsetzten Auftraggeber, mit dem technischen Leiter hätte er keinen Kontakt gehabt.

Aber der säße jetzt allein in seinem Büro mit Ausblick auf Bäume und Hügel, da auf der anderen Seite des Flures gelegen. Und wisse vermutlich weder, dass der Chef überhaupt schon im Hause sei, noch dass er ihm, dem technischen Leiter, soeben endgültig das Rückgrat gebrochen habe. Der Chef schaut irritiert, verständnislos. Er? Falsch gehandelt? Aber er habe doch dem Mitarbeiter weder den Titel noch das Gehalt genommen. Der brauche doch nur zu arbeiten.Könne er ja nicht, sagt mit leichter Resignation der Berater (Angehörige seines Berufes haben einen feinen Instinkt für fehlendes Verständnis). Er, sagt der Chef, käme gerade aus dem Ausland, habe dringende Aufträge mitgebracht und sofort alles in die Wege geleitet. Persönlich, wie er hinzufügt.Durchaus, seufzt der Berater, aber jetzt gehe in Kürze der technische Leiter in den Betrieb und finde dort nichts mehr so vor, wie er es angeordnet hatte. Bis ihm ein Meister auf die Schulter klopfen und ihm anbieten werde, bei Bedarf gerne zu erläutern, „was denn hier so liefe“. Das gebe seinem Vorgesetzten den Rest, der fühle sich dann als Trottel.

Das wiederum, so der Chef, sei ihm unverständlich. Und es sei doch sein Unternehmen und ob er da nicht jederzeit … Doch, sagt der Berater. Und beschließt, auf die Rechnung etwas aufzuschlagen …

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 87
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-09-21

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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