Heiko Mell

Eine Einstellung ist keine Unbedenklichkeitserklärung

Antwort:

Vermutlich kennen Sie das: Sie schließen als Angestellter ein Kapitel Ihres Werdeganges ab, verlassen Ihren „alten“ Arbeitgeber und gehen zu einem neuen. Und die (berufliche) Vergangenheit ist tot, es lebe die Zukunft. Mit dem Durchschreiten des Werktors am letzten Arbeitstag bleiben auch all die Querelen zurück, die es dort gegeben hatte, alle enttäuschten Hoffnungen, unerfreulichen Auseinandersetzungen, ausgebliebenen Erfolge. Und die Begebenheiten aus noch früheren Arbeitsverhältnissen sowieso.

Besonders reizvoll scheint zu sein: Alte und neue Firma kennen sich nicht, kommen aus ganz anderen Branchen, sitzen in verschiedenen Regionen. Also ein totaler Neuanfang am ersten Arbeitstag – mit allen Chancen, die damit verbunden sind. Auch hat das neue Unternehmen Ihre berufliche Vergangenheit nicht nur gerade erst analysiert, sondern es hat mit der Einstellung scheinbar auch eine Art „Freigabestempel“ erteilt: geprüft und ohne Beanstandung abgehakt. „Kein Anlass zur Besorgnis“ also (von Kishon, wenn ich mich nicht irre).

Der Eindruck täuscht indes. Man wird seine berufliche Vergangenheit nicht los, man schleppt sie mehr oder minder ein Leben lang mit sich herum. Sicher, die Zeit heilt manche Wunde und Neues überdeckt Älteres zumindest teilweise.

Aber: Der nächste Wechsel kommt bestimmt, nie dürfen Sie sicher sein, dies sei der letzte gewesen. Und dann kommt bei der fälligen Bewerbung alles zusammen noch einmal auf den Prüfstand. Also die Vergangenheit vor Eintritt in das heutige Unternehmen plus die Begebenheiten dortselbst. Die auch darin bestehen können, dass es keine beruflichen Fortschritte, aber Verantwortungsreduzierungen durch leidige Umstrukturierungen gab. Oder eine zu kurze Dienstzeit.

Und bei der nächsten Bewerbungsaktion ist das Niveau der dann angestrebten Position höher und damit liegen die Messlatten deutlich höher – auch für Vergangenes, das „gestern“ mit der letzten Vertragsunterschrift doch abgehakt zu sein schien. Plötzlich kommt das lange zurückliegende schlechte Examensergebnis wieder hoch und das schwache Zeugnis von Arbeitgeber Nr. 3. Dann ist bei jenem nächsten Wechsel die Konjunktur gerade flau, Bewerber gibt es genug – und vorbei ist’s mit jener Toleranz, die „gute Zeiten“ so mit sich bringen.

Was das alles bedeutet? Dass eine Einstellung keine pauschale Absolution in Sachen beruflicher Vergangenheit darstellt, dass Angestellte bestrebt sein müssen, jede(!) beruflich relevante Phase vorzeigbar und ohne Beanstandungen abzuschließen und dass eine Akzeptanz diverser Schwächen im Lebenslauf durch Arbeitgeber in bestimmten (vorübergehenden) Zeiten nicht bedeutet, dass dieselben oder andere Firmen in drei Jahren nicht eine viel stärkere „Lupe“ hervorholen, wenn sie Werdegänge bewerten. „In der Not frisst der Teufel Fliegen“, weiß der Volksmund. Aber wenn er es sich wieder leisten kann, nimmt er wie gewohnt gebratene Tauben oder so. Und verschmäht die Fliegen. Seien Sie also Taube, vorsichtshalber.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 81
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 31
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-08-03

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