Heiko Mell

Werden Sie nie arbeitslos!

Antwort:

Ich gebe zu, dass diese Überschrift in ihrer schnörkellosen, eindeutigen Aussage auf viele Betroffene wie blanker Hohn wirken muss. Das ist nicht gewollt, diese Menschen sind nicht gemeint.Es sind aber längst nicht alle, die derzeit arbeitslos sind, an diesen Status gekommen, ohne dass sie eine andere Chance gehabt hätten. Und deren Zahl kann täglich wachsen. Ihnen gilt meine Warnung ebenso wie all jenen, die vermeintlich sicher im Sattel sitzen und sich noch nie mit diesem Problem beschäftigt haben.

Denn alle Regeln und Gepflogenheiten rund um das Thema „ich suche mir eine neue Position“ setzen stillschweigend voraus, dass Sie- ungekündigt in einem unbelasteten Arbeitsverhältnis sind,- ohne besonderen Druck Ihre freie Wahl im Hinblick auf das nächste berufliche Engagement treffen können,- ein nicht zu 100 Prozent Ihren Vorstellungen entsprechendes Angebot nicht annehmen werden und dann in Ruhe weitersuchen können,- überhaupt keinen Grund haben, in Hektik oder gar Panik zu verfallen, wenn diese Woche keine wirklich interessante Position ausgeschrieben wird – dann kommt sie eben in der nächsten Woche oder im nächsten Quartal.

Ein potenzieller Arbeitgeber erwartet, dass Sie seine offene Position und das Unternehmen „lieben“, von ganzem Herzen und ruhig mit ein bisschen Leidenschaft. Und das können Sie nur so richtig glaubhaft machen, wenn nicht deutlich wird, dass Ihnen das Wasser täglich etwas näher „am Hals“ steht und Sie mit der Vertragsunterschrift nur eine Vernunftentscheidung treffen. Auch bleibt natürlich stets der Verdacht, dass ein Unternehmen nie seine besten Mitarbeiter zuerst entlassen hat – was die Qualifikation eines solchen Bewerbers tangierte.

Erhalten Sie sich also Ihre Handlungsfähigkeit einschließlich Ihres vollen „Wertes“ auf dem Markt und werden Sie niemals ohne wirklich zwingenden(!) Grund arbeitslos. Als nicht zwingend muss es angesehen werden, wenn

– Sie ein Abfindungsangebot nur des Geldes wegen annehmen, ohne einen neuen Job zu haben,

– Sie bei einem Umzug des Unternehmens nicht erst einmal mitgehen, sondern die Arbeitslosigkeit am alten Ort als das kleinere Übel ansehen,

– Sie aus Verärgerung alles hinwerfen und spontan kündigen, ohne einen neuen Job zu haben,

– Sie bis zuletzt bei einem schon länger als marode geltenden Unternehmen bleiben und nach der Pleite vorhersehbar arbeitslos werden,

– Sie selbst kündigen, um eine elend lange Kündigungsfrist zu überspielen,

– Sie ohne neuen Job kündigen, weil „ich für klare Verhältnisse bin und mich nicht hinter dem Rücken meines Arbeitgebers bewerben will“ oder „ich hinreichend Zeit für die Bewerbungsaktion haben wollte“,

– Sie ein gut laufendes Beschäftigungsverhältnis aufgeben, weil Sie ein Zusatzstudium oder eine Weltreise planen oder – die Krone überhaupt – „weil ich beim Bau meines Hauses in Eigenleistung Managementerfahrungen sammeln wollte“.

Wenn Sie unter starkem Druck eine neue Position suchen müssen – was bei Arbeitslosigkeit auch dann gegeben ist, wenn Sie noch finanzielle Reserven haben -, taugt der gefundene Job meist nicht viel, was zum nächsten Wechsel führt. Es wird schnell ein Teufelskreis, in dem man sich dann bewegt. Aber nicht alle haben alles getan, um gar nicht erst hineinzugeraten.

Kurzantwort:

Ich gebe zu, dass diese Überschrift in ihrer schnörkellosen, eindeutigen Aussage auf viele Betroffene wie blanker Hohn wirken muss. Das ist nicht gewollt, diese Menschen sind nicht gemeint.

Frage-Nr.: 80
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-07-27

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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