Heiko Mell

Hängt der Erfolg am Führungsstil?

Antwort:

In bisher 37 Berufsjahren (ich bin noch nicht so alt wie das klingt, ich habe nur extrem jung angefangen) sieht man eine Menge. Firmen, Chefs, Mitarbeiter, Unternehmenskulturen. Und Führungsstile. Viele erlebt man hautnah. „Hautnah“ ist auch, wenn man als Berater Aufträge bespricht, wenn man die nachfolgende Beurteilung der präsentierten Kandidaten durch den Auftraggeber erfährt oder wenn private Klienten in der Karriereberatung Erlebtes in allen Details schildern.

Ich lerne Unternehmen kennen, die sind nobel im Umgang, ohne Einschränkung. In anderen sind die Chefs menschlich angenehm, aber dabei geizig bis zur Lächerlichkeit. Anderswo gibt es so autoritäre Top-Manager, dass mir ein „Jawohl, Herr General“ stets auf der Zunge liegt.

Oder die Firmen sind schwach besetzt an der Spitze, indiskutabel schwach. Und manchmal gilt der Mitarbeiter intern etwas, anderswo erkennbar nicht. Unter Geschäftsführern herrscht Hauen und Stechen oder alle sind nett zueinander.

Als wichtige Kategorie gilt auch die Modernität von Organisationsstrukturen und Führungsgepflogenheiten. Einige Unternehmen waren schon prozessorientiert, da wussten andere noch nicht einmal, was eine Matrix sein soll. Dafür rühmten sich manche schon eines kooperativen Stils – als der von anderen noch als Zeichen von Schwäche interpretiert wurde.

Und ganz am Anfang meiner Laufbahn konnte ich einen Vorstand eines größeren Konzerns beim Verlassen einer Informationsveranstaltung über das damals aktuelle „Harzburger Modell“ belauschen: „Delegation von Verantwortung“, schimpfte einer, „was für ein Blödsinn. Wofür brauchen die dann überhaupt noch einen Vorstand?“

Womit die Diskussion beendet war. Denn alles dürfen Sie in Frage stellen, reorganisieren, verkleinern, entlassen. Aber die Spitze natürlich nicht!Nun steht noch die Frage im Raum, welche Methode, welcher Stil die besten Resultate erzielt. Und an der Stelle muss ich eine traurige Bilanz ziehen: Es wär so schön gewesen, doch es hat nicht sollen sein – mit dem Erfolg eines Unternehmens scheint das alles nichts zu tun zu haben! Es gibt tolle Gewinne mit miesem Stil, Pleiten mit modernsten Methoden und jede denkbare Kombination dazwischen. Und es ist müßig zu überlegen, ob denn mit besserem Stil noch mehr verdient worden oder mit schlechterem der Konkurs noch schneller gekommen wäre.

Ob vielleicht doch nach wie vor einfach das tolle Produkt, die kostengünstige Hochqualitätsfertigung, der starke Vertrieb mit dem marktgängigen Konzept die entscheidende Rolle spielen? Und ob vielleicht die berechenbare, weil konstant durchgehaltene Führungsmethode „zweiter Wahl“ für die Mitarbeiter nicht besser ist als die Hektik, die zwangsläufig ausbricht, wenn ein Unternehmen ständig der neuesten Mode nachläuft?

Weil ja „modern“ den Zwang zu nahezu quartalsmäßigen Veränderungen bedeutet – denn die „Mode“ ändert sich auch auf diesem Gebiet permanent. Menschen mögen aber keine permanente Veränderung, so alle zwei bis drei Jahre reicht ihnen völlig.Also beurteilen Sie ein Unternehmen vorrangig nach seinem Erfolg im Sinne der Zielsetzung und dann erst nach der „Modernität“ seines Stils und seiner Methoden.

Sie haben – als Bewerber oder als Mitarbeiter – auf Dauer mehr davon.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 79
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-07-20

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