Heiko Mell

Wie eine eigene kleine Firma

Antwort:

Es geht hier schon um Angestellte – die das auch bleiben möchten. Um Akademiker mit Ambitionen. Die etwas sind und/oder etwas werden wollen. Also um ganz normale Leser dieser Serie.

Aber es geht um einen neuen Typ von angestellter Führungs- oder Nachwuchskraft. Die Zukunft gehört nicht mehr dem, der sich unter den schützenden Schirm eines größeren Unternehmens begibt, sich dessen Wohl verschreibt, unter allen Umständen dort bleibt, seine Interessen denen des Hauses unterordnet und vom silbernen Dienstjubiläum träumt. Die Zeiten, in denen das Erfolg versprach, sind vorbei. Die Unternehmen haben sich, ob freiwillig oder nicht, zu sehr verändert in den letzten Jahren.

Der moderne, erfolgsorientierte Managertyp setzt hingegen der Flexibilität und Veränderungsbereitschaft seines Arbeitgebers Gleichwertiges entgegen: die Interessen seiner eigenen „Firma“, bestehend aus ihm selbst. Ich bin tatsächlich überzeugt, dass er am besten mit den Gegebenheiten zurechtkommt, wenn er sich als eigenständiges – kleines – Unternehmen betrachtet. Das auch Ziele hat und „Unternehmenspolitik“ betreibt, das die Interessen seines „Gesellschafters“ wahrt. Und was dem großen Arbeitgeber der Börsenkurs oder der Marktanteil, ist dem kleinen Haus die persönliche Erfolgskurve des Inhabers. Wenn die nicht mehr den Ansprüchen genügt, sind Maßnahmen angesagt.

Ganz emotionslos wird auch jedes große Unternehmen prüfen, ob die real existierenden Kunden bereits das Optimum sind oder ob man sich um neue, gegebenenfalls andere, bemühen muss.Und ebenso sachorientiert muss auch der Geschäftsführer der „Wolfgang Müller GmbH“, diese bestehend aus ihm selbst, von Zeit zu Zeit analysieren, ob er noch den richtigen Geschäftspartner hat – oder wo sonst auf dem Markt er die Ziele seines „Unternehmens“ am besten realisieren kann.

Das Beispiel hat mehr brauchbare Facetten als man ihm zunächst ansieht:

  •  Etwas zu tun, weil man gerade das gern tut, ist für ein Unternehmen nicht der beste aller denkbaren Maßstäbe. „Ja tun Sie das denn auch gern?“, ist keine sinnvolle Frage an ein großes Unternehmen, das neue Aktionspläne vorstellt. „Wir tun es, weil es für unser Haus zweckmäßig ist und weil wir es können“, wird die Antwort des „Großen“ lauten. Das kann – und muss öfter als bisher – auch für den „Kleinen“ gelten.
  •  Unternehmen ziehen nicht vorrangig dorthin, wo der Geschäftsführer gern leben würde, sondern sie orientieren sich an sachlichen Gegebenheiten. „Wir gehen dahin, wo unser Markt ist.“ Und viele haben schon Sitz oder Hauptverwaltung weiträumig verlagert. Niemand verlangt, das sie dabei frohlocken.
  •  Ohne klare Zielsetzung und deren konsequenter Verfolgung in Planung und Ausführung läuft beim „Großen“ gar nichts. Dass Markterfolge „sich so ergeben“ haben, ist heute undenkbar. Werdegänge des „Kleinen“ sehen nur allzu oft aus, als hätte das Chaos zufällig gekreißt – und das eben sei herausgekommen. Bei einem „anständigen“ Unternehmen „ergibt“ sich nichts!
  •  Wenn jemand ohnehin Geschäftsführer oder Angehöriger der Ebene darunter werden will, kann er mit der Führung der eigenen kleinen „Gesellschaft“ schon einmal üben. So furchtbar groß sind die Unterschiede letztlich gar nicht.

Und um den Kreis zu schließen: „Richtige“ Firmen haben meist mehrere Gesellschafter, denen gegenüber die Geschäftsführer sich verantworten müssen. Wenn Sie eine Partnerin/einen Partner haben, so hat auch der „Aktien“ in Ihrer „Firma“. Führen Sie Ihren „Laden“ so, dass Sie und der andere Gesellschafter langfristig zufrieden sein können. Nur auf das Beispiel, was im Kleinen eine „feindliche Übernahme“ wäre, verzichte ich denn doch.

Kurzantwort:

Es geht hier schon um Angestellte – die das auch bleiben möchten. Um Akademiker mit Ambitionen. Die etwas sind und/oder etwas werden wollen. Also um ganz normale Leser dieser Serie.

Frage-Nr.: 76
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-06-29

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