Heiko Mell

Dumm …

Antwort:

Ich bin dem Schicksal dankbar, dass ich nahezu ausschließlich mit der Elite umgehen darf. Alles Akademiker, Führungs- oder allenfalls -nachwuchskräfte. Ich arbeite also auf hohem Niveau.Quer über die Bewerbung um eine Position für ungefähr 350.000,- DM/Jahr prangt ein Aufkleber: „Die hier zur Debatte stehende Position ist für mich höchstens III. Wahl.“ Sie haben Recht, wenn Sie das so nicht glauben. Oh, der „Aufkleber“ ist schon vorhanden, allerdings mehr symbolisch:
Es geht um eine Bereichsleitung in einem größeren privaten Unternehmen. Artig sagt das Anschreiben, dieser Job sei genau, was der Absender wolle. Im Lebenslauf gibt es eine ebenso alberne wie höchst überflüssige Rubrik „angestrebte Zielposition“. Ziel ist zwar eigentlich immer gut. Nur ist das hier ja schon besetzt. Durch die in der konkreten, sehr ausführlichen (von mir getexteten!) Anzeige dargestellte Position. Jene Stelle muss einfach das Ziel sein, darum allein kann es gehen. Na ja, vielleicht hat der Kandidat das noch einmal in seine Rubrik hineingeschrieben; es brächte zwar nichts, störte jedoch kaum.

Hat er aber nicht. Geschrieben hat er unter Zielposition: „Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens oder 2. Ebene eines Konzerns.“ Der in dem Inserat sehr deutlich umrissene Job erfüllt beide Voraussetzungen absolut nicht. Also hat der Kandidat sich nur gnädigerweise zu dieser Bewerbung herabgelassen. Nicht ohne mir sehr deutlich („Aufkleber“) mitzuteilen, dass er eigentlich ganz andere Positionen anstrebt.

Warum tut er das? Ja, da fragen Sie etwas. Vielleicht macht man das als Elite? Ich weiß es nicht. Schwöre aber, dass so etwas beileibe kein Einzelfall ist!

Im Vorstellungsgespräch sagt ein anderer: Mediziner hätte er werden wollen, eigentlich. Aber das Abitur wäre nicht gut genug gewesen. Schließlich hätte er dann halt „irgendetwas“ werden müssen und nun sei er Ingenieur, beispielsweise. Toll, einen Fachmann einstellen zu dürfen, der nur hier sitzt, weil man ihm sein Wunschziel nicht ermöglicht hat. Ob der seinen Heiratsantrag auch so formuliert: „Eigentlich, liebe Corinna, wollte ich Adele ehelichen. Da die mich aber nicht will, stehe ich nun vor dir.“ Frauen sind ungefähr ebenso gern Ersatzreserve II wie Firmen, bei denen man sich um Elite-Jobs bewirbt. (Wie Männer auf Heiratsanträge reagieren, sage ich Ihnen, wenn ich einen bekomme. Die Chancen stehen schlecht.)

Beliebt ist es auch, als Antwort auf die Frage nach langfristigen beruflichen Zielsetzungen wie aus der Pistole geschossen eine Position zu nennen, die in dem gerade sehr ausführlich vorgestellten Unternehmen gar nicht machbar ist („Vorstand“, wenn es um eine GmbH geht, „Geschäftsführer“ im ausschließlich von Inhabern geführten Unternehmen, „Geschäftsleitung im Mittelstand“, wenn ein Konzern dahintersteht). Oder wenn auf genau dieser Position der künftige Chef sitzt – der jetzt die Einstellentscheidung trifft.

Dies alles ist an der Tagesordnung, in immer wieder neuen Varianten. Ach ja: Mit der Überschrift bin ich nur nicht fertig geworden. Deren Ende lautet (natürlich) „… gelaufen“.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 69
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-04-27

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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