Heiko Mell

„Nie sollst du mich befragen“

Antwort:

Manager entscheiden. Das ist zwar unbestreitbar, aber nicht so einfach, wie es klingt.Was ist überhaupt eine Entscheidung? Sagen wir einmal: die verbindliche Festlegung auf eine von mehreren Handlungsmöglichkeiten. Es gibt dabei also stets mindestens eine Alternative.

Bis dahin keine Sensation, sagen Sie? Warten Sie noch ein bisschen, ich bin nahe daran:
Wenn Ihr Chef entscheiden soll, müssen Sie ihm auch Gelegenheit dazu geben. Das immerhin kann er verlangen. Dann aber dürfen Sie ihm niemals ein Problem auf den Tisch legen und ihn fragen, was jetzt getan werden soll! Damit nämlich degradieren Sie ihn zum Detailfachmann, der Lösungen ausarbeitet. Und das mag er nicht!

Denn das würde bedeuten: Er muss tief in die Einzelheiten einsteigen, sich mit zahlreichen einzelnen Faktoren auseinandersetzen – und schließlich die volle, alleinige Verantwortung für die Lösung übernehmen. Weit und breit ist niemand, der mitschuldig ist, wenn es daneben geht – und mühsam ist die Geschichte auch noch. Auf Dauer reagiert der Chef – zu Recht – ungehalten auf Mitarbeiter, die ihn derart falsch fordern.

Daraus folgt die Grundregel dieses Prozesses: Legen Sie einem hochrangigen Chef niemals Probleme auf den Tisch, sondern Lösungskonzepte. Das kann er in jedem Fall verlangen.Und nun die „Hohe Schule“: Formal ausreichend wäre die Auflistung aller Handlungsmöglichkeiten (es gibt immer mindestens zwei, die andere lautet stets „gar nichts tun“) mit Darstellung aller Vor- und Nachteile.Nun könnte Ihr Chef entscheiden – wäre aber immer noch nicht glücklich damit. Denn so hart mag er das Entscheidungsgeschäft auch wieder nicht betreiben: Eigentlich müsste er jetzt doch wieder ziemlich tief in die Details eintauchen, die Vor- und Nachteiletabelle überprüfen, die beste Lösung selbst herausarbeiten. Und immer noch lautete Ihre Frage an ihn: Was sollen wir jetzt tun?

Außerdem wäre das für Sie nicht besonders interessant: Sie zögen ergeben den Kopf ein und warteten auf die „göttliche Eingebung“ von oben, überließen ihm, wohin der Zug anschließend fährt. Das klingt nach dem Untertan von gestern, nicht nach dem modernen Mitarbeiter von heute.

Daher lautet die verfeinerte Regel: Legen Sie einem hochrangigen Chef niemals Probleme auf den Tisch, zählen Sie auch nicht bloß Lösungsmöglichkeiten auf. Legen Sie ein von Ihnen gewolltes Lösungskonzept so vor, dass er es „abhaken“ kann. Sie können weitere Alternativen angeben, diese aber dann begründet gewichten. Letztlich lautet Ihre Empfehlung in anderen Worten: „Ich schlage vor, dass Sie aus diesen und jenen Gründen wie folgt entscheiden …“

Das gefällt dem Chef zumeist ganz ungemein: Er behält letztlich die Entscheidungsgewalt, aber er kann sich auf eine fachmännische Vorlage stützen, deren Verfasser Mitverantwortung übernimmt. Er sieht: Ein profilierter Spezialist hat sich mit den Details beschäftigt und schlägt vor, was er für vernünftig und geboten hält. Und nun kann sich der Chef entscheiden, dem zu folgen. Oder auch nicht – ein bisschen Unberechenbarkeit muss schließlich bleiben.

Und das Zitat in der Überschrift ist aus Wagners Lohengrin. Von 1847.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 67
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-04-06

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