Heiko Mell

Prioritize paradigms for value-added knowledge performance

Antwort:

Er sei, so sagte der deutsche Manager, entsetzt gewesen. Entsetzt als er nach fünf Jahren in Nordamerika wieder heimischen Boden betrat. Es sei ja schon ziemlich widerlich, wie oft hier englische Einzelausdrücke und Begriffe, ja ganze Sätze oder sogar komplette Dialoge die tägliche Sprache durchzögen. Auf Reklameplakaten und im Werbefernsehen könne man täglich die besten Beispiele finden, aber so richtig verschont bleibe kein Lebensbereich.

Dabei stört ihn Englisch natürlich überhaupt nicht – er lebte ja seit Jahren in diesem sprachlichen Umfeld. Aber seine Beobachtung ist absolut richtig.

Gerade ich habe an dieser Stelle schon mehrfach gefordert, dass jeder deutsche Angestellte mit beruflichen Ambitionen Englisch können muss, ob das nun in seinem derzeitigen Job gefordert wird oder nicht. Aber er soll doch auch telefonieren können, ohne das an jedem Ort (Theater, Restaurant, Vorstellungsgespräch) pausenlos unter Beweis zu stellen. Auch wer nebenbei Golf spielen kann, muss ja auf der Straße nicht alle paar Schritte Übungsschwünge in sein Bewegungsbild einstreuen. Oder als Jäger etwa ständig imaginäre Flinten anlegen.

Wobei Kenner sagen, wir hätten mit unserem Übereifer im Gebrauch der Muttersprache unserer westlichen Führungsnation dieselbe längst links überholt. Indem wir Begriffe benutzten, die bloß amerikanisch klängen, die aber dort niemand in der Bedeutung benutzt oder überhaupt nur kennt. Unser „Handy“ ist nur ein Beispiel. Neulich las ich im Leserbrief einer Zeitung, unter unserer neudeutschen „Powerfrau“ verstünde man beispielsweise in England allenfalls eine Stromableserin. Na macht nichts, Hauptsache Power.

Sprache entwickelt sich weiter, gerade unsere hat immer einzelne Wörter aus anderen entlehnt. Und sie überlebt sogar unsinnigste Rechtschreibreformen, wie man sieht. Aber jetzt wird eine Grenze überschritten, da hört die Gemütlichkeit auf, die Sache wird langsam albern.Und der Bezug zu Beruf und Karriere: Es gibt im Vorstellungsgespräch bereits zahlreiche Kandidaten, die können weder ihre Positionsbezeichnung noch eine Tätigkeitsbeschreibung in ihrer Muttersprache formulieren, es wimmelt nur so von rein englischen Begriffen.

Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie unsere französischen Freunde. Dort ist – eigentlich überraschenderweise – vieles verboten, was uns hier besonderen Spaß zu machen scheint: Ein Unternehmen, das für eine Position in Frankreich einen Mitarbeiter sucht, darf nur in Französisch inserieren. Und das meint auch „Französisch“, nämlich pur. „Fremdsprachige“ Textfragmente, auch solche aus Firmenlogos, Slogans oder Positionsbezeichnungen müssen mit Sternchen markiert sein und noch innerhalb des Inserates übersetzt werden. Jawohl!

So weit möchte ich bei uns nicht gehen. Aber irgendwo dazwischen …

PS 1. Die Überschrift habe ich mir von Fachleuten konstruieren lassen. Bedingung: völliger Blödsinn in der Aussage. Aber es fällt eigentlich kaum auf – oder Ihnen doch (noch)?

PS 2. Vielleicht hört die Anglisierung unserer Sprache auf, wenn wir alle – wie von mir gefordert – auch Englisch können. Dann ist es nicht mehr schick, „Powermann“ zu sein.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 60
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 5
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-02-09

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