Heiko Mell

Für den Fisch, nicht für den Angler

Antwort:

Es muss ein neues Ratgeberbuch auf dem Markt sein. Und dort muss stehen: „Gehet hin und heftet ein Deckblatt auf eine Bewerbung. Schreibt in großer Schrift ‚Bewerbung‘ darauf, damit man weiß, was drin ist. Und dann klebt euer Foto auf die Seite. Gebt den Namen hinzu, schreibt dahinter das Geburtsdatum sowie die Adresse. Und dann fangt eine neue Seite an. Am besten eine mit einem Inhaltsverzeichnis.“ Und sie gingen hin und taten es.

Ich gebe ja zum, der Denkansatz hat etwas. Wenn man es aus der Sicht des Schreibers sieht, der hier sein „Leben“ verpackt und versendet. Und es spricht auch theoretisch nichts dagegen.Aber eben praktisch. Ganz besonders aus der Sicht des Lesers der ganzen Geschichte. Den es ja eigentlich zu erheitern, vielleicht sogar zu begeistern gilt. So wie der Köder dem Fisch zu schmecken hat und weniger dem Angler.

Was spricht gegen dieses Deckblatt?

  •  Es ist ein Blatt Papier mehr – jede Einsparung freut den Leser.
  •  Dass da „Bewerbung“ draufsteht, ist überhaupt nicht originell – die anderen fünfzig Mappen auf dem zu lesenden Stapel sind auch Bewerbungen. Was schon aus Art und Form der Mappe hervorgeht und noch einmal aus dem „Betreff“ des ohnehin obenauf liegenden Anschreibens.
  •  Der Name des Bewerbers interessiert überhaupt niemanden, er bekommt erst Bedeutung, wenn jemand die Eingangsbestätigung adressieren muss. Außerdem steht er auf dem Anschreiben, dem Lebenslauf und jedem einzelnen Zeugnis.
  •  Das Geburtsdatum enthält die Altersangabe. Die will ich nicht als alles entscheidende Zentralinformation, sondern beim Auswerten der Bewerbung gemeinsam mit Ausbildung und Berufspraxis lesen. Die nun stehen im Lebenslauf. Also will ich den auch nicht umblättern müssen, um das Alter herauszusuchen. Und sehen Sie es einmal aus der anderen Sicht: Im richtigen Alter zu sein, beweist gar nichts, was soll ich mit dieser Information anfangen, wenn ich nicht gleichzeitig erfahre, was der Kandidat gelernt und beruflich getan hat (sowie „geworden“ ist)?
  •  Bleibt das Foto. Es ist zentrale Aussage über die Eignung für den Job – bei Models. Sonst eher nicht. Ich, der ich sehr viele Fotos sehe, sage Ihnen: Seien Sie froh darüber. Den weitaus meisten Bildern tut ein unübersehbares Prangen zentral auf einem Deckblatt gar nicht gut (dem Foto schadet es weniger, aber dem angestrebten Effekt). Diese Aussage ist rein sexistisch – sie gilt nur für Männerfotos. Über Damenbilder rede ich öffentlich nicht. Aber man kann für diese natürlich dennoch kein anderes Verfahren einführen: Also alle rechts oben in eine Ecke des Lebenslaufes. Wer hässlich aussehen will, druckt es selbst, wer das nicht anstrebt, nimmt ein Originalfoto.

Fazit: Weg mit dem Deckblatt. Und mit dem Inhaltsverzeichnis. Das nämlich liest ohnehin niemand. Weil es schneller geht, im Bedarfsfall zu blättern als in fünfzig Fällen unterschiedliche Abheftsysteme zu studieren. Dass der Profi für einen ersten Durchgang, bei der die Spreu vom Weizen getrennt wird, weniger als sechzig Sekunden pro Bewerbung aufwendet, wussten Sie sicher schon.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 57
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-01-05

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