Heiko Mell

Auch „Format“ hat seinen Preis

Antwort:

Bewerber sollen sich qualifizieren. Dazu gehört es, im Vorstellungsgespräch ein überzeugendes persönliches Format unter Beweis zu stellen. Je anspruchsvoller die angestrebte Position, desto mehr Bedeutung hat der Aspekt. Das gilt uneingeschränkt auch für „Sachbearbeiter“ und natürlich ganz besonders für Manager. Für Zweifler: Die große Mehrheit aller anschließend ausgesprochenen Absagen geht auf Mängel in dieser Kategorie zurück.

Bliebe die Frage nach der Definition: Was ist „Format“? Das wiederum ist so eindeutig nicht zu beantworten. Individuelle Maßstäbe der Beurteiler spielen hier eine große Rolle. Wer selbst Format hat, wird anders darüber denken als jemand, dem eben dieses abgeht. Aber eine beliebte Hilfskonstruktion erweist sich auch hier als außerordentlich wertvoll:
Wenn sich schon schwer definieren lässt, was nun Format ist, so lassen sich doch problemlos Beispiele für „… hat kein Format“ finden. Das ist ja auch schon etwas. Eine hervorragende Basis für eine solche Negativdefinition ist das Verhalten des Kandidaten bei den leidigen Kostenabrechnungen über die Anreise zur Vorstellung.

Ab wann beginnt Format? Bei 13,75 DM jedenfalls noch nicht! Wer allen Ernstes Gesamtbeträge dieser Größenordnung reklamiert, macht sich lächerlich. Er setzt damit Verbuchungsprozesse in Gang, die letztlich ein Mehrfaches dieser Summe kosten. Wer Format zeigen will, muss Bagatellen von Wesentlichem trennen können – und auch bereit sein, zumindest Pfennigbeträge in die eigene berufliche Zukunft zu investieren.

Zwei Einschränkungen: Ich weiß zwar, dass Dagobert Duck gerade auf solchen Wegen reich geworden ist, muss aber warnen: Positionen wie die des „reichsten Mannes der Welt“ werden nicht auf dem Weg über Ausschreibungen – und schon gar nicht an Angestellte vergeben (schon weil der ja mehr verdienen würde als sein Chef, was ganz abscheulich wäre). Und ich nehme Berufsanfänger aus. In diesem Zwischenstadium zwischen Student und Geldverdiener sind oft auch kleine Beträge ein großes Problem, dafür hat jeder Verständnis.

Wenn nun das Beharren auf zehn Mark „kein Format“ ist – zeigte sich dann mit dem Verzicht auf tausend Mark endlich das gesuchte Profil? Wieder nicht – das ist dann schon wieder Dummheit. Oder Großspurigkeit. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen (und sicher näher am unteren der Grenzwerte).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 53
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-12-08

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