Heiko Mell

Schlechte Noten, guter Mann?

Antwort:

Es gibt Probleme, die haben manche Leute einfach nicht. Beispielsweise solche, die mit der Interpretation von Schul- und Examensnoten zu tun haben. Nur Menschen mit schwächeren Noten schlagen sich damit herum und stellen Theorien auf, nach denen eine Vier gar nichts beweise. Jedenfalls nicht im Hinblick auf später, wenn es um die Bewährung in der betrieblichen Praxis ginge. Und natürlich, die Folgerung ist zwingend, beweise auch eine Eins nichts (sagen die „Vierer“).

Erste Frage: Wenn Noten so gar nichts beweisen, warum hätten wir sie denn – und schon so furchtbar lange? Ihre absolute Nicht-Aussagefähigkeit hätte doch längst allgemein bekannt sein müssen.

Bleibt Einstein. Soll der nicht ziemlich schlechte Zeugnisnoten gehabt haben? Darauf kommt es gar nicht an! Ich versichere Ihnen: Einstein wäre ohnehin als Leiter der Abteilung Arbeitsvorbereitung eine wandelnde Katastrophe gewesen. Viel zu intelligent fürs Management, der Mann. Was ich, auch Manager, völlig ernst meine. Dieses Sichherumschlagen mit der Tagesroutine, mit empfindsamen Kollegen, kritischen Mitarbeitern, irgendwo auch beschränkten Chefs und stets unkalkulierbaren Kunden ist nur etwas für Menschen, die sich einen Rest von geistiger Unvollkommenheit bewahrt haben. Also lassen Sie Einstein da raus.Was bedeuten denn nun Noten? Sie zeigen, inwieweit bestimmte Anforderungen bzw. Erwartungen in einem definierten Lebensabschnitt erfüllt wurden. Irgendwie hat das auch mit Leistung zu tun. Und später, in der Praxis? Geht es wieder darum, bestimmte Anforderungen bzw. Erwartungen in einem definierten Lebensabschnitt zu erfüllen. Irgendwie hat auch das wieder mit Leistung zu tun. Da liegt es doch auf der Hand, Vergleichbarkeiten zu sehen:

So gibt es jeweils den Persönlichkeitstyp, der bringt, was erwartet wird und jenen, dem das schwerer fällt. Oder der dabei stark von Umständen, von den beteiligten Personen oder seiner Tagesform abhängig ist.

Natürlich gibt es auch Beispiele, dass Menschen mit weniger guten Examen später dennoch erfolgreich waren. Und solche, dass Kandidaten mit Prädikat danach nichts mehr zustande brachten. Aber die Analyse zahlreicher Lebensläufe zeigt deutlich, dass die Mehrzahl erfolgreicher Aufsteiger in der Schule mit guten Noten anfängt und ihren beruflichen Werdegang mit guten Beurteilungen und vorzeigbaren Laufbahnen beendet.

Und daher sind ein „gutes“ Abitur oder sonstige Schulabschlüsse und vor allem ein ebenso „gutes“ Studienexamen zwar keine Garantie, aber eine zu Hoffnungen berechtigende Basis für den Einstieg in eine erfolgreiche Karriere. „Gut“ ist tatsächlich uneingeschränkt empfehlenswert – und auch weit genug von „Einstein“ weg.

Es ist ein bisschen wie in der Formel 1: Die Examensnote entspricht dem Ergebnis des Abschlusstrainings. Sie bringt den „Fahrer“ in eine bestimmte Startposition für das eigentliche „Rennen“. Dort hat zwar auch der Sportler aus der letzten Reihe noch eine Chance, aber wer vorn steht, ist näher am Ziel. Und welcher Zuschauer würde gern einen größeren Betrag auf einen Teilnehmer setzen, der das Training als langsamster abschloss?

Schließlich übersetzt die betriebliche Praxis „ausreichend“ etwa mit „keine Ahnung“, woraus sich die besondere Beliebtheit dieser Note erklärt. Und wer meint, Noten bewiesen für später „gar nichts“ – sollte selbst „sehr gut“ stehen, dann wirkt er glaubwürdiger.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 52
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-12-01

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