Heiko Mell

Berufseinsteiger brauchen keine Bewerbungsregeln, oder?

Antwort:

Die Ausgangssituation ist absolut klar: Es gibt Regeln für die Bewerbung, aber die Beschäftigung damit ist den Betroffenen schon in normalen Zeiten ziemlich lästig, derzeit hat der Arbeitsmarkt Hochkonjunktur, Anfänger finden auch mit unvollkommenen Methoden irgendwie einen Job – und interessieren sich jetzt schon gar nicht für derartige „Vorschriften“. Ich hörte heute zum Beispiel, dass eine Hochschule ihre bisher gepflegte Vortragsveranstaltung über Bewerbungstechnik mangels Interesse der Studenten absagen musste.

Zum Glück ist es nicht meine Art, auf dieses Desinteresse die geringste Rücksicht zu nehmen. Angefangen hatte ich damit in dieser Reihe schon mit einer früheren Folge. Jetzt aber geht es mir speziell um Einsteiger, die in den hier relevanten Disziplinen derzeit so begehrt sind. Sie drohen in das Berufsleben hineinzustolpern, ohne überhaupt mitzubekommen, dass da „eigentlich“ Grenzen gewesen wären, die im Augenblick bloß nicht bewacht sind. Für sie wird es in wenigen Jahren ein besonders schmerzhaftes Erwachen geben. Das gilt auch für jüngere Studenten, die erst in einigen Jahren auf den Arbeitsmarkt drängen – und denken könnten, es sei dann immer noch so wie in diesen Ausnahmemonaten. Also weise ich eindringlich und nachdrücklich auf folgende Gegebenheiten hin:

  •  Die Anforderungen der Menschen, die in den Firmen Bewerbungen lesen und beurteilen, sind völlig unverändert geblieben. Nur ist derzeit in diesen Unternehmen der Bedarf an Einsteigern so hoch, dass die Personalleute Regelverstöße zwar sehen, aber auf die eigentlich fälligen Absagen zähneknirschend verzichten. Was Einsteiger-Bewerber jetzt oft erleben, ist also nicht die Norm, sondern extreme Ausnahme.
  •  Die Einsteiger dieser Tage stehen vor etwa dreißig bis vierzig Jahren Berufstätigkeit. Das ist eine sehr lange Zeit. Was sich so tut in 25 Jahren, sehen Sie an der abgedruckten Kurve. Sie enthält alle Krisen seit 1975 – und es gibt keine, aber schon gar keine Hoffnung, damit werde ausgerechnet jetzt Schluss sein.

Also heißt die Devise jetzt nicht: „Man braucht keine Regelkenntnisse über Bewerbungen.“ Sie heißt auch nicht: „Man braucht keine mehr.“ Höchstens lautet sie: „Es gibt Regeln, die man als Arbeitnehmer kennen muss. Ihre Befolgung wird nur in diesen Monaten ausnahmsweise weniger streng kontrolliert.“ Wer Angestellter ist, wird sich in den nächsten 25 Jahren garantiert öfter einmal bewerben müssen. Da nützt es ungemein, man macht es schon beim ersten Mal richtig. So wie auch dem Führerschein-Neuling zu raten wäre, schon bei der ersten Ausfahrt regelgerecht zu fahren. Auch wenn bekannt sein sollte, dass die Polizei an dem Tag zufällig Betriebsausflug hat.

Viel Spaß beim Studium der Krisengrafik. Ich habe die Einbrüche alle selbst erlebt. Auch, dass sich mehr als eintausend Bewerber auf eine Anzeige gemeldet haben (z. B. 1993). Mit Wiederholungen ist zu rechnen!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 49
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 45
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-11-10

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