Testen Sie Ihr Misserfolgs-Potenzial (Teil I)

Trotz dieser Überschrift ist selbstverständlich der Erfolg im Beruf das Ziel unseres Strebens. Warum also testen wir nicht das Potenzial genau dafür?
Weil jenes Thema extrem komplex ist, die zu betrachtenden Erfolgsbausteine äußerst zahlreich sind und entsprechende Bemühungen leider oft nicht fruchten, obwohl doch anscheinend alles richtig gemacht wurde.
Die Konzentration auf das Misserfolgspotenzial einer Person dagegen ist einfacher – und vor allem ist die Wirkung einzelner Faktoren hier sehr viel durchschlagender. Ja, man kann sie fast garantieren: Zwanzig positiv verlaufene Berufsjahre können durch einen Fehler im einundzwanzigsten Jahr nahezu bedeutungslos werden, viele gute Arbeitszeugnisse werden durch ein darauf folgendes schlechtes weitgehend aufgehoben, eine langandauernde harmonische Beziehung zum Chef übersteht oft einen einzigen kritischen Vorfall nicht. Und für mehrere verschiedene Fehler in einem Werdegang gilt, dass deren Gesamtwirkung weit stärker sein kann als es eine reine Addition vermuten ließe.
Also lautet ein bewährter, ja fast unangreifbarer Erfolgsgrundsatz: Wie immer Sie den von Ihnen gesuchten Erfolg definieren und wie Sie den Weg dahin auch gestalten – vermeiden Sie soweit irgend möglich Misserfolge; wenn Sie nicht wissen, wie es richtig gemacht wird, dann machen Sie wenigstens nichts falsch (zwischen diesen beiden Extremen liegt eine unauffällige Grauzone routinemäßigen täglichen Handelns).

Antwort:

Zum Testinhalt
Wer mit den „Spielregeln des Berufslebens“ sehr vertraut ist, könnte versucht sein, den Test als allzu leicht, viele der anzukreuzenden Aussagen als sofort durchschaubar und manche sogar als nicht ganz ernst gemeint („wer macht denn so etwas?“) einzustufen. Ich verbürge mich dafür, dass alle Testkriterien „aus dem Leben“ gegriffen sind und dass jedes beschriebene Misserfolgs-Potenzial in der Praxis vorkommt. Aber wer relativ glatt und erfolgreich durch das Berufsleben kommt, macht sich meist keine Vorstellungen davon, mit welcher Art von (häufig selbst geschaffenen bzw. verursachten) Problemen andere Menschen es zu tun haben.
Dass an jedem einzelnen Kriterium ein Misserfolg hängen kann, werden Sie mir abnehmen.

Testaufbau und -durchführung
Der Test erhebt keinen Anspruch auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards. Er soll vor allem Anregungen zum Nachdenken über das eventuell vorhandene Gefährdungspotenzial geben. Seien Sie vor allem ehrlich zu sich selbst – niemand sieht, was Sie ankreuzen.Da die Testteilnehmer höchst unterschiedlichen beruflichen Kategorien angehören, vom Studenten bis zum Bereichsleiter eines Konzerns oder zum Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, haben wir uns für einen pauschal für alle geltenden Aufbau entschieden, der zwangsläufig ein Kompromiss sein muss:Wenn Sie bestimmte Phasen bereits hinter sich gebracht haben oder mittendrin sind, dann kreuzen Sie die Ihren Fakten entsprechenden Varianten korrekt an. Wenn Sie für manche Fehler noch gar nicht die Gelegenheit hatten, dann wählen Sie solche Aussagen, die Sie auf Ihrem weiteren Weg für wahrscheinlich oder „sehr gut möglich“ halten.Auf eine Gewichtung der einzelnen Misserfolgs-Grundlagen haben wir bewusst verzichtet. Durch Unterstreichungen hervorgehobene Misserfolgs-Potenziale sind langfristig (noch) gefährlicher als die anderen.In den einzelnen Kategorien/Kapiteln sind Mehrfachnennungen ausdrücklich vorgesehen.Als Trost: Diese Misserfolgs-Potenziale sind erst einmal nur Möglichkeiten – die zur Wirklichkeit werden können, nicht zwangsläufig werden müssen.

1. Studium

1.1 Im Studium und/oder bereits in der Schule hatte ich durchaus nennenswerte Konflikte mit Autoritätspersonen.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.2 Zumindest aus heutiger Sicht habe ich eine falsche, unglückliche oder am Arbeitsmarkt vorbeigehende Studienwahl getroffen.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.3 In meinem Lebenslauf erscheint mindestens ein Studienabbruch oder ein Wechsel der Fachrichtung oder des Hochschultyps.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.4 Mein Examensergebnis bleibt deutlich mehr als eine halbe Note hinter meinem höchsten Schulabschluss (z.B. Abitur) zurück.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.5 Meine Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeit (bei mehreren ist die letzte besonders wichtig) passt thematisch nicht zur (angestrebten) Einstiegsposition oder Berufslaufbahn.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.6 Es gibt bei mir keinen Auslandsbezug, z.B. Auslandssemester oder Auslandspraktika.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.7 Die Regelstudienzeit wird von mir deutlich (2 Semester oder mehr) überschritten.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.8 Ich kann keine zur (angestrebten) Einstiegsposition passenden Praktika vorweisen.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.9 Bei Abschluss meines Studiums wird/wurde ein deutlich über dem dafür geltenden Standard liegendes Alter erreicht.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

1.10 Meine Examensnote ist schlechter als 2,5.
Trifft nicht zu □Trifft zu □ 

Mögliche Auswirkungen kritischer Aspekte:
Die Bedeutung der Fakten des Studiums ist vor allem bei der Suche nach einer Einstiegsposition sehr hoch bis erfolgsentscheidend. Sie nimmt im Laufe der praktischen Berufstätigkeit stark ab und ist schon 5 bis etwa 8 Jahre nach dem letzten Examen kaum noch erwähnenswert – der Verlauf des dann vorliegenden Werdegangs überstrahlt mehr und mehr die Studiendetails.Aber: Zeigen sich im Verlaufe des Werdegangs/der Berufspraxis neue Schwierigkeiten (auch solche ganz anderer Art), dann zieht man „alte“ Probleme aus der Studienphase gern noch einmal in die Gesamtbetrachtung mit ein.

2. Allgemeine Grundlagen des beruflichen Systems
– Wer die Zusammenhänge nicht kennt, lebt mit großen Risiken –

2.1 Mir ist nicht bewusst oder ich akzeptiere nicht, dass ich mich beruflich auf einem Markt bewege, auf dem der Arbeitgeber als „kaufender Kunde“ der stärkere Partner ist, nach dem ich mich in vielen Belangen richten muss, um Erfolg zu haben und meine Existenz zu sichern.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

2.2 Ich richte den Auf- und Ausbau meiner Qualifikation vor allem an meinen Vorstellungen aus, weniger an den Anforderungen des Arbeitsmarktes.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

2.3 Eine Definition, nach der der Angestellte „abhängig beschäftigt“ ist und ihm im Berufsleben folgerichtig enge Grenzen bei der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit gesetzt sind, lehne ich ab bzw. akzeptiere ich nicht.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

2.4 Ich wäre zwar ziemlich erbost, würde auf dem Fußballplatz ein Spieler herumstolpern, der offensichtlich die geltenden Regeln nicht kennt, lehne es aber ab, mich intensiv mit den Regeln des Berufslebens zu beschäftigen. Ich versuche, fachlich gute Arbeit zu leisten, das muss genügen.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

2.5 Im Konfliktfall räume ich privaten Belangen höhere Priorität ein als beruflichen. So bin ich z.B. auch generell nicht zu einem Wohnsitzwechsel aus beruflichen Gründen bereit.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

Mögliche Auswirkungen kritischer Aspekte:
Diese allgemeinen Grundlagen sind besonders tückisch, weil ein Verstoß dagegen sich erst langfristig auswirkt, dann aber oft kaum noch korrigiert werden kann. Hier geht es vorrangig um die so wichtige innere Einstellung des Mitarbeiters zum gesamten „System“.Bei mehreren „Trifft zu“-Kreuzchen in diesem Kapitel sind Konflikte geradezu programmiert, auch wenn sie vielleicht erst nach der zweiten Beförderung ausbrechen.

3. Berufseinstieg3.1 Zum Zeitpunkt der Vorbereitung des Berufseinstiegs habe/hatte ich keine realistischen Vorstellungen darüber, wie der für mich optimale Start meiner künftigen Laufbahn aussehen sollte.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

3.2 Das Einstiegsunternehmen ist deutlich kleiner als es meinen späteren Zielunternehmen entspricht.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

3.3 Das Einstiegsunternehmen gehört nicht meiner späteren Zielbranche an.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

3.4 Die Einstiegstätigkeit liegt weit von meinen Zieltätigkeiten entfernt.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

3.5 Ich bin/war zwar in meinem Wunsch-Startunternehmen tätig, allerdings nicht als dessen Angestellter, sondern als Mitarbeiter eines Dienstleisters / Arbeitnehmer-Überlassers.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

3.6 Zwischen Studienende (lt. Examenszeugnis) und Tätigkeitsbeginn liegen deutlich mehr als 3 arbeitslose Monate.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

Mögliche Auswirkungen kritischer Aspekte:
Die Einstiegsposition mit ihren einzelnen Aspekten prägt oft weite Teile des ganzen Berufslebens. Mit einigen Anstrengungen und etwas Glück lassen sich entsprechende Probleme aus dieser Phase aber in den ersten Jahren danach noch korrigieren – allerdings bedeuten Umwege stets einen Mehraufwand bzw. Verlust an Weg und Zeit.Fehler beim Berufseinstieg sind einige Jahre später weitgehend bedeutungsarm geworden – sofern es gelungen ist, anschließend einen regelgerechten, den eigenen Wünschen und Zielen entsprechenden Werdegang aufzubauen.Achtung: Für Probleme beim Einstieg sind meist Schwierigkeiten im Studium verantwortlich, man kann aber auch ohne eigene Schuld in eine kritische Konjunkturphase geraten.

4. Beruflicher Alltag

4.1 Ich habe kein langfristiges berufliches Ziel, an dem ich meine entsprechenden Planungen und Handlungen ausrichten könnte. Daher kann ich kaum entscheiden, was jeweils strategisch richtig (eben zielführend) oder falsch ist.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.2 Ich bin überzeugt, ein guter Mitarbeiter zu sein. Dabei ist mir die Bestätigung durch die Kollegen wichtig. Der Vorgesetzte sieht bzw. versteht zu wenig von meiner Arbeit, um meine Qualitäten beurteilen zu können.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.3 Wenn mein Chef von mir anerkannt und geachtet werden will, soll er sich entsprechend anstrengen. Sein Status allein reicht dazu nicht aus.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.4 Ich fühle mich vorrangig dem „Wohle des Unternehmens“ verpflichtet, das ich notfalls auch gegen die Intentionen meines Chefs zu fördern versuche.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.5 Ich bin schon einmal (oder öfter) arbeitgeberseitig entlassen worden und/oder war schon einmal (oder öfter) arbeitslos.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.6 Wenn mein Chef den Kampf mit mir will, kann er ihn haben.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.7 Wenn mein Vorgesetzter mich kritisieren will, soll er das ganz offen tun. Mit vorsichtigen oder versteckten Andeutungen von ihm kann ich nichts anfangen, die nehme ich nicht ernst.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

4.8 Ich bin Individualist. Zu sein wie die anderen (Kollegen z.B.) ist für mich keine Option.
Trifft nicht zu □Trifft zu □

Mögliche Auswirkungen kritischer Aspekte:
Je nach Umfeld wirkt sich entsprechendes Misserfolgspotenzial sofort oder erst in vielen Jahren aus. Das Problem ist auch hier die drohende Addition einzelner Aspekte – besonders mit solchen aus anderen Kapiteln.

(Der zweite und letzte Teil des Tests erscheint in der nächsten Ausgabe. Dort ist dann auch die Anleitung für die Auswertung enthalten.)

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 477
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2017-08-31

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