„Ein Fortschritt“ ist möglich, mehrere wären vermessen

Was natürlich die Frage aufwirft, ob es sprachlich überhaupt „zwei Fortschritte“ gibt. Gemeint ist damit ein „Fortschritt auf mehreren Gebieten“, das dürfte es besser treffen.Worum geht es mir? Ständig begegnet man Bewerbungen, mit denen versucht wird, die eigene Situation mit einem Schlag in mehreren Bereichen deutlich zu verbessern: ein anderes (mehr geliebtes) Tätigkeitsfeld, eine andere Firmenstruktur des Arbeitgebers, eine hierarchisch hochwertigere Position, ein anderer Arbeitsort, ein weniger destruktiver Chef, mehr Geld usw. Nur selten kommt alles zusammen, aber zwei bis drei dieser Ziele „auf einen Streich“ sind fast schon Standard.Und dann funktioniert das nicht, die Absagen häufen sich, der Bewerber versteht die Welt nicht mehr.Dem Erfolg solcher „Schrotschuss“-Bemühungen steht eine Regel dieses Metiers entgegen: Ein Fortschritt pro Bewerbung ist akzeptabel, darüber hinaus wird die Geschichte zum Glücksspiel. Es gibt keine wissenschaftliche Begründung für dieses „Gesetz“, aber man kann in der Praxis durchaus stützende Argumente finden:Es beginnt mit der fest verankerten Vorliebe von Bewerbungsempfängern für Kandidaten, die heute praktisch unter Gesamtumständen tätig sind, die denen in der zu besetzenden Position entsprechen: Die Tätigkeit (möglichst inklusive Positionsbezeichnung), die hierarchische Ebene, die Branche und die Unternehmensdaten sollten im Idealfall übereinstimmen. Und aus der Region kommen soll der Bewerber möglichst auch noch – am Ende zieht er sonst ja dann doch wieder nicht um und sagt ab.Von der Brutalität dieses simplen Arguments sichtlich überrascht, lässt der Bewerbungsempfänger zähneknirschend den Einwand gelten, dass dabei jegliche Motivation des Bewerbers für den Stellenwechsel auf der Strecke bleibt. Daraus folgt der Kompromiss: Also gut, in einem dieser Punkte darf der Kandidat eventuell von den Rahmenbedingungen der ausgeschriebenen Position abweichen. Was gilt dabei als erlaubt?- Der Tätigkeitsbereich ganz sicher nicht: Wer eine Stelle im Vertrieb ausschreibt, will eine Herkunft aus demselben – nicht einen Einkäufer, der „die feste Überzeugung hat, nach langen Jahren im Einkauf nun auch auf der anderen Seite des Schreibtisches …“ Gesucht wird kein zu vermutendes Potenzial, sondern ein Höchstmaß an Gewissheit.- Die Branche gilt sehr oft als „hartes Kriterium“. Typisches Beispiel ist die Automobilindustrie. Sie will fast immer Automotive-Praxis. Andere denken ähnlich.- Firmenart und –größe nur in bestimmten Konstellationen: Ein Arbeitgeber, der dem suchenden Unternehmen adäquat ist, geht immer. Die Herkunft von – etwas – größeren Unternehmen geht oft besonders gut. Der Wechsel vom sehr kleinen zum sehr großen Unternehmen geht fast gar nicht.- Einen „schwierigen“ Chef gegen einen neutralen einzutauschen, geht – solange man nicht darüber spricht, sich also eine andere Begründung für den Wechsel einfallen lässt (man hat einfach keinen bösartigen, mobbenden Vorgesetzten).- Immer akzeptiert wird der hierarchische Fortschritt (und genau der taucht zu selten als Motivation auf): Der Team- oder Gruppenleiter, der nach fünf erfolgreichen Jahren auf dieser Ebene endlich Abteilungsleiter werden will, wird ebenso akzeptiert wie ein Bereichsleiter, den es in die Geschäftsführung drängt. Aber wenn dann der Tätigkeitsbereich nicht stimmt, ist wieder „alles aus“.Fazit: Wenn Sie wechseln wollen, arbeiten Sie ein zentrales Motiv heraus und konzentrieren sich darauf. Wenn alle übrigen Kriterien Ihres Werdeganges möglichst optimal zur ausgeschriebenen Position passen, erhöhen Sie Ihre Chance. Das heißt auch: Mit der Aufnahme weiterer Verbesserungskriterien gefährden Sie Ihre ganze Aktion. Aber ein (!) Fortschritt ist grundsätzlich erlaubt.

Antwort:

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 473
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 50
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-12-15

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