Heiko Mell

Ins Bewerbungsschreiben gehören Begründungen

Dass Sie als Bewerber sich um diese Position in diesem Unternehmen bemühen, sieht der Bewerbungsempfänger aus dem Zusammenhang. Vorher hat er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten viel Mühe mit der Formulierung und Gestaltung der Stellenanzeige gegeben. Dass da jetzt jemand positiv darauf anspringt, ist eigentlich zu erwarten gewesen. Schön, Sie können – und sollten – auch Ihr Interesse gerade an diesem Job  in der schriftlichen Bewerbung (Anschreiben) begründen, aber übertreiben Sie es nicht. Bemühen Sie lieber keine Zitate aus dem letzten Geschäftsbericht oder von der Homepage des Unternehmen mit eher philosophischem Hintergrund – das nimmt doch auch dort niemand besonders ernst, Sie riskieren damit nur die Einstufung „naiv“.

Eine andere Begründung interessiert ihn jedoch ganz ungemein: Warum wollen Sie da, wo Sie heute sind, weg? Teils wüsste er einfach genau das tatsächlich gern – weil es ja etwas über Sie aussagt, teils liefern Sie damit ganz handfeste Argumente für die wichtige Einschätzung, ob Sie in die neue Position hineinpassen. Wenn Sie den Aufstieg suchen, ist das ein wichtiger Hinweis für den Leser (der vielleicht insgeheim weiß, dass „der Neue“ hier auch nicht befördert werden kann, sondern „einfach arbeiten“ soll). Ihn interessiert, ob Sie bei einer Beförderung übergangen wurden, der heutigen Firma keine wirtschaftlichen Überlebenschancen zutrauen, ob Sie Ärger mit dem Chef haben oder schlicht näher an den Wohnsitz Ihrer Schwiegermutter ziehen wollen.

Nun, genau so etwas wollen Sie nicht so deutlich erkennen lassen, das ist menschlich. Aber er sucht nach einer Begründung für Ihre Wechselabsicht – und Sie müssen ihm eine liefern, das gehört sich so. Und die muss glaubwürdig sein und sollte nicht gegen Sie sprechen. „Wahrheitsgemäß“ könnte man auch noch fordern, aber wir wollen nicht uferlos werden.

Besonders dringend wird sein Wunsch nach einer Begründung, wenn schon die Fakten dafür sprechen, dass da bei Ihnen irgendeine kritische Besonderheit vorliegt – eine kurze Dienstzeit beim heutigen Arbeitgeber oder Ihr eventuell bereits kritisches Alter (niemand über 50 wechselt aus lauter „Spaß an der Freud“, sondern nur bei recht hohem Druck). Auch wenn Sie gerade erstmals eine Führungsaufgabe übernommen hatten und diese Position allzu schnell aufgeben wollen, wird der Bewerbungsempfänger hellhörig.

Denken Sie daran: Den Angeklagten im Strafprozess spricht man bei Zweifeln an seiner Schuld frei. Den Bewerber hingegen legt man (symbolisch) auf den Absagestapel, wenn deutliche Zweifel bleiben, was seine Motive angeht.

Frage-Nr.: 470
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-09-01

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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