Heiko Mell

Wenn die Hierarchie „flach“ ist

Nehmen wir einmal an, Sie sind Berufseinsteiger und wollen irgendwo Ihr erstes Arbeitsverhältnis beginnen. Sie sind Anfänger – und also erst einmal „nichts“ im hierarchischen Sinne. Und nun bietet sich Ihnen die besondere Chance des Einstiegs in ein Unternehmen, das ganz gezielt mit „flacher Hierarchie“ wirbt.

Zunächst müssen Sie wissen, was das überhaupt ist. Es beginnt damit, dass der Begriff vermutlich falsch gewählt wurde: Ein Berg ist „flach“, wenn seine Spitze in der Höhe nur wenig über die Basis hinausreicht. Das trifft auf keine industrielle Hierarchie zu! Immer gibt es oben die Geschäftsführung/den Vorstand, der ebenso hoch angesiedelt ist wie in allen anderen Firmen auch. Und es gibt immer die ausführende (Sachbearbeiter-)Ebe­ne, die da steht, wo sie in allen anderen Häusern auch steht. Konkret: der Abstand zwischen „ganz oben“ und „ganz unten“ ist überall gleich, „flacher“ als anderswo ist es nirgends. Eigentlich müsste es „ausgedünnte Hierarchie“ heißen, es gibt dort nämlich deutlich weniger Stufen zwischen oben und unten. Aber man sagt nun einmal „flach“, gegen eingefahrene Gewohnheiten ist wenig zu machen.

Fakt ist: Sie sind dort „nichts“ im obigen Sinn, die anderen sind auch alle „nichts“, es gibt nicht diese vielen lästigen Chefs aller möglichen Kategorien, die Ihnen gelegentlich das Leben schwermachen. Die Entscheidungswege sind kurz, „Dienstwege“, die einzuhalten sind, gibt es „mangels Masse“ auch kaum – und das Unternehmen spart einen Haufen Geld durch den Verzicht auf all die teuren „Teil-Leiter“ zwischen oben und unten. Ob das Konzept wirklich vorteilhaft für die Firma ist, muss Sie nicht interessieren, Sie dürfen sich über die vermeintlichen Vorteile freuen.

Aber der Teufel steckt im Detail: (Fast) alle sind „nichts“ in den Dimensionen von Karriere, hierarchischem Aufstieg/Status u. ä. Das kann Ihnen, sofern die anderen Mitarbeiter davon betroffen sind, ziemlich egal sein. Fakt ist aber: Auch Sie werden nichts in dieser Hinsicht; Sie können gar nichts werden, weil keine solchen Positionen existieren. Das drückt Sie in den ersten zwei bis drei Jahren kaum, weil es da ohnehin noch keine Beförderungen gäbe. Aber je nach Ehrgeiz in Sachen Aufstieg kann so etwas nach fünf bis sieben Jahren außerordentlich belastend werden. Und es hat schon Unternehmen mit laut beworbenen flachen Hierarchien gegeben, die litten sehr unter der hohen Fluktuation insbesondere jüngerer Leistungsträger, die inzwischen etwas konnten und nun gern auch etwas „geworden“ wären. Und die dann frustriert das Unternehmen verließen – eben wegen zu flacher Strukturen ohne Entwicklungschancen.

Wer hineinpasst in diese „flache“ Umgebung, findet dort vielleicht seine ihn begeisternde Arbeitsumgebung (in der er natürlich immer noch einen Chef hat – den er aber selten sieht). Aber für ehrgeizige Aufsteiger sind andere Strukturen oft besser geeignet.

Es gäbe nicht so viele Ränge, Titel, Uniformen mit Schulterstücken etc. auf der Welt, wenn dem nicht eine Art menschlichen Urbedürfnisses zugrunde liegen würde. Sie können das auch eine Schwäche nennen – aber das schafft sie nicht aus der Welt.

Frage-Nr.: 468
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-07-21

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