Heiko Mell

Tipps zur Bewerbung

Bewerbungsempfänger, vor allem die künftigen Chefs selbst, sind auch nur Menschen.

Antwort:

Sie sind Emotionen unterworfen, fühlen sich – jenseits rationaler Erwägungen – geschmeichelt oder sind beleidigt, manches imponiert ihnen und anderes auch wieder nicht. Ich komme in Gesprächen sehr gut mit einem Vergleich zurecht, der zwar ein bisschen übertreibt, aber einen großen brauchbaren Kern enthält:

Wenn es am Ende des Prozesses an die Vertragsunterzeichnung geht, dann ist der Arbeitgeber-Vertreter in der Situation eines jungen Mannes, der seiner Angebeteten einen Heiratsantrag macht. Er legt dem auserwählten Kandidaten einen Vertrag zur Unterschrift vor – und schaut nun erwartungsvoll auf die Reaktion der so umworbenen Person. Was sollte diese idealerweise tun? „Ja“ hauchen, glücklich aussehen und dem Antragsunterbreiter (zumindest symbolisch) um den Hals fallen, lautet die Antwort.Nicht gut kommt hingegen an, wenn sie um Bedenkzeit bittet, unentschlossen wirkt oder sonst wie hinhaltend taktiert. Etwa als wollte sie sagen: „Schön, das wäre nun dein Antrag; aber Klaus-Dieter hat auch Interesse an mir gezeigt und Kevin hat mehrfach in meine Richtung gelächelt. Ich muss erst mal abchecken, was diese Jungs denn so bieten.“

Natürlich wissen alle, dass es jene Klaus-Dieters und Kevins in der Realität tatsächlich gibt – aber so richtig glücklich macht man den Antragsteller (Arbeitsvertragsentwurfsvorleger auf Arbeitgeberseite) mit deren Erwähnung nicht. Ganz einfach: Insbesondere der künftige Chef will für sein Angebot auch „geliebt“ werden. Also erhofft er sich ein spontanes „Ja“ – nur „hauchen“ müssen Sie es nicht.

An einige meiner eher kritischen, oft zweifelnden, meist jüngeren Leser gerichtet: Auch das ist, wie alle meine Beiträge, vielleicht etwas unterhaltsam ausformuliert, im Kern aber völlig ernst gemeint. Und falls Sie das für eine Glosse halten, kann ich bestätigen: Das Leben ist in wesentlichen Teilbereichen eine Art Glosse, das Berufsleben ausdrücklich inbegriffen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich wollte Ihnen, siehe die Überschrift, zeigen, was Sie sonst noch tun können, um in diesem Prozess zu punkten: Der Geschäftsführer eines sehr erfolgreichen Mittelständlers sucht einen ihm unterstellten Manager und findet einen geeigneten Kandidaten. Mehrfach berichtet er, wie dieser Mann ihm über die gezeigte Qualifikation hinaus imponiert hat: Als dieser den zugesandten Vertragsentwurf unterzeichnet hatte, rief er spontan an und bot an, das nun verbindliche Dokument persönlich vorbeizubringen. Das sei ihm dieser Vertragsabschluss schon wert. Außerdem sei ihm jede Vertiefung des persönlichen Kennenlernens des künftigen Chefs und der Firma wichtig. Und darüber hinaus, so freute sich der Geschäftsführer, riefe der Mann in regelmäßigen Abständen an, um ihn über den Stand seiner Verhandlungen über ein vorzeitiges Ausscheiden zu informieren. Als künftiger Vorgesetzter dieses Mannes sei er sehr angetan von der gezeigten Begeisterung für die neue Position – und von der ganz offensichtlichen Bedeutung, die der neue Mitarbeiter dem neuen Engagement beimesse.

Wobei „Begeisterung“ und „Engagement“ hier wie überhaupt die entscheidenden Argumente sind. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihrem neuen Arbeitgeber noch vor Dienstantritt etwa wie folgt schreiben:„Es hatte sich ja in den vorausgegangenen Kontakten herausgestellt, dass mein Englisch noch verbesserungsbedürftig ist. Ich habe daraufhin meinen anstehenden Jahresurlaub in England gebucht und mich nach Rückkehr bei einem Intensiv-Sprachkurs angemeldet.“

Wohlgemerkt: Das sind ideale Signale nach der beiderseitigen Vertragsunterzeichnung. Ein solches Bemühen noch während des laufenden Auswahlprozesses könnte leicht ein „Geschmäckle“ bekommen.

Was stets imponiert, ob vor oder nach Vertragsabschluss, ist das Vertiefen von Informationen über das neue Unternehmen, über seine Produkte, seine Wettbewerber etc.:„Ich habe die Gelegenheit benutzt, mich auf der Messe sowohl am Stand Ihres Hauses als auch bei den Wettbewerbern umzusehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass …“ – so etwas kommt immer gut an. Und genau das wollen Sie doch, oder?

Das liebe Leser, sind nur Beispiele, die zeigen, wie man schon vor dem Start ein positives Klima schaffen kann. Daraus lässt sich keine feste Regel ableiten – wenn ein Berufsanfänger aus Hamburg bei einem Konzern in München anfängt und der Personalabteilung dort sagte, er käme extra geflogen, um den Vertrag persönlich abzuliefern, dann erntete er bedenkliches Kopfschütteln. Es geht um das Prinzip. Und das lautet: Es kann nicht schaden, Engagement schon im Vorfeld zu zeigen. Und alle Arbeitgeber mögen es, wenn Kandidaten sich erkennbar Mühe geben.

Auf welchem Gebiet die besonders geschätzt wird, müssen Sie in den der Vertragsunterzeichnung vorangehenden Kontakten herausfinden.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 460
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 48
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-11-26

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