Heiko Mell

Was denken Bewerber?

Antwort:

Falls Sie zum hier angesprochenen Personenkreis gehören, habe ich eine niederschmetternde Nachricht für Sie: Ohne Ausnahme werden Fachleute antworten, Bewerber dächten „nicht sehr viel bis gar nichts“ – mit der Einschränkung, jedenfalls die meisten wirkten so. Damit kein Missverständnis entsteht: Wir sprechen hier ausschließlich über eine Personengruppe mit akademischer Bildung, die sich ein derartiges Image erworben hat.

In der Tat ist die tägliche Beschäftigung mit den schriftlichen Bemühungen eigentlich gebildeter Menschen um einen neuen Job geeignet, den Glauben an was auch immer sehr nachhaltig zu erschüttern. Dabei ist hier überhaupt nicht die Rede von etwaigen Verstößen gegen geheimnisvolle, unverständliche Regeln, die „kein Mensch versteht und niemand im Kopf haben kann“. Im Gegenteil, es geht allein um Logik, um die Vermeidung von Problemen, die auch ein Laie hätte als solche erkennen können. Außen vor bleiben hier auch Rechtschreibfehler oder stilistisch unmöglich aufgebaute Sätze. Die kommen bloß erschwerend hinzu.

Gemeint sind schlicht Informationen, die der Beurteiler unbedingt braucht, um die Grundeignung des Kandidaten beurteilen zu können – die aber in Anschreiben und Lebenslauf fehlen. Was der Bewerber sich mühelos selbst hätte sagen können.

Und so wird denn der Name der Grundschule aus unschuldigen Kindertagen breitgetreten (was nichts nützt, aber natürlich auch nicht schadet), aber die Branche des Arbeitgebers seit 1988 erfährt man nicht. Oder die Größe des den Berufsweg prägenden Unternehmens (weil es ein Unterschied ist, ob man Entwicklungsleiter eines Hauses mit 20 oder 2.000 Mitarbeitern war oder ist). Wie kann man sich um eine Produktionsleiter-Position bewerben, bei der in der Anzeige von 300 zu führenden Leuten die Rede ist, ohne den geringsten Anhalt zur Größe des heutigen Führungsumfangs zu geben?

Ähnliches gilt für gesuchte Spezialkenntnisse oder besondere Erfahrungen. Die Anzeige stellt Praxis in der Kfz-Zuliefer-Industrie in den Mittelpunkt des Interesses: Der Bewerber schreibt nur, er sei in einem „konzerngebundenen mittelständischen Unternehmen“ oder bei „Müller & Sohn“, was gleichermaßen nicht zur Lösung beiträgt.Ich darf an den Grundsatz erinnern: Die überzeugende, alle wesentlichen Fragen klärende Darlegung der eigenen Qualifikation ist eine „Bringschuld“ des Bewerbers. Der Empfänger ist weder verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen, noch Privatdetektive auf den Fall anzusetzen.

Übrigens hat etwa die Hälfte der Bewerber in solchen Fällen die erwartete Qualifikation tatsächlich („sonst hätte ich mich ja nicht beworben“). Die andere Hälfte hat sie selbstverständlich nicht („sonst hätte ist es ja geschrieben“). Mit ein wenig Nachdenken hätte man das Problem selbst erkennen – und manche unverständlich erscheinende Absage vermeiden können.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 46
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-10-13

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