Heiko Mell

Führen ist harte Arbeit

Mag die Überschrift auch ein bisschen banal klingen – sie ist es mitnichten. Weil viele der Betroffenen und hier zentral Angesprochenen das ganz offensichtlich nicht wissen oder nicht umsetzen. Und „betroffen“ sind die Führenden, von denen es sich manche doch etwas zu leicht machen.

Antwort:

Leider muss ein solcher Beitrag zunächst einmal definieren, was Führen überhaupt ist. Damit fangen die Schwierigkeiten schon an. Unstrittig dürfte sein, dass Führen auch bedeutet, bestimmte Menschen so zu beeinflussen, dass sie im Sinne der Führungskraft handeln. Wer Menschen kennt, weiß: Das ist schon schwer genug. Denn „beeinflussen“ heißt, dass die zu führenden Mitarbeiter das ohne diese Einflussnahme „so“ nicht getan hätten. Menschen lieben eine solche Lenkung eigentlich eher nicht.

Selbst wenn man in einem streng hierarchischen System nur mit den Instrumenten „Anweisung“ und „Erfolgskontrolle“ arbeitet, ist das Führen kein Spaziergang – denn wenn die Führungskraft ihre Augen nicht überall hat, läuft zumindest ein Teil der zu beeinflussenden Einheit schnell aus dem Ruder. Denn die Menschen spüren ja, dass sie „beeinflusst“ wurden und drängen wieder in ihren „natürlichen Status“ vor der Einwirkung des Führenden zurück.

Abgesehen davon: Das umrissene Modell ist natürlich überholt. Mindestens gefragt ist die nächste Stufe, auf der die Führungskraft ihre Mitarbeiter durch Motivation so weit beeinflusst, dass diese die zu setzenden Ziele erreichen und auch so wie gewünscht vorgehen wollen. Dazu gehört dann auch der Einsatz diverser weiterer Instrumente von der offenen Kommunikation bis zur individuellen und gezielten Förderung des Einzelnen im unterstellten Team. Und dazu gehört, in einem niemals endenden Prozess nach ständiger Optimierung der Organisation, aller Arbeitsschritte und der Qualifikation aller Beteiligten zu streben.

Spätestens das macht die behauptete harte Arbeit für die Führungskraft aus. Es bedeutet, sich aktiv und ständig um das Gesamtkonzept und die Details zu kümmern, das Verhalten aller Beteiligten stets im Auge zu haben und bei Bedarf – und das heißt oft – nicht nur korrigierend, sondern helfend und fördernd einzugreifen.

Das endet nie! Niemals kann sich die Führungskraft beruhigt zurücklehnen und meinen, nun sei es geschafft und für lange Zeit erledigt. Das Führen in diesem Sinne, bei dem dann ja stets auch noch Umsetzungen von Veränderungen der Unternehmensstrategie und technologische Weiterentwicklungen mit „abgearbeitet“ werden müssen, fordert die ganze Führungskraft mit allem, was sie einbringen kann.

Spätestens jetzt könnten Sie sich fragen, worauf ich eigentlich hinaus will; geht es um das hohe Lob des Managers? Eben nicht, eher im Gegenteil. Ich begegne im persönlichen Kontakt und vor allem in intensiven Gesprächen mit Geführten (die natürlich selbst auch oft Manager sind) sehr vielen Beispielen von Führungskräften, die sich ihrem Job im obigen Sinne verweigern. Es tauchen einfach zu viele „Geführte“ auf, die zwar einräumen, man könnte sie so nennen, aber eigentlich würden sie gar nicht geführt. Vor allem hätten sie nicht das Gefühl, man kümmere sich um sie – manche sehen ihren Chef über Monate hinweg nicht einmal (was, ehrlich gesagt, manche wiederum „tapfer ertragen“).

Führen ist permanentes, nahezu pausenloses Ringen um ein optimales, immer noch besseres Ergebnis. Durch aktiven Einsatz diverser Instrumente, durch immer wieder neues Drehen an unterschiedlichen Stellschrauben.Achten Sie einmal darauf, wie viele Manager in diesen Fragen zu wünschen übrig lassen. Weil es tatsächlich harte Arbeit ist, weil es sehr komplexe Anforderungen stellt? Und, das darf man nicht vergessen, weil sie vielleicht selbst nicht im Sinne der Anforderungen geführt werden? Denn man kann auf lange Sicht nur führen, wie man selbst geführt wird. Woraufhin man vielleicht dem eigenen Chef diesen Beitrag unauffällig auf den Schreibtisch schmuggeln sollte, so er denn gemeint sein könnte.

Aber Vorsicht (beim Schmuggeln).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 455
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 24
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-06-11

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