Heiko Mell

Wegen … war er allseits geschätzt

Kaum jemand weiß besser als ich, dass Formulieren seine Tücken hat. Und manchmal ist die schließlich gefundene Lösung nicht halb so gut wie es zunächst den Anschein hat.

Antwort:

Oft liegt das daran, dass der Schreiber nicht ganz bis zu Ende dachte. Ein beliebter Missgriff bei Zeugnissen ist beispielsweise die vorschnelle Kombination von Ursache und Wirkung. Die ja gar nicht immer falsch sein muss, aber oft zu kurz greift. Es geht um die konstruierte Abhängigkeit von Fähigkeit und erzieltem Resultat, die in der Praxis „gern genommen“ wird, vordergründig auch überzeugt, aber weder das Potenzial möglicher positiver Aussagen ausschöpft noch den Ansprüchen der Logik genügt: „Wegen seiner hervorragenden analytischen Fähigkeiten arbeitete er sich schnell und erfolgreich in neue Aufgabenstellungen ein.“

Hier wird eine wertvolle positive Bewertung auf ein eher nebensächliches Detail (Einarbeitung) verschwendet – und in der Sache reicht die genannte eine Fähigkeit (Analyse) gar nicht aus, um den genannten Effekt zu gewährleisten – wenn ein guter Analytiker vom Fach nichts versteht, desinteressiert und faul ist, bringt das gar nichts. Beide Aspekte der Aussage im zitierten Satz wirken schlicht viel stärker, wenn sie einfach unverknüpft als selbstständige Aussagen nebeneinander gestellt werden: „Herr Müller zeichnete sich durch hervorragende analytische Fähigkeiten aus. In neue Aufgabenstellungen arbeitete er sich schnell und erfolgreich ein.“

Beide Formulierungen besetzen identische Begriffe wie der ursprüngliche Text – und doch ist die Gesamtaussage im zweiten Fall deutlich stärker. Das gilt dann auch für das „besondere Vertrauen der Geschäftsführung“, das er (nur?) „wegen seines freundlichen, aufgeschlossenen Wesens“ genoss. Das scheint dann ja keine besonders anspruchsvolle Geschäftsführung gewesen zu sein. Im negativen Fall übrigens wäre das Prinzip der zwei getrennten Aussagen nicht nötig: „Wegen seines ausgeprägten Widerspruchsgeistes war er eine Belastung für seine Chefs.“ Aber so etwas kommt ja in Zeugnissen nicht vor, nur in der Praxis. Ähnlich unbefriedigend und schwer zu interpretieren ist es, wenn das Zeugnis sagt, gekonnt hätte der Mitarbeiter schon – aber ob er auch entsprechend gehandelt hat, bleibt im Dunkeln: „Er war in der Lage, kreative Vorschläge zu entwickeln“ – ja schön, das Potenzial hatte er, aber hat er nun entwickelt oder nicht? Die einfachere Aussage ist hingegen absolut unmissverständlich: „Er hat sehr oft kreative Vorschläge entwickelt.“ Geht doch!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 451
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-02-26

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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