Heiko Mell 01.01.2016, 08:11 Uhr

Wenn die Katastrophe gleich am Anfang steht

Antwort:

Nicht nur von mir werden „amerikanische“ Lebensläufe weniger geschätzt. Das sind die, bei denen die Geburt irgendwo am Ende von Seite 2 stattfindet (oder auch das Studium), während die Darstellung des Berufsweges von hinten nach vorn läuft und mit der heutigen Position beginnt.

Es gibt eine Menge Argumente dafür und dagegen. Ich neige dazu, den Weg eines Menschen nachvollziehen zu wollen und daraus meine Bewertung abzuleiten. Natürlich ist die derzeitige Funktion wichtig, aber die Laufbahn dorthin ist es auch – und zumindest ich kann problemloser chronologisch denken, rechnen und werten als umgekehrt. Da die neue Form jedoch aus Amerika kommt, ist sie gut, und ich versuche ja auch nicht, die Niagarafälle mit der linken Hand aufzuhalten. Es ist heute üblich, beide Varianten zu tolerieren. Auch ich mache das.

Aber gerade liegt mir wieder ein Lebenslauf vor. Er beginnt mit „heute“ – und da steht „nichts“ oder da wird deutlich, dass der Bewerber arbeitslos ist. Dann geht aus dieser Darstellung noch hervor, dass die letzte Position mit einer viel zu kurzen Dienstzeit verbunden war. Das alles zusammen ist die erste verwertbare Information, die ich dem Lebenslauf entnehme. Auf dieser vorgeprägten Basis arbeite ich mich nun weiter vor – eigentlich weiter zurück, Sie wissen schon.

Nun ist allgemein bekannt, dass der erste Eindruck von gefährlicher Durchschlagskraft sein kann.

Sie kennen mein Standardbeispiel, in dem ich die Kontaktanbahnung zu einem neuen Arbeitgeber mit der zu einem Vertreter des anderen Geschlechts vergleiche. Hätte ich beispielsweise eine eher weniger sportlich aussehende Vorzeigefigur, vielleicht gekrönt durch ein kleines Bäuchlein, dann würde ich nicht auf die Idee kommen, ein erstes Treffen etwa in der Badehose zu arrangieren. Diese – wenn auch letztlich unausweichliche – Darbietung eher nachteiliger Fakten höbe ich mir für einen späteren Zeitpunkt auf und begänne mit der Demonstration dessen, was ich für meine Stärken hielte.

Wer also die „heutige Position“ oder den „derzeitigen Status“ nicht für seine größte Stärke halten darf, der ist besonders gut beraten, die klassische Form der Präsentation zu wählen. Bei der die Katastrophe nur Teil (und vorläufiger Schluss) des Ganzen ist, aber nicht als wichtigste (weil prägende) Information am Anfang steht.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 44
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-29

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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