Heiko Mell

30 Jahre Karriereberatung

Stellen Sie sich einmal 12.000 Blatt DIN-A4-Papier auf einem Stapel vor. Der würde immerhin eine Höhe von etwa 1,5 m erreichen, je nach Papierqualität. Alles handbeschrieben – leserlich, bitte schön – richtig klassisch mit Füllhalter und Tinte.Deren Verbrauch übrigens habe ich nicht auch noch ermittelt, nur keine Angst. Jene 12.000 Blatt, Sie ahnten es schon, sind die Texte von 30 Jahren Karriereberatung in den VDI nachrichten. Von mir beschrieben, und das muss an dieser Stelle auch engagiert gewürdigt werden, von meiner Sekretärin Ursula Bornmann jeweils geduldig, immer erkennbar gern und stets mit den beiden Fixgrößen „maximale Textmenge“ und „wöchentlicher Abgabetermin“ im Hinterkopf, in die mit dem Verlag abgesprochene Form übertragen. Gelegentlich gab und gibt es eine kritische Bemerkung von ihr zu meinen Formulierungen und ganz selten auch einmal ein spontanes Lob.

Warum ich so antiquiert arbeite? Weil ich es kann, weil es funktioniert und weil es mir Spaß macht. Ich kann bei solchen Texten genau so schnell schreiben wie ich denke, das klappt sehr gut.Was nützte es mir, die Schreibgeschwindigkeit durch Herumklappern auf einer Tastatur zu steigern und dann schneller schreiben als denken zu können. Sie würden das nicht lesen wollen. Und diktieren darf ich diese Texte nicht. „Sie sind dann nicht so gut“, sagt Frau Bornmann. Punkt. So viel zur Menge und zu anderen Äußerlichkeiten.

Den Inhalt müssen Sie, liebe Leser, selbst beurteilen. Vielfach tun Sie es in Ihren Einsendungen, erfreulicherweise überwiegt bisher die positive Würdigung deutlich. Versuch eines Vorstoßes zum Wesentlichen: Ich fürchte fast, ich muss mich in die nicht immer einfach zu nehmende Gruppe der Sendungsbewussten einordnen. Nur auf dieser Basis verstehen Sie mein Anliegen. Nach ein paar Jahren der Berufstätigkeit war ich entsetzt über die Fehler und Gedankenlosigkeiten, die mir aus den Werdegängen und Bewerbungen industrieller Fach- und Führungskräfte entgegensprangen. Hier musste Aufklärung her, die Menschen wussten einfach zu wenig über das System, seine Funktionen und die daraus resultierenden Anforderungen.

Der zweite Schritt war der zu gehende Weg. Die schließlich gefundene Form der Beantwortung konkreter in persönliche Fallbeispiele eingebetteter Leserfragen zur Karriere war damals ungeheuer „anders“ als alles Bisherige, weder meine Partner im Verlag noch ich hatten Vorbilder dafür jemals gesehen. Würden die Leser mitmachen, würden sie die spezielle Darstellung akzeptieren, würde die Öffentlichkeit meine klaren Aussagen „verdauen“ können – oder würde ein allgemeiner Aufschrei verhindern, dass auf diesem sensiblen Gebiet die „Wahrheit“ so klar geäußert wird? Würden die Leser akzeptieren, dass es nicht um meine Meinung geht, sondern dass ich nur ausspreche, wie in Entscheiderkreisen gedacht wird (mit den üblichen Abweichungen nach beiden Seiten)? Nun, Sie haben diese heute so selbstverständlich erscheinende Form angenommen. Ich durfte, pauschal gesehen, eine ganze Generation von Ingenieuren beruflich begleiten. Und so mancher von Ihnen hat mir geschrieben, er verdanke seine beruflichen Erfolge auch dieser Serie. Und wenn auch nicht immer alle meiner Meinung waren, so hat doch niemand (!) behauptet, „so“ sei es dort draußen gar nicht, es sei alles ganz anders. Und wir machen weiter, diese 30 Jahre sind ein eindrucksvolles Jubiläum, mehr erst einmal nicht.

Mein Dank anlässlich des bisherigen Erfolges gilt Ihnen, liebe Leser, für Ihr Mitwirken und Ihre – sicher nicht immer leicht aufzubringende – Toleranz auch gegenüber unbequemen „Wahrheiten“ und wertenden Aussagen. Besonders anerkennen aber muss ich bei der Gelegenheit die Entscheidungsträger aufseiten des VDI Verlages; es sind naturgemäß heute nicht mehr dieselben Gesichter wie damals. 1984 gehörte viel Mut zum Risiko zur Freigabe des Projektes, die Nachfolger im Amt haben den Weg konsequent weiter beschritten. Wie mutig auch das gewesen ist, welche Widerstände sich intern sicher auch auftaten und zu überwinden waren, habe ich nie erfahren, aber Vermutungen sind erlaubt. Wenn mich heute Menschen lesen, die am Beginn der Serie noch gar nicht geboren waren, dann beleuchtet das die Dimension dieses „Projekts Karriereberatung“.Das, darauf bin ich schon ein bisschen stolz, auch zeigt, dass es neben dem Ruf nach permanentem Wandel auch Raum für Entscheidungen gibt, Bewährtes einfach beizubehalten. Und das in einem Umfeld, das nach täglichen Veränderungen geradezu giert.

In diesem Sinne Ihr Heiko Mell.

 

Frage-Nr.: 437
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-04-10

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