Heiko Mell 02.01.2016, 09:27 Uhr

Es stecken mehr Probleme drin als Sie denken

Antwort:

Glauben Sie mir, es stecken. Und dabei soll hier von dem ja auch nicht ganz unwichtigen Aspekt, dass die Beurteilung schlecht ist, nicht einmal die Rede sein. Sondern von Problemen wie diesen:

1. Fehler im Zeugnis:

1.1 Beispiele:

– falsche oder fehlende Daten zu Ein- oder Austritt (wichtig!), zu Beförderungen oder Verantwortungszuwächsen;

– falsche Positionsbezeichnungen;- fehlende wichtige Details zur Funktion/Position (etwa die Ernennung zum „stellvertretenden Abteilungsleiter“);

– fehlende wesentliche(!) Details zu Aufgaben und Tätigkeiten (sind viel weniger wichtig als die Betroffenen immer glauben, aber der Punkt gehört in diese Aufzählung);

– gravierende Tipp-/Schreibfehler; vor allem, wenn sie missverständlich, erheiternd oder für das Niveau der Position blamabel sind (es muss ja nicht gleich „Schweißfachingenieur“ ohne „w“ sein).

1.2 Wirkung:

– Die Verantwortung für die Ausfertigung trägt zwar das ausstellende Unternehmen, aber es ist Ihr Zeugnis, das Sie berufslebenslang vorlegen müssen („ein anständiger Bewerber hat ein anständiges Zeugnis“).

– Bei allen Daten und Fakten gilt: das Dokument hat recht, der im Lebenslauf oder Anschreiben davon abweichende Bewerber hat gelogen! Eine Prokura, die nicht im Zeugnis steht, hat es nie gegeben, eine Zusatzfunktion etwa als „Assistent des Geschäftsführers“ entsprechend dann auch nicht.

– Es ist äußerst fatal, wenn Sie im Vorstellungsgespräch auf Auffälligkeiten in Ihrem Zeugnis angesprochen werden, die Ihnen nicht einmal bewusst sind.

1.3 Einzige Abhilfe:

– Sofort bei Aushändigung des Dokuments lesen Sie es sorgfältig, prüfen vor allem Daten, Fakten, Beförderungen, Positionsbezeichnungen, suchen ein klares Austrittsdatum und bitten ggf. um sofortige Korrektur/Neuausfertigung; was Sie jetzt akzeptieren, gilt in der Regel für immer (drei Jahre später ist eine Korrektur praktisch unmöglich).

2. Umgang mit dem Zeugnis:- In der fertigen Bewerbung liegt das Dokument in unmittelbarer Nähe zum Lebenslauf; jede wesentliche Abweichung wird dem Bewerbungsempfänger auffallen – und gegen Sie sprechen (z. B. kann man Sie „Hochstapler“ nennen).

– Also legen Sie beim Schreiben des Lebenslaufs die jeweiligen Zeugnisse daneben und vergleichen Sie alle relevanten Passagen in beiden Dokumenten; im Zweifel passen Sie den Lebenslauf an!

– Bei „Aufgaben/Tätigkeiten“ können Sie ggf. ruhig die eine oder andere Angabe machen, die im Zeugnis nicht erwähnt wird; aber Ihre Dienstzeit dort dürfen Sie auch nicht um eine einzige Woche „verschieben“ – und einen Gruppenleiter-Status, den es im Zeugnis nicht gibt, haben Sie nie gehabt!

3. Was fast alle falsch machen, Sie aber vermeiden sollten:

– Man schreibt den Lebenslauf aus dem Gedächtnis, holt das Zeugnis aus der Schublade, packt beides zusammen in die Bewerbung und hofft, es möge gutgehen. Damit beweisen Sie immerhin, dass Sie das Zeug zum Glücksspieler haben. Falls jemand so etwas gesucht hat, ist ja alles bestens … Selbst wenn Sie gar nicht schwindeln wollten: Es ist erstaunlich, wie nach ein paar Jahren die Wirklichkeit vom Gedächtnis verklärt wird.

4. Warnung: Die im Dokument enthaltene Beurteilung ist noch nicht einmal der Kernpunkt: Dieses Zeugnis ist vor allem die offizielle Bestätigung dessen, was Sie in der angegebenen Zeit gemacht haben. Nur dieses Blatt Papier steht zwischen Ihnen und dem Verdacht, Sie könnten „damals“ auf einer Schaffarm in Neuseeland oder Insasse einer JVA gewesen sein (beispielsweise).

Kurzantwort:

Glauben Sie mir, es stecken. Und dabei soll hier von dem ja auch nicht ganz unwichtigen Aspekt, dass die Beurteilung schlecht ist, nicht einmal die Rede sein. Sondern von Problemen wie diesen:

Frage-Nr.: 433
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 58
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-03-20

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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