Heiko Mell

Ohne Risiko kein „Geschäft“

Antwort:

Dass Unternehmen ihre Erfolge auf Märkten suchen und oft auch finden, wussten Sie natürlich schon. Auch, dass Risiken zwangsläufig dazugehören, wenn man sich in diesem Umfeld tummelt: Nie kann ein Unternehmen völlig sicher sein, dass sich Umsatz- und Ertragsaussichten wie erwartet entwickeln. Und nur zu oft ist zu hören, dass sich auch Top-Konzerne – eigentlich mit allen Planungs-Ressourcen ausgestattet – von neuen Märkten resigniert oder geschlagen wieder zurückziehen. Einleuchtend ist sicher auch noch die Behauptung, in der Regel seien Chancen und Risiken eines geschäftlichen Vorhabens irgendwie proportional: Von großen Risiken bei kleinen Chancen lässt man die Finger, vom umgekehrten Fall kann man nur träumen, im Normalfall sind beide Kriterien halbwegs gegeneinander ausgewogen.Bliebe die Frage, was diese Selbstverständlichkeiten mit Ihnen zu tun haben. Nun, wenn Sie als Angestellter bei einem solchen marktorientierten Unternehmen beschäftigt sind und Ihre Karriereambitionen realisieren wollen, dann werden oder sind Sie Teil eines Organismus, der den oben genannten Regeln unterworfen ist.

Und ein einleuchtender Grundsatz lautet:
Wenn ich in einer Organisation wirke, von ihr lebe und in ihr letztlich Macht ausüben will, dann ist es hilfreich, wenn ich ähnlich denke und handle, wie es die Organisation bei ihrem Wirken auch tun muss. Das gilt umso stärker, je näher heran an die eigentlichen „Schalthebel“ ich kommen will.Niemand verlangt, dass ein Gruppenleiter Instandhaltung, der genau das bleiben will und der kein weiteres „Geschäft“ mehr anstrebt, zur Erreichung dieses – ehrenwerten – Ziels irgendein exorbitantes Risiko eingeht, die Angelegenheit wäre höchst unausgewogen.

Aber bei Zielen wie Werkleiter, Produktionschef oder Technischer Geschäftsführer sieht das sehr oft schon anders aus. Hier winkt ein „großes Geschäft“ – das von dem Betroffenen verlangt, auch ein adäquates Risiko einzugehen. Mit dem Streben nach absoluter (oder auch nur fast absoluter) Sicherheit sind solche Ziele nicht zu erreichen. Das gilt allein schon für die Bereitschaft, sich immer wieder auf noch höheren Managementebenen zu tummeln, auf denen man noch keine Erfahrungen sammeln konnte. Von der Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme beim Aufbau eines neuen Werkes in China oder für einen völlig neuen Geschäftsbereich ganz zu schweigen.

Wenn Sie also Menschen begegnen, die „oben“ oder „ziemlich weit oben“ angekommen sind, sollten Sie immerhin anerkennen: Erfolgsbasis war nicht nur eine von außen zwangsläufig schwer zu beurteilende Leistung, unabdingbar war auch die Bereitschaft, ein nicht unerhebliches Risiko zu tragen. Und wenn Sie dorthin wollen, müssen Sie ähnlich denken.

Nun beinhaltet der Begriff des Risikos, es könnte auch schiefgehen. Jedoch es muss nicht – die Welt ist voller Beispiele dafür.

Wenn nun aber dieses unabwendbar mit dem Erfolg verbundene Risiko voll „durchschlägt“ oder „zum Tragen kommt“?

1. Es ist nicht die Mentalität von Siegern, viel zu wollen und dabei besonders risikoscheu zu sein. Wer spielt (ich halte große Teile unseres beruflichen Systems für eine Art „Spiel“ und verwende daher auch den Begriff „Spielregeln“), muss auch verlieren können.

2. Niederlagen sind unausweichlich. Man kann sie nicht vermeiden, aber dagegen abgesichert sein. Das ist vergleichbar mit einem „Netz“, das man unter das Drahtseil spannt, auf dem man dann eines Tages balanciert. Als „Netzelemente“ eignen sich:

– eine möglichst einwandfreie, im Sinne der Regeln positive Ausbildungsphase (Schule, Studium), in jedem Falle eine solche ohne bereits dort erkennbare „Neigung zu Katastrophen“;

– eine bis zum „Absturz“ solide und erfolgreiche Berufslaufbahn („roter Faden“ im Lebenslauf, Branchen- und Unternehmenstyp-Kontinuität, konsequenter Aufstieg, durchgängig sehr positive Zeugnisse, Dienstzeiten ohne Auffälligkeiten);

– eine weitgehend offene, durchaus auch selbstkritische Darlegung der Umstände, die zur momentanen Katastrophe geführt haben, die sich aber im „noch erlaubten Rahmen“ bewegen („der Arbeitgeber stellt die Aktivitäten in diesem Geschäftsbereich ein“ geht, wenn man nicht gerade Geschäftsbereichsleiter war; „unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung meiner Abteilung“ ist hingegen eher keine Empfehlung).

3. Angesagt ist nach Niederlagen eine realistische Betrachtung der jetzt mit Aussicht auf Erfolg anzustrebenden neuen Positionen und der erreichbaren Bezüge bis hin zur Bereitschaft, jetzt eher „kleinere Brötchen“ zu backen.Fazit: Mit jedem Aufstieg ist ein besonderes Risiko verbunden – dem ja ausgleichend eine reizvolle Chancen gegenübersteht. „Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft und desto tiefer kann man fallen“, das gilt auch hier. Und das „Seil“, das den Bergsteiger bei einem Absturz vor dem Fall ins Nichts bewahrt, ist hier die absolut vorzeigbare, rundum positiv zu sehende Laufbahn „bis dahin“. Daraus folgt auch: Ein guter Lebenslauf verträgt es gegebenenfalls, wenn einmal das systemimmanente Risiko „durchschlägt“. Danach wären dann die Ziele vorsichtiger zu stecken – denn wenn nur noch ein kleines Risiko getragen werden kann, ist auch kein großes „Geschäft“ mehr zu erwarten.

Von Bedeutung ist dieses Prinzip vor allem für Angestellte, die gerade – und vielleicht nicht zum ersten Male – „Pech gehabt“ und ihren Job verloren hatten. Sie suchen nun unter dem Zeitdruck, den der Aufhebungsvertrag mit sich bringt, nicht nur einen neuen Job, sie wollen oft auch eine Position, mit der sie die gerade erlittene Schlappe eindrucksvoll ausbügeln können: vor sich selbst, vor ihrer Familie und auch vor dem „alten“ Chef und den Kollegen.

Sie stehen symbolisch bis zu den Knien im Sumpf und wollen hoch springen, am besten auf die nächste Ebene hinauf. Man kann aber aus einem Sumpf hinaus nicht springen, man kann höchstens mühsam aufs Festland krabbeln. Oder um im Chance-/Risikobild zu bleiben: Gemessen an der miserablen Ausgangssituation müsste diese Chance geradezu riesig sein. Dazu gehört im System dann wieder ein adäquat großes Risiko. Das aber trägt der angeschlagene Lebenslauf jetzt nicht – geht es schief, ist kein Netz da, das den Betroffenen auffängt.

Und warum ist das Risiko hier so hoch? Nun, wieso sollte ein rundum solides Unternehmen einen absolut „normalen“ guten Job an den Mitbewerbern mit Top-Lebenslauf vorbei gerade diesem angeschlagenen Kandidaten geben? Weil die nichtangeschlagenen Bewerber in bester Ausgangslage „den Braten riechen“, sich bohrende Frage leisten – und absagen. Also bleibt nur der problembehaftete Kandidat für den problematischen Job. Und dann tickt die Bombe.

Kurzantwort:

Dass Unternehmen ihre Erfolge auf Märkten suchen und oft auch finden, wussten Sie natürlich schon. Auch, dass Risiken zwangsläufig dazugehören, wenn man sich in diesem Umfeld tummelt: Nie kann ein Unternehmen völlig sicher sein, dass sich Umsatz- und Ertragsaussichten wie erwartet entwickeln. Und nur zu oft ist zu hören, dass sich auch Top-Konzerne – eigentlich mit allen Planungs-Ressourcen ausgestattet – von neuen Märkten resigniert oder geschlagen wieder zurückziehen. Einleuchtend ist sicher auch noch die Behauptung, in der Regel seien Chancen und Risiken eines geschäftlichen Vorhabens irgendwie proportional: Von großen Risiken bei kleinen Chancen lässt man die Finger, vom umgekehrten Fall kann man nur träumen, im Normalfall sind beide Kriterien halbwegs gegeneinander ausgewogen.

Frage-Nr.: 423
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 37
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-09-12

Top Stellenangebote

Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Vertriebsingenieur Außendienst Fabrikautomation (w/m/d) Norddeutschland
Zeiss Group-Firmenlogo
Zeiss Group Wissenschaftlicher Mitarbeiter Systemdesign Beleuchtung (m/w/x) Oberkochen
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG-Firmenlogo
MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG Software Ingenieur (m/w/d) Lüdenscheid
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Techniker im Vertriebsinnendienst (w/m/d) Münster
BERGER ROHSTOFFE GMBH-Firmenlogo
BERGER ROHSTOFFE GMBH Werkleiter (m/w/d) Altenau, Paschwitz
BERGER BAU SE-Firmenlogo
BERGER BAU SE Bauleiter (m/w/d) Passau
Hays AG-Firmenlogo
Hays AG Junior Softwareentwickler / Softwareingenieur (m/w/d) verschiedene Standorte
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH Functional Safety Engineer / Manager (m/w/d) Lüneburg
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen Ingenieur / Staatlich geprüfter Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Versorgungstechnik (HKLS) Gebäudemanagement Wiesbaden

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: N…