Heiko Mell

Dauerhaft Spaß haben

Antwort:

Wer mich kennt, weiß längst: Mit dem Streben nach dauerhaftem Spaß im Berufsleben habe ich es nicht so, aus gutem Grunde. Aber lassen wir letzteren heute einfach weg. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Stellen wir – ausnahmsweise, aber immerhin – die Suche nach dem umfassend Spaß bereitenden Berufsleben ruhig einmal in den Mittelpunkt. Ich sage nicht, das sei empfehlenswert, absolut nicht, aber ich konstatiere: Eine große Masse der Arbeitsmarktteilnehmer tut es ohnehin oder träumt davon, es zu tun.

Es gibt also die lautstarke Forderung nach Spaß im Beruf. Es gibt aber eben auch, von wiederum anderen gefordert, die vorrangige Suche nach reizvollen fachlichen Herausforderungen. Und, wichtig für wieder andere, das dominierende Streben nach Karriere (Hierarchie-Fortschritt/Aufstieg). Nun, dann gib es noch die Geld-Fraktion, deren Nr. 1-Interessen reichen von der reinen Existenzsicherung bis zur Bildung eines größeren Vermögens. Damit konkurrieren also mindestens diese Ansprüche an den Beruf – und mindestens einer davon bewegt auch Sie:

– Spaß,

– fachliche Herausforderung,

– Karriere,

– Geld.

Diese Ziele haben mehr gemeinsam als sie trennen würde – und die Sache mit dem Spaß steht hier nur zufällig an der Spitze, sie soll einfach als gleichberechtigt existierend hingenommen werden. Die Betroffenen werden schon sehen, was sie davon haben: Fangen wir mit der Argumentation einmal „hinten“ an, die erwähnten Zielsetzungen stehen ohnehin eher nebeneinander, man hätte sie auch alphabetisch ordnen können.

Beginnen wir also mit „Geld“: Dieses Ziel zu erreichen, ist gar nicht so einfach. Das weiß vor allem, wer es schon versucht hat. Es erfordert sorgfältige Planung, systematisches, konsequentes Vorgehen, Talent bei der Durchführung, immer auch Glück. Und es gelingt nur, wenn man den Zentralaspekt „Beruf“, in den dieses Ziel eingebettet ist, sehr wichtig nimmt, ihm eine hohe Priorität einräumt. Sonst wird es auch nichts mit dem Individualziel (hier „Geld“).

Zum nächsten möglichen Ziel, der „Karriere“ als zentralem Inhalt beruflichen Tuns: Dieses Ziel zu erreichen, ist gar nicht so einfach. Das weiß vor allem, wer es schon versucht hat. Es erfordert … Und gelingt nur, wenn man den Zentralaspekt „Beruf“, in den dieses Ziel eigebettet ist, sehr wichtig nimmt. Sonst wird es auch nichts mit dem Individualziel (hier „Karriere“).

Irgendwie merkwürdig: Die sich aus dem jeweiligen Individualziel ergebenden Anforderungen an das berufsrelevante Tun sind absolut identisch. Untersuchen wir die „fachliche Herausforderung“: Dieses Ziel zu erreichen, so muss auch hier gesagt werden, ist gar nicht …. Und gelingt nur, wenn man den Zentralaspekt „Beruf“, … sehr wichtig nimmt, … (hier „fachliche Herausforderung“).

Wieder ist die Anforderung, die aus der Zielsetzung resultiert, im strategischen Ansatz völlig identisch mit den anderen.Nun der „Spaß“ als dominierendes Ziel. Es tut mir (fast) leid, aber wiederum gilt: Dieses Ziel zu erreichen, ist gar nicht …. Und gelingt nur, wenn man den Zentralaspekt „Beruf“, … sehr wichtig nimmt, …. Sonst wird es auch nichts mit dem Individualziel (hier „Spaß“).

Ich kann Ihnen nicht helfen, aber nicht einmal Spaß ist dauerhaft ohne Planung, Sorgfalt und anderweitigen Aufwand zu haben. Sonst erleben Sie Pleite auf Pleite – und spätestens bei Krach mit dem Chef oder Arbeitslosigkeit hört der Spaß auf. Und ob eine durch und durch langweilige Arbeit ohne Anspruch dauerhaft Spaß macht, ist sehr fraglich. Nein, auch hier muss viel an ernsthaften Überlegungen und komplexen Maßnahmen investiert werden, bis auch nur ein bisschen Spaß am Horizont winkt.

Was nun noch kommt, liegt fast schon auf der Hand: Wenn Spaß zu haben im Beruf auch immerwährende Anstrengungen erfordert, dann können Sie diesen Aufwand ebenso gut auf eines der anderen Ziele konzentrieren, dessen Erreichung Sie aber irgendwie weiterbringt.

So bleibt aus meiner Sicht die Erkenntnis: „Spaß“ als zentrales strategisches Ziel beruflichen Tuns zu definieren, ist auch nicht so richtig lustig, sondern das wird letztlich ebenso anstrengend wie „seriöse“ Zielsetzungen klassischer Art. Oder so: Spaß zu wollen, macht keinen, sondern ist harte Arbeit. Ganz schon raffiniert, unser System.

Kurzantwort:

Wer mich kennt, weiß längst: Mit dem Streben nach dauerhaftem Spaß im Berufsleben habe ich es nicht so, aus gutem Grunde. Aber lassen wir letzteren heute einfach weg. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Stellen wir – ausnahmsweise, aber immerhin – die Suche nach dem umfassend Spaß bereitenden Berufsleben ruhig einmal in den Mittelpunkt. Ich sage nicht, das sei empfehlenswert, absolut nicht, aber ich konstatiere: Eine große Masse der Arbeitsmarktteilnehmer tut es ohnehin oder träumt davon, es zu tun.

Frage-Nr.: 416
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-03-22

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