Heiko Mell

Keine Experimente!

Antwort:

Für die jüngeren unter uns wird die Überschrift wohl erklärt werden müssen: Es ist der Slogan, mit dem die CDU 1957 in den Bundestagswahlkampf zog. In wichtigen Bereichen des (Berufs-)Lebens ist er noch immer aktuell. Wenn Sie die Maxime positiv formulieren wollen, müsste es an dieser Stelle heißen: Achten Sie auf den „roten Faden“ im Werdegang.

Mir ist gerade wieder ein konkreter Fall begegnet, der die Empfehlung unterstreicht und vielen anderen Beobachtungen zu dem Thema ein „Gesicht“ gibt: Da bewirbt sich ein Mann als Geschäftsführer. Er hat die richtige Ausbildung, ist im richtigen Alter, seit acht(!) Jahren hat er die richtige Tätigkeit im richtigen Branchenumfeld. Alles ist eigentlich bestens. Aber mein mittelständischer Auftraggeber mäkelt an dem Kandidaten herum: Vor diesen acht Jahren, da war jener Mann in der Branche X. Man bedenke: X!

„Was halten denn unsere Mitarbeiter wohl von einem Mann, der von X kommt?“ Wenn Sie nach Gründen für „unerklärliche“ Absagen suchen: Suchen Sie auch hier!

Sie kennen selbst jene X-Branchen aus der Sicht Ihres heutigen Umfelds. Da mag die eigentliche Tätigkeit während dieser Zeit noch einigermaßen zum Thema passen, wenn die Branche als „abseitig“ gesehen wird, kann noch Jahre später eine Bewerbung daran scheitern.Wobei dieses hier nur ein besonders krasses Beispiel war. Standard-Verstöße gegen das „Gesetz des roten Fadens“ gibt es in sehr vielen Lebensläufen. Sie entstehen wie folgt:

a) auf Arbeitgeberwunsch bei der Verfolgung des Ziels, den universell vorgebildeten und erfahrenen Konzern-Manager heranzubilden. Aber : Es geht um diesen einen Konzern, bei dem der Kandidat gerade tätig ist – für andere Arbeitgeber kann ein Bewerber, der auf drei Jahre Konstruktionsbüro erst zwei Jahre Personalentwicklung, dann zwei weitere Jahre Vertriebsinnendienstleitung folgen lässt und als Ziel „hausinternes Top-Management“ hat, ein „Muster ohne Wert“ sein. „Generalisten“ sind immer schwer verkäuflich, „Generalisten in Ausbildung“ sind arme Teufel, wenn sie sich plötzlich bewerben wollen oder müssen, bevor sie ihr internes Entwicklungsziel erreicht und einige Jahre dortselbst erfolgreich gearbeitet haben.

b) auf Arbeitgeberwunsch mit dem Ziel, irgendwo intern ein personelles Loch zu stopfen, das sich gerade aufgetan hatte. Und Müller? Müller stand so günstig, wurde „eindringlich“ gebeten, konnte nicht ablehnen – und hängt nun auf einer ganz speziellen Position herum, die es im ganzen Lande kaum noch einmal gibt.

c) auf eigenen Wunsch des Mitarbeiters, weil die neue Tätigkeit so spannend war oder dem Betroffenen sonst wie besonders reizvoll erschien. Dazu gehören dann auch der Vorstandsassistent mit 40, der Beauftragte für Irgendetwas, für den es kein logisches „Danach“ gibt oder der „Vielseitige“, der alle zwei Jahre etwas Neues anfängt.

Die Regel lautet: Rechnen Sie immer(!) damit, sich mindestens noch einmal oder sogar mehrfach extern bewerben zu müssen. Prüfen Sie vor Annahme einer neuen Tätigkeit, wie diese später wohl in den Augen eines Bewerbungsempfängers aussieht, ob sie zum bisherigen Werdegang und zum späteren Laufbahnziel passt. Und ob das „Gesamtkunstwerk“ Ihres Lebenslaufs aussieht als hätte ihm eine zumindest erahnbare Konzeption zugrungegelegen.

Wenn Sie das beachten, „verkaufen“ Sie sich auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser – vor allem, wenn Sie plötzlich auf die Akzeptanz eben dieses Marktes angewiesen sind.

Nicht verhehlen will ich, dass es hier durchaus große Gemeinsamkeiten mit dem Straßenverkehr oder auch der Liebe geben kann: Wer die Regeln beachtet, schläft wahrscheinlich besser. Wer sie gelegentlich souverän ignoriert, kann durchaus zwischendurch sehr viel mehr Spaß haben.

Aber in meinem „Geschäft“ gilt später ein „Das hat mir damals aber großen Spaß gemacht“ nicht als überzeugendes Argument (jedenfalls nicht im positiven Sinne).

Kurzantwort:

Für die jüngeren unter uns wird die Überschrift wohl erklärt werden müssen: Es ist der Slogan, mit dem die CDU 1957 in den Bundestagswahlkampf zog. In wichtigen Bereichen des (Berufs-)Lebens ist er noch immer aktuell. Wenn Sie die Maxime positiv formulieren wollen, müsste es an dieser Stelle heißen: Achten Sie auf den „roten Faden“ im Werdegang.

Frage-Nr.: 414
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-03-01

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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