Heiko Mell 02.01.2016, 07:10 Uhr

Komisch, „gestern“ lief es doch noch

Antwort:

Sie haben studiert, bewerben sich bei A. Man stellt Sie ein, Sie arbeiten ein paar Jahre erfolgreich, wechseln zu B. Auch dort haben Sie eine Reihe guter Berufsjahre, Sie wechseln in gleicher Position zu C und vielleicht noch zu D. Sie achten auf ausreichend viele Dienstjahre pro Arbeitgeber, gute Zeugnisse, auf Positionen, die sinnvoll aneinander anschließen.

Dann der Wechsel zu XY. Man nimmt Sie auch dort mit offenen Armen. Sie arbeiten ein paar Jahre, wiederum ist alles gut.

Nun wollen Sie (vielleicht müssen Sie) erneut wechseln. Noch immer sind Sie jung genug. Ihre „Papiere“ sind in bester Ordnung, Sie gehen von gewohnt glatten und erfolgreichen Bewerbungsvorgängen aus.

Nun jedoch stoßen Sie auf Schwierigkeiten, die Sie nicht erwartet hatten: Die Quote der Einladungen zu Vorstellungsgesprächen ist höchst unbefriedigend. Gerade die Unternehmen, die besonders interessante Positionen ausschreiben, halten sich zurück. So langsam beginnen Sie zu verzweifeln: Warum geht jetzt nicht mehr, was doch „gestern“ und „vorgestern“ so problemlos lief? Ihre „Papiere“ sind doch immer noch identisch, auch das letzte vorliegende Zeugnis, das es bei der damaligen Bewerbung aus ungekündigter Position noch nicht gegeben hatte, ist absolut positiv. Und vom heutigen Arbeitgeber liegt noch gar kein Zeugnis vor, daran kann es also auch nicht liegen.

In einem solchen – keineswegs seltenen – Fall liegt die Antwort auf die Frage nach den Ursachen des Scheiterns in dem einzigen Punkt, an den Sie noch nicht gedacht haben: in der Bezeichnung und Darstellung der heutigen Position, die ein Schwergewicht Ihrer Gesamtqualifikation darstellt.

Was immer Sie damals bewogen haben mag, genau diesen Job anzunehmen – der Bewerbungsempfänger teilt Ihre (damalige) Begeisterung dafür nicht:

– Sehr häufig versteht er nicht einmal, was das für eine Position ist. Vielleicht hat Ihr Arbeitgeber diese Bezeichnung selbst erfunden oder als erster aus dem gelobten Land importiert. Dann legt der Bewerbungsempfänger Ihre Zuschrift schnell zur Seite – für aufwendige Recherchen hat er keine Zeit (und dafür hat er keine Lust). Und: „Watt de Buur nich kennt, dat frett he nich!“

– Ebenso häufig sind die Beschreibungen zu den Details der heute ausgeübten Tätigkeit wenig hilfreich. Sie sind zwar korrekt niedergeschrieben, bauen aber keinerlei „Brücke“ zwischen Ihnen und der Zielposition.

– Bedenken Sie dabei: Ihr Ziel ist es nicht, dem Leser wahrheitsgemäß zu vermitteln, was Sie heute tun. Ihr Ziel ist es hingegen, Ihre heutige Position noch im Rahmen des Korrekten so darzustellen, dass auch ein lesender fachlicher Laie (Personalabteilung, Berater) erkennt, wie gut Sie doch zur angestrebten Position passen. Was manchmal einfach nicht geht – dann haben Sie Pech.

Und damit kein Missverständnis aufkommt: Die Geschichte mit der möglichst geschickten Darstellung dieser exotischen heutigen Position ist nur ein Randeffekt. Nein, Sie sollten viel solider und viel früher ansetzen. Vor dem Wechsel zu XY hätten Sie schon überlegen sollen: Wem verkaufe ich diese Phase meines Werdeganges später, wer versteht das überhaupt, wie stehe ich dann da auf dem Arbeitsmarkt? Lasse ich besser die Finger davon? Denn das gilt vorm Antritt jeder neue Position: Der nächste Wechsel kommt ziemlich sicher.

Kurzantwort:

Sie haben studiert, bewerben sich bei A. Man stellt Sie ein, Sie arbeiten ein paar Jahre erfolgreich, wechseln zu B. Auch dort haben Sie eine Reihe guter Berufsjahre, Sie wechseln in gleicher Position zu C und vielleicht noch zu D. Sie achten auf ausreichend viele Dienstjahre pro Arbeitgeber, gute Zeugnisse, auf Positionen, die sinnvoll aneinander anschließen.

Frage-Nr.: 401
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 26
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-06-28

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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