Heiko Mell

Beruf ist Beruf – und privat ist privat

Antwort:

Berufliches Tun und privates Leben sind zwei der zentralen, unsere Existenz tragenden Säulen. Sie stehen separat, sind aber über viele Konstruktionselemente miteinander verbunden: Stürzt eine, wird die andere in Mitleidenschaft gezogen – die ganze bisherige Existenz gerät in Gefahr.

Beide Säulen sind aus relativ empfindlichem Material gefertigt, ständigen Angriffen durch die Unbilden des Lebenskampfes ausgesetzt. Sie werden mal stärker, mal weniger stark beschädigt und bedürfen unserer ständigen Aufmerksamkeit und ebenso permanenter Reparaturanstrengungen. Damit leben wir.

Aber: Nicht immer sind wir bei den fälligen Renovierungsarbeiten hinreichend konsequent. Und dann verstoßen wir gegen ein „Grundgesetz“ dieses Metiers:

Lösen Sie die Probleme dort, wo sie entstehen.

Kümmern Sie sich um jene Säule, die plötzlich problematisch geworden ist – und brechen Sie keine Steine aus der gesunden, um die geschwächte instand zu setzen. Anschließend ist nämlich Ihre Gesamtbilanz ebenso schlecht wie zuvor, Sie haben nur die marode mit der starken Säule vertauscht.

Nein, wenn der eine tragende Pfeiler ein Problem hat, müssen Sie den anderen völlig in Ruhe lassen, eher besonders intensiv pflegen. Denn er wird, bis Sie die fällige Reparatur abgeschlossen haben, ohnehin eine höhere Belastung tragen müssen.

Da es höchste Zeit wird, dieses Bild zu verlassen, die dringende Empfehlung im Klartext:

Keine berufliche Veränderung aus privaten Gründen.

Wenn Sie sich am neuen Dienstort zunächst noch nicht heimisch fühlen: arbeiten Sie daran, engagieren Sie sich am Ort, verlegen Sie die Wohnung vielleicht in die nächste Stadt und fahren Sie etwas weiter – aber geben Sie den gut laufenden Job nicht auf.

Wenn zwei Partner durch ihre berufliche Tätigkeit zeitweise zum getrennten Wohnen gezwungen sind: suchen Sie z. B. durch einen Wohnort in der Mitte oder durch eine – vorübergehende – Wochenendbeziehung das Beste daraus zu machen.

Wenn Ihre Schwiegermutter pflegebedürftig wird, holen Sie sie zu sich, ziehen Sie nicht dorthin. Natürlich bringt das Probleme mit sich – aber die bei der anderen Lösung sind auf Dauer größer.

Umgekehrt übrigens verhindert die Vernunft Schlimmeres: Nur wenige Karrieristen lassen sich scheiden und suchen einen neuen Partner, nur weil der der eigenen Laufbahn mehr förderlich wäre.

Sagen wir es einmal so: Ich kenne meine Pappenheimer (frei nach Schiller, Wallensteins Tod). Es wird nicht von heute auf morgen Schluss sein mit einem der zentralen Fehler in der Karrieregestaltung. Aber Sie wissen nun wenigstens, was Sie riskieren, sofern Sie doch …

Kurzantwort:

Berufliches Tun und privates Leben sind zwei der zentralen, unsere Existenz tragenden Säulen. Sie stehen separat, sind aber über viele Konstruktionselemente miteinander verbunden: Stürzt eine, wird die andere in Mitleidenschaft gezogen – die ganze bisherige Existenz gerät in Gefahr.

Frage-Nr.: 400
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-05-03

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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