Heiko Mell

Sagen Sie mir mal, was ich eigentlich will

Antwort:

Erfolgreich ist, wer Ziele erreicht. Dabei geht es um vorgegebene (durch Chefs) ebenso wie um selbst gesteckte. Dazu gehören auch persönliche Karriereziele.

Man kann, so lautet ein ehernes Grundgesetz der Unternehmensführung, die Mitarbeiter eines Betriebes nicht „einfach so“ herumwursteln lassen, man muss ihnen sagen, wo es hin- und möglichst auch noch, wo es langgehen soll. Und so werden aus den zentralen unternehmerischen Zielen, die von den Eigentümern und ihren Vertretern gesetzt werden, letztlich Bereichs- und Abteilungsziele, Umsatz- und Ergebnisziele, Kosten- und Terminvorgaben, Qualitätsziele etc. Der Umgang damit bestimmt das tägliche Denken aller internen Institutionen.

Jetzt bewirbt sich jemand bei einer solchen (im Idealfall) wohlgeordneten Organisation. Wie schön, wenn auch der ein Ziel hat wie etwa „Teamleiter im Entwicklungsbereich“. Damit kann der Apparat umgehen. Also prüft er, ob eine solche Position (noch) frei ist. Durch das angegebene Ziel ist klar, wo geprüft werden muss – in der Entwicklung. Dann wird die vom Bewerber gebrachte Qualifikation mit dem Anforderungsprofil der Stelle verglichen, dann wird eine Entscheidung über das weitere Vorgehen in diesem Fall getroffen.

Alles läuft programmgemäß. Oder auch: Der Bewerber hat ein „Zahnrad“ geliefert, das zum grundsätzlichen Aufbau des unternehmensinternen „Getriebes“ passt.

Soweit das Ideal. Nun gibt es aber eine ganze Reihe von Bewerbern, die sich dem geschilderten System zu entziehen suchen: Sie setzen ihrer Bewerbung kein Ziel, sondern breiten nur ihre Qualifikation aus und überlassen es dem Empfänger, eine oder gern auch mehrere mögliche Positionen herauszusuchen. Und diese dem Bewerber einmal – natürlich unverbindlich – anzubieten. Das Unternehmen darf frei entscheiden, ob der Kandidat einen Job anstrebt wie den bisherigen, ob er sich nach seinen fünf Jahren in der Entwicklung nun wohl auch für die Anwendungstechnik begeistern ließe und ob er jetzt hierarchisch aufzusteigen wünscht oder eher nicht.

„Suche eine neue, zu mir und meiner Qualifikation passende Herausforderung und bin für Angebote offen“, so die „gern genommene“ Formulierung, gerade auch von Berufsanfängern und von Initiativbewerbern. Jetzt soll der Bewerbungsempfänger raten, was der Bewerber eventuell wollen könnte, soll sich die Mühe vielschichtigen Nachdenkens machen, sich aufwendig mit seinen Fachabteilungen abstimmen – um dann vermutlich zu hören, so hätte sich der Kandidat das aber nicht vorgestellt, danke nein.

Das läuft so nicht! Ein Zahnrad, das sich um einen Platz in einem komplexen Getriebe bewirbt, muss schon selbst wissen, wo es hinwill und vermutlich auch hinpasst. Auf den dann anstehenden Prüfungsprozess ist das System bestens vorbereitet.

Aber: „Nettes, vielseitig erfahrenes Zahnrad mit weitgespannten Interessen sucht kuscheliges Plätzchen in Ihrem Hochleistungsgetriebe“ – das funktioniert nicht.

Und ein Bewerber, der nun gar nicht weiß, was er will, kann ja fünf verschiedene, jeweils ganz konkret abgegrenzte Ziele ansteuern – aber bei fünf verschiedenen Unternehmen und dann entscheiden. Falls er mehrere Bewerbungsempfänger für sich begeistern konnte.

Kurzantwort:

Erfolgreich ist, wer Ziele erreicht. Dabei geht es um vorgegebene (durch Chefs) ebenso wie um selbst gesteckte. Dazu gehören auch persönliche Karriereziele.

Frage-Nr.: 399
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2012-04-26

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