Heiko Mell

Arbeitgeberwechsel ist (kein) Hochverrat

Antwort:

Wer ein Team führt, freut sich über jedes tüchtige Mitglied. Das gilt für eine kleine Gruppe ebenso wie für eine ganze Firma. Und wenn die Zusammenarbeit länger andauert, gehört der wertvolle Mitarbeiter bald zum Inventar oder fast zur Familie.

Umso größer ist der Schock, den die plötzliche Aufkündigung der Zusammenarbeit vonseiten des Mitarbeiters auslöst. Insbesondere der Vorgesetzte fühlt sich – und reagiert – wie ein Ehepartner, der beim Frühstück unvorbereitet erfährt, dass der andere nicht mehr will. Was schlimm genug ist. Als schlimmer aber wird empfunden, dass der Partner resp. Mitarbeiter nicht nur „hier weg“, sondern auch noch „woanders hin“ strebt, zu einem anderen Chef, der ihm wohl besser gefällt. Bei der Reaktion spielt oft auch gekränkte Eitelkeit mit.

Nach den ersten Schreckskunden fällt dem Vorgesetzten noch etwas anderes ein: Niemand geht von heute auf morgen. Dazu gehören Wochen, wenn nicht Monate der Vorbereitung – vom Schreiben der Bewerbung über Vorstellungsgespräche bis zu detaillierten Vertragsverhandlungen. „Und alles hinter meinem Rücken“ – das steigert die Enttäuschung oder sogar Wut noch.

Wobei sich der Angestellte juristisch völlig und moralisch ziemlich korrekt verhalten hat: So macht man das eben, so löst sich auch der Nachfolger, der jetzt zu suchen ist, von seinem Arbeitgeber (und so ist auch der Vorgesetzte selbst bei seinem letzten Wechsel verfahren). Außerdem enthalten Arbeitsverträge, im Gegensatz zu Heiratsurkunden, Kündigungsfristen, werden also keineswegs auf Lebenszeit geschlossen.

Die Firmengröße und der Status des Chefs spielen eine große Rolle: Inhaber kleiner Firmen in der Provinz sind leichter enttäuscht bis wütend als angestellte Manager in Konzernen. Zur „Entschuldigung“ der Erstgenannten: Sie selbst denken niemals an ein Weggehen – angestellte Geschäftsführer schon eher.

Die Lösung liegt in den Situationsschilderungen weiter oben: „plötzlich“ und „unvorbereitet“ sind die Schlüsselwörter, die es zu vermeiden gilt. Nun kann man Kündigungsabsichten nicht gut vorher hinausposaunen, jedenfalls nicht, bevor der neue Vertrag unterschrieben ist. Aber man kann den Boden vorbereiten für die „Saat“. Wenn der Mitarbeiter merkt, dass die Bewerbungen „gut laufen“, kann er beispielsweise das Gespräch mit dem Chef suchen, nach persönlichen Perspektiven fragen, sich am beruflichen Fortschritt interessiert zeigen. Vorgesetzte wissen genau, was das bedeutet!

Dann lässt sich das spätere Kündigungsgespräch schon viel besser einleiten: „Ich hatte ja Ihnen gegenüber vor einigen Wochen mein Interesse an einer beruflichen Weiterentwicklung geäußert. Nun habe ich gerade ein entsprechendes Angebot bekommen und mich entschlossen, es anzunehmen.“ Wenn der Mitarbeiter dann noch hervorhebt, wie gut es ihm hier gefallen hat, wie viel er lernen durfte und dass er auch nicht weiß, ob er jetzt nicht einen Fehler macht – dann ist eine „sanfte“ Trennung eingeleitet. Zu der dann auch gehört, bis zum letzten Tag mit eher größerem statt kleinerem Elan als bisher die vorliegende Arbeit zu erledigen.

Was hingegen jeden Chef ärgert, ist die unangekündigt am letzten Tag der vertraglichen Frist schriftlich hereinflatternde Kündigung. Aber das kann Ihnen nicht passieren: Gute Mitarbeiter haben auch gute Chefs – und zu denen ein gutes Verhältnis.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 39
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-08-25

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