Heiko Mell

Karrierecheck Nr. 10 / Es ist ein „Spiel“ mit Regeln

Das gesamte berufliche System ist von unvollkommenen Menschen für unvollkommene Menschen gemacht worden. Darin haben sich Regeln herausgebildet, nach denen es – meistens – funktioniert. Aber selbstverständlich bleibt nebenbei viel Raum für Zufälle, Glück + Pech. Unschuldige können „unter die Räder“ kommen, Schuldige immer wieder auf die Füße fallen.Am besten betrachtet man dieses System wie eine Art großes Spiel, etwa wie Monopoly. Nicht immer gewinnt, wer am besten und nicht immer verliert, wer am schlechtesten gespielt hat. Und warum jemand jetzt die Karte „Gehe ins Gefängnis“ bekommt, kann meist nur durch ein Schulterzucken beantwortet werden.

Wer also dieses System wie ein großes Spiel betrachtet, gern spielt, zwar nach dem Gewinnen strebt, aber auch gelegentliche Niederlagen hinnimmt und sich überhaupt die Distanz des Spielers gegenüber dem „Spiel“ bewahrt, kommt am besten damit zurecht. Es geht hier um einen wichtigen Teil des Lebens, aber nicht direkt um das Leben an und für sich. Wie alle Spiele kennt es den Begriff Gerechtigkeit nicht, auch das gehört dazu.

Und doch gilt bei allen Unzulänglichkeiten des Systems: Wenn Sie vierzig Jahre lang täglich „spielen“, dann wird bei der Schlussbilanz deutlich, dass die Fähigkeiten der einzelnen Spieler trotz aller unbeeinflussbaren „Störfaktoren“ doch entscheidende Einflüsse auf das Endergebnis hatten.

Noch etwas ist wichtig: Man darf die Regeln dieses Spiels auch einmal missachten und kann dennoch Tagessieger werden – aber auf Dauer rächen sich Verstöße hier wie andernorts auch.

Das Problem dabei: Während jeder Golf- oder Schachneuling problemlos akzeptiert, dass er vor dem ersten Spiel Regelkenntnisse haben muss, stolpern Berufseinsteiger sehr gern und Berufserfahrene immer noch gern ohne solches Wissen auf dem Spielfeld herum. Und das, obwohl Golf und Schach nur eher unwichtige Hobbys sind, während vom beruflichen Tun die Existenz abhängt. Warum das so ist? Lesen Sie die erste Zeile dieses Beitrags.Um die Regeln dieses speziellen Spiels müssen Sie sich also kümmern. Ich bin in einem früheren Buch auf etwa 300 gekommen, konnte die Anzahl dann in einem späteren („Spielregeln für Beruf und Karriere“, Springer-Verlag) deutlich reduzieren. Aber es sind immer noch zu viele für eine Auflistung an dieser Stelle.

Für ein paar Beispiele ist jedoch Raum:

  •  Einen Job zu haben, ist nur ein halber Sieg. Sie brauchen die Gewissheit, jederzeit auf dem Markt Ersatz dafür erringen zu können.
  •  Große Arbeitgeber im Lebenslauf imponieren kleineren – nicht umgekehrt. Also läuft ein typischer Berufsweg in der Firmengröße „von oben nach unten“.
  •  Erfolge zählen, nicht Begründungen für Misserfolge.
  •  Wer viel verdienen will, muss aufsteigen.
  •  Sie brauchen einen „roten Faden“ im Lebenslauf (Unternehmenstyp, Branche, Tätigkeit), es gibt kaum Jobs für Leute, die „alles“ gemacht haben.
  •  Werden Sie möglichst nicht arbeitslos (alle Bewerbungsregeln sind für Arbeitnehmer in ungekündigtem Arbeitsverhältnis gemacht).
  •  Ein Kampf mit dem Chef ist nicht zu gewinnen.
  •  Stab macht Spaß, aber Karriere macht man in der Linie.
  •  Gutes über andere will der Mensch bewiesen sehen, Schlechtes glaubt er sofort (Zeugnisse).

 

Kurzantwort:

Das gesamte berufliche System ist von unvollkommenen Menschen für unvollkommene Menschen gemacht worden. Darin haben sich Regeln herausgebildet, nach denen es – meistens – funktioniert. Aber selbstverständlich bleibt nebenbei viel Raum für Zufälle, Glück + Pech. Unschuldige können „unter die Räder“ kommen, Schuldige immer wieder auf die Füße fallen.

Frage-Nr.: 389
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 41
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-10-14

Von Heiko Mell

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