Heiko Mell

Karrierecheck Nr. 9 / Interessantes tun oder sein

Es ist schon verzwickt: Sie werden durch das Studium dazu erzogen, sich mit ganzem Herzen und voller Energie irgendwelchen Sachaufgaben zu widmen. Das wiederum geht nur, wenn Sie diese interessant finden. Nach dem Studium drängt es Sie also verständlicherweise, nicht nur etwas, sondern bitte etwas möglichst Interessantes tun zu wollen.

Und dann kommen Sie in ein System hinein, das für alles, was dort wirklich als wichtig eingestuft wird, einen ganz simplen Indikator hat, das Geld. Schnell sieht man, dass ein Abteilungsleiter, der meist gar nicht mehr selbst konstruiert, deutlich mehr verdient als der Beste seiner Konstrukteure. Daraus darf man spontan auf den höheren Stellenwert im System schließen. Das ist das eine Beispiel. Ein anderes geht so:

Wenn Sie Gelegenheit hätten, etwa einen Erzbischof, den Vorstandsvorsitzenden eines Konzerns oder den Ministerpräsidenten eines Landes privat kennenzulernen, dann wären Sie vielleicht beeindruckt von seinem Amt und/oder seiner Persönlichkeit, plauderten gern mit ihm über irgendwelche Fragen und könnten eines Tages noch Ihren Enkelkindern davon erzählen. Überlegen Sie jetzt einmal, welche Gesprächsthemen Sie wählen würden. Die Erfahrung zeigt (und das gilt so für alle drei Amtsinhaber), dass Sie vielleicht mit dem Erzbischof über Missbrauchsfälle in der Kirche oder die letzte Papstwahl oder ein spezielles Sachthema sprechen, aber eine eigentlich auf der Hand liegende Frage niemals stellen würden: „Was, Eminenz, tut eigentlich so ein Erzbischof den lieben langen Tag?“ Verblüffend: Niemand weiß das – aber auch niemand will das wissen.

Denn: Der Mann IST etwas, das ist das Entscheidende, damit spielt sein tägliches Tun keine Rolle mehr. Das „Sein“ steht über dem Tun. Einen einfachen Priester, der in diesem Sinne noch „nichts (geworden) ist“, würde man nach seiner Arbeit fragen. Wie gesagt, das gilt für die beiden anderen Spitzenmanager ebenso.

Aus all dem und ebenso aus der allgemeinen Analyse von hierarchischen Strukturen lässt sich ableiten:
Wer in höhere Funktionen des hierarchischen Systems aufsteigen will, muss darauf achten, jeweils etwas Interessantes zu sein oder zu werden. Jeweils etwas Interessantes im Sinne höchsten fachlichen Anspruchs tun zu wollen, kann dabei nur ein leicht das Hauptziel gefährdendes Nebenziel sein. Als Hilfsüberlegung: Wer die richtige Einstellung hat, findet alles interessant genug, was er tun muss, um etwas zu werden.Um diese Betrachtung auf die Spitze zu treiben: Achten Sie nicht nur darauf, dass Ihr Job jederzeit interessante Aufgaben bietet (moderner Sprachgebrauch „spannende“), denn der Weg ist nur Mittel zum Zweck (damit muss er nicht zwangsläufig langweilig sein).

Und da man nur selten zwei völlig beziehungslos nebeneinander stehende Ziele gleichzeitig verfolgen kann, gilt sogar:
Sie tun entweder etwas Interessantes oder Sie werden etwas Interessantes, aber selten beides gleichzeitig und gleichermaßen. Es gilt, Prioritäten zu setzen.

Damit kein Missverständnis entsteht: Sie müssen nicht so handeln und auch nicht so denken. Aber Sie sollten wissen, wie das System aufgebaut ist, in und von dem Sie leben.

Und vergessen Sie nicht: Etwas Interessantes geworden zu sein, wird besser bezahlt als etwas noch so „Spannendes“ zu tun.

 

Kurzantwort:

Es ist schon verzwickt: Sie werden durch das Studium dazu erzogen, sich mit ganzem Herzen und voller Energie irgendwelchen Sachaufgaben zu widmen. Das wiederum geht nur, wenn Sie diese interessant finden. Nach dem Studium drängt es Sie also verständlicherweise, nicht nur etwas, sondern bitte etwas möglichst Interessantes tun zu wollen.

Frage-Nr.: 388
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-10-07

Von Heiko Mell

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