Heiko Mell

Karrierecheck Nr. 5 / Ein guter Mitarbeiter ist jemand, …

Antwort:

In einer Marktwirtschaft gilt es, den zahlenden Kunden zufriedenzustellen. Er entscheidet, ob ein Produkt Umsatzrenner oder Ladenhüter wird. Ein Erzeugnis oder eine angebotene Dienstleistung, die vom Kunden nicht gewollt, akzeptiert, gekauft wird, ist niemals „gut“ in der allgemeinen Beurteilung. „Wir produzieren ein gutes Auto, es will nur niemand kaufen“, wird als pauschales Werturteil nicht anerkannt. Es ist zwar möglich, dass dieses Produkt in Spezialbereichen „gut“ ist – z. B. technisch – aber nicht im Sinne eines Instruments zur Erreichung der Unternehmensziele. Es ist also nicht gut in umfassender Bedeutung.

Der Begriff „Arbeitsmarkt“ unterstreicht, dass auch der Angestellte innerhalb dieser Marktwirtschaft operiert. Er bietet seine Arbeitskraft an, die ein „Kunde“ für Geld „kauft“ – für die ein Arbeitgeber Gehalt zahlt. Und schon gilt wie oben: Diese Arbeitskraft kann in der allgemeinen Beurteilung nicht „gut“ sein, wenn der zahlende Arbeitgeber sie nicht so einschätzt, wenn er diese Arbeitskraft nicht (mehr) will, nicht akzeptiert, nicht (länger) bezahlen mag.Vereinfacht und einprägsam gesagt: Ein guter Mitarbeiter ist jemand, den sein Chef dafür hält.

Dieses „Halten“ unterstreicht den – wie bei anderen zahlenden Kunden auch – subjektiven Charakter des Arbeitgeberurteils. Wie jeder Käufer entscheidet der Chef (als Vertreter des Arbeitgebers) nach seinen individuellen Maßstäben, ob er mit dem „Angebot“ des Mitarbeiters, mit dessen Leistung und Person zufrieden ist. Ist dies der Fall, vergibt er das Urteil „gut“ (oder besser), das entscheidenden Einfluss auf Existenzsicherung, Gehaltserhöhung, Beförderung, Zuteilung verantwortungsvoller Aufgaben und Zeugnisformulierungen hat.

Der Chef übrigens denkt stets, dass er ein nur von sachlichen Gegebenheiten diktiertes, rein objektives Urteil fällt. Er fordert, der Mitarbeiter müsse „einfach gut“ sein (und was darunter falle, sei doch allgemein bekannt). In Wirklichkeit geht es darum, dass dieser Vorgesetzte mit all seinen Fähigkeiten und Fehlern dazu kommen muss, den Mitarbeiter für gut zu halten – wenn er falsch urteilt, dann muss er ihn eben nach seinen falschen Maßstäben als gut einstufen. Das gehört zum „Berufsrisiko“ des Mitarbeiters.

Zwei Aspekte sind dabei wichtig:

1. Es gibt praktisch keine Institution, bei der ein Mitarbeiter einfordern kann, doch noch als „gut“ anerkannt zu werden, wenn es ihm nicht gelingt, wenigstens die Mehrheit seiner Chefs in 40 Berufsjahren dazu zu bringen, ihn für „gut oder besser“ zu halten. In einer Marktwirtschaft urteilt der zahlende Kunde über angebotene Produkte und Leistungen souverän. Formal gibt es natürlich Gesetze, Beschwerdemöglichkeiten und Arbeitsgerichte. Aber unter Berufung darauf eine Karriere aufbauen zu wollen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen.

2. Der oft zu hörende Vorwurf, dieses Prinzip (der Chef muss Mitarbeiter für gut „halten“) fördere Duckmäusertum und Jasager-Mentalität, geht ins Leere. Der moderne Chef will, so die Theorie, fähige, selbstbewusste, eine eigene Meinung vertretende Mitarbeiter – und würde weder Duckmäuser noch Jasager je für „gut“ halten. Falls er doch würde, muss man ihn auf dem Arbeitsmarkt gegen einen anderen Chef austauschen. Sofern der eigene Lebenslauf das zulässt.

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Kurzantwort:

In einer Marktwirtschaft gilt es, den zahlenden Kunden zufriedenzustellen. Er entscheidet, ob ein Produkt Umsatzrenner oder Ladenhüter wird. Ein Erzeugnis oder eine angebotene Dienstleistung, die vom Kunden nicht gewollt, akzeptiert, gekauft wird, ist niemals „gut“ in der allgemeinen Beurteilung.

„Wir produzieren ein gutes Auto, es will nur niemand kaufen“, wird als pauschales Werturteil nicht anerkannt. Es ist zwar möglich, dass dieses Produkt in Spezialbereichen „gut“ ist – z. B. technisch – aber nicht im Sinne eines Instruments zur Erreichung der Unternehmensziele. Es ist also nicht gut in umfassender Bedeutung.

Frage-Nr.: 384
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 36
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-09-09

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