Heiko Mell

Karrierecheck Nr. 3

Antwort:

Der Berufseinstieg prägt:

Stärker noch als die Festlegung der Studienrichtung hat der Berufseinstieg prägenden Charakter für einen großen Teil des Berufslebens.

Hinzu kommt: Der Student bekommt auf vieles, das er vor dem Studium und bis zum Examen „anstellt“, in den Augen der späteren Bewerbungsempfänger eine Art „Rabatt“. Man toleriert im Hinblick auf Jugend und geringe Lebenserfahrung manche Regelüberschreitungen. Für alles, was nach dem Examen kommt, gilt diese Toleranz nur noch sehr bedingt – jetzt trifft ein gut und fertig ausgebildeter Akademiker, der heute Zugang zu allen denkbaren Informationen hat, bewusste, überlegte Entscheidungen (so die Theorie).

Pauschal gilt: Bestimmte Aspekte der ersten Anstellung wie

  •  Unternehmensart und -größe (z. B. amerikanischer Konzern oder deutscher Mittelstands-Privatbetrieb),
  •  Branche (z. B. Anlagenbau, Automobiltechnik, Ingenieurbüro),
  •  Tätigkeitsbereich (z. B. Entwicklung, Fertigung, Software-Erstellung) wirken richtungweisend für weite Teile des restlichen Berufswegs.

Erfolgt nach einigen Jahren ein Arbeitgeberwechsel, so ist die größte Akzeptanz am Arbeitsmarkt dann gegeben, wenn jene drei Kriterien bei der angestrebten neuen Position ähnlich gelagert sind. Allein dadurch findet eine im Laufe der Zeit immer stärkere Fixierung auf entsprechend geprägte Jobs statt.

Jeder dieser Aspekte kann im Laufe des Berufsweges noch korrigiert werden – aber Korrekturen bedeuten Umwege, kosten Kraft, verschlingen Zeit und reduzieren Karrierechancen.

Beispiel: Nach etwa fünf erfolgreichen Jahren als Entwicklungsingenieur bei einem mittelständischen deutschen Maschinenbauunternehmen hat ein begabter, qualifizierter Kandidat gute Chancen, bei einem anderen Unternehmen dieses Typs Gruppenleiter Entwicklung zu werden. Will er zu diesem Zeitpunkt aber in die Fertigung eines amerikanischen Automobilkonzerns wechseln, fängt er dort „ganz neu und fast ganz unten“ wieder an – und kann frühestens nach einigen Jahren auf eine erste Beförderung hoffen.

Welche Art von Tätigkeit, welche Branche und welcher Unternehmenstyp sich letztlich als passend erweisen, hängt von der eigenen Persönlichkeit ab. Daher muss z. B. das Studium genutzt werden, um so viel wie möglich über eigene Stärken, Schwächen, Vorlieben und Abneigungen herauszufinden. Eine besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang haben Praktika oder Lehrausbildungen. Fast ebenso hilfreich wie das Herausfinden der Idealrichtung ist die Erkenntnis, welche Art von Unternehmen, Branche oder Tätigkeit nicht infrage kommen.

Im anzustrebenden Idealfall liegt die Einstiegsposition genau auf dem Weg, den die Zielsetzung (Karrierecheck Nr. 1) vorgab. Passen diese wichtigen Schritte nicht zusammen, bleibt noch eine Anpassung der Zielsetzung an die durch den Einstieg geschaffenen Fakten (Karrierecheck Nr. 2).

Achtung: Die Details dieser ersten Position tragen Sie berufslebenslang mit sich herum (Lebenslauf, Zeugnis); bei der Zielsetzung, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, haben Sie deutlich mehr Freiraum.

Nach zwei bis drei Jahren in der ersten Position sollten Sie also eine klare berufliche Zielsetzung haben und eine Einstiegsposition, die dazu passt.Diskutieren Sie mit Heiko Mell über diesen Beitrag in unserem Netzwerk ingenieur.de

In eigener Sache:

Ich sehe immer wieder Erschreckendes in meiner täglichen Praxis. Und ich weiß um die Schwierigkeiten vieler Leser, aus dargestellten (fremden) Einzelfällen allgemeingültige, auch sie betreffende Aussagen herauszufiltern und umzusetzen.

Also habe ich mich entschlossen, hier in loser Folge die wichtigsten Grundsätze zum Aufbau und zur erfolgreichen Fortführung einer beruflichen Laufbahn einzeln und so einfach wie möglich darzustellen. Geplant sind zehn Beiträge, die jeweils unter der Rubrikbezeichnung „Berufswegplanung“ mit der Überschrift „Karrierecheck Nr. …“ erscheinen. Wie der Begriff „Check“ bereits sagt, haben Sie damit jeweils die Möglichkeit, Ihren eigenen geplanten oder bisherigen Weg zu überprüfen und ggf. Korrekturen einzuleiten.

Und was die Einhaltung von Regeln angeht: Ein Autofahrer kann, jede Regel in dieser Frage missachtend, im dichtesten Nebel mit Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn fahren, dabei keinen Unfall haben und so einen wichtigen Termin wahrnehmen. Aber soll man das anderen zur Nachahmung empfehlen?

VDI nachrichten Nr. 30, 29.7.2011

Kurzantwort:

Der Berufseinstieg prägt

Stärker noch als die Festlegung der Studienrichtung hat der Berufseinstieg prägenden Charakter für einen großen Teil des Berufslebens.

Frage-Nr.: 382
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 33
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-08-19

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