Heiko Mell

Karrierecheck Nr. 1: Zielsetzung

Ein Bergsteiger kann, wenn er ohne vorherige Zielsetzung „steigt“, nur dem Zufall oder seinen wechselnden Intuitionen folgend, schließlich „irgendwo“ ankommen. Sogar dann, wenn er jeweils einfach dem interessantesten Weg folgt und abwartet, wo der ihn hinführt. Aber es ist unwahrscheinlich, dass er auf diese Weise eindrucksvolle Erfolge erzielt, sich einen Ruf unter Bergsteigern erwirbt oder jemals eine eindrucksvolle Gipfelbilanz erarbeitet. Allenfalls kann er auf viele reizvolle „Spaziergänge“ verweisen.

Wer sich vorrangig auf „interessante Wege“ konzentriert, verliert jedes Ziel aus den Augen; wer jedoch ein Ziel konsequent verfolgt, für den ist der Weg nur Mittel zum Zweck, ggf. nur notwendiges Übel. „Der Weg ist das Ziel“ passt nicht zu einer erfolgsorientierten Laufbahnplanung – die Bevorzugung des Weges gegenüber dem Ziel kann leicht ins Nichts führen. Und: Erfolgreiche Gipfelstürmer (auch wenn es zunächst kleine Gipfel sind) vermarkten sich besser (Arbeitsmarkt) als allzu wankelmütige „Spaziergänger“.

Eine erfolgreiche Laufbahngestaltung ist nicht ohne berufliche Zielsetzung denkbar. Auf „Leiter Entwicklung im Mittelstand“ als Ziel kann ich meinen Weg konsequent ausrichten – und man kann mir in jeder Phase die Frage beantworten: Bin ich auf dem richtigen Weg? Ohne Ziel gibt es auf diese entscheidende Frage keine Antwort.

Die berufliche Zielsetzung (was genau will ich beim Stellen des Rentenantrags erreicht haben) kann und muss in kürzeren Abständen überarbeitet (fortgeschrieben) werden. Technische und gesellschaftliche Veränderungen, neu entstandene und längst „gestorbene“ Laufbahnen sowie Veränderungen der eigenen Persönlichkeit, gewandelte Maßstäbe und z. B. der eventuell neu hinzugekommene Partner machen das unausweichlich. Die Neuplanung muss auf die bereits vorliegende berufliche Basis Rücksicht nehmen, damit sich stets ein geschlossenes Gesamtbild ergibt. Natürlich erreicht kaum jemand alle Ziele. Aber man muss vieles wollen, um einiges zu erringen.

In jedem Fall ist also vor Berufseintritt und in jeder Phase danach eine sorgfältige Zielsetzung durchzuführen. Sie schützt übrigens auch davor, plötzlich am Wegesrand auftauchenden Versuchungen nachzugeben.

Ein „zielloses Vorgehen“, auch eines auf „spannenden Wegen“, passt nicht zum (künftigen) Manager. Denn: Kein Unternehmen produziert heute solche Produkte, deren Fertigung ihm die meiste Freude bereitet, sondern jene, mit denen sich die jeweiligen Ziele am besten erreichen lassen. Und in solch ein Unternehmen soll der Mitarbeiter ja optimal hineinpassen. Das fordert von ihm ein Denken in ähnlichen Strukturen.

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Frage-Nr.: 381
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-07-29

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