Heiko Mell

Schlechtes Examen wegen strenger Uni?

Antwort:

So stark wie in anderen Ländern schlägt der Name Ihrer Hochschule hier in keinem Fall durch. Sehr häufig spielt er überhaupt keine Rolle – und falls doch, dann weniger mit allgemeiner Gültigkeit. Immerhin könnte der zufällig zuständige Entscheidungsträger sich eine persönliche Rangliste der Hochschulen gebildet haben – und selbst dann wäre noch zu prüfen, ob die zentrale Ursache nicht darin zu sehen ist, dass er selbst früher an seiner „Nr. 1“ studiert hat oder dass seine Kinder es heute tun. Nein, vor allem nach einigen Jahren Berufserfahrung gilt fast nur noch, dass Sie Ingenieur eines bestimmten Typs sind und was Sie seit dem Examen gemacht haben.

Nur die Examensnote bleibt Ihnen berufslebenslang als Einzelkriterium erhalten. Mit abnehmender Bedeutung zwar, aber immerhin. Wenn man in einem Vorstellungsgespräch Ihren Lebenslauf mit Ihnen durchgeht, dann stolpert man immer wieder über die Abitur- (oder sonstige Schulabschluss-) und die Examensnote.

Liegen die nicht nur in etwa auf einer Linie, sondern beide auch noch im „guten“ Bereich, ist ja alles in Ordnung. Sind beide Noten eher „befriedigend“, ergeben sich auch kaum Fragen. Es gibt eben „Einser-, Zweier- oder Dreierleute“, bei den meisten davon stimmen Abitur und Uni-Examen mit höchstens 0,5 Noten Abweichung weitgehend überein. Keiner davon ist ein besserer Mensch als die anderen, aus allen Gruppen sind schon Vorstandsmitglieder rekrutiert worden.

Schwierig wird Ihre Situation, wenn Sie unglücklicherweise ein Abitur von 1,4 mit einem Examen von 2,8 kombinieren oder glauben, sich unabhängig vom Abiturergebnis für ein befriedigendes Examen allgemein rechtfertigen zu müssen. Und wenn Ihnen dann nur die Erklärung mit Ihrer extrem hart benotenden Uni einfällt. Sei es, dass diese Erklärung immer gelten soll oder nur für jene Fachrichtung, jenen Jahrgang oder jenen Professor – sie überzeugt nicht!

Einmal haben wir es in diesem Lande nicht so mit allseits als solche anerkannten „harten Unis“. Dann sind wir ein freies Land mit der Möglichkeit, zumindest im späteren Verlauf des Studiums an eine Hochschule der eigenen Wahl zu wechseln (wer an einer „harten“ bleibt, wollte es so). Vor allem aber wird hier ein Prinzip auf den Kopf gestellt. Das nun lautet so:“Gute“ Leistungen werden eventuell zusätzlich „geadelt“, wenn die Uni den Ruf haben sollte, besonders hart zu urteilen bzw. besonders hohe Ansprüche zu stellen. Schwächere Ergebnisse hingegen bleiben erst einmal schwächere Ergebnisse, der Hinweis auf die anspruchsvollere Uni gilt als Ausrede. Wer also eine angeblich härter urteilende Uni betritt, sollte sich stark genug fühlen, dennoch Ergebnisse nach seinem Anspruch zu erreichen – oder er sollte zu seiner schwächeren Note stehen, sie als Leistungsbilanz zu jenem Zeitpunkt anerkennen (und versuchen, in der folgenden Praxis durch doppeltes Engagement die Scharte wieder auszuwetzen).

Kurzantwort:

So stark wie in anderen Ländern schlägt der Name Ihrer Hochschule hier in keinem Fall durch. Sehr häufig spielt er überhaupt keine Rolle – und falls doch, dann weniger mit allgemeiner Gültigkeit. Immerhin könnte der zufällig zuständige Entscheidungsträger sich eine persönliche Rangliste der Hochschulen gebildet haben – und selbst dann wäre noch zu prüfen, ob die zentrale Ursache nicht darin zu sehen ist, dass er selbst früher an seiner „Nr. 1“ studiert hat oder dass seine Kinder es heute tun. Nein, vor allem nach einigen Jahren Berufserfahrung gilt fast nur noch, dass Sie Ingenieur eines bestimmten Typs sind und was Sie seit dem Examen gemacht haben.

Frage-Nr.: 377
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 12
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-03-24

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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