Heiko Mell

Fehler einräumen, heißt glaubwürdig sein

Antwort:

„Es irrt der Mensch, solang er strebt“, legt Goethe Gott in den Mund. Wer ein wenig erfahren und ansatzweise selbstkritisch ist, erkennt die Weisheit dahinter: Fehler sind unvermeidlich.Ausnahmen gibt es nur, wenn der Mensch sich bewirbt und im Gespräch sein beruflich relevantes Leben erläutert. Da mag noch so viel Chaos entstanden sein – teils lag es an den Umständen, teils an den Unzulänglichkeiten anderer Leute. Aber selbst Fehler gemacht zu haben? Davon kann absolut keine Rede sein!

Es gibt vieles, was dagegen spricht:

a) Die Lebenserfahrung. Niemand macht nie etwas falsch; das gilt für alle Berufe und Lebensbereiche, es zu leugnen beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit. Aber genau die steht auf dem Prüfstand.

b) Die Logik des Systems: Niederlagen müssen Ursachen haben. Und der Manager (auch der künftige) muss schon deshalb daraus lernen, um Wiederholungen zu vermeiden und künftig – auch im Interesse des potenziellen Arbeitgebers – klüger und vor allem erfolgreicher zu operieren. Mit einer schweren, durch den Lebenslauf dokumentierten Niederlage im Gespräch konfrontiert zu werden, aber keinen eigenen Fehler erkennen zu wollen, heißt: „Ich würde alles noch einmal so machen“ – was für eine Empfehlung gibt sich der Bewerber wohl damit?

Ein wiederbelebter Napoleon, der erklärte, er würde die – 1815 verlorene – Schlacht von Waterloo wieder genau so schlagen, da er keine Fehler gemacht hätte, würde nur Kopfschütteln hervorrufen.

c) Der eine oder andere eingestandene Fehler schmückt also ganz allgemein. Und wieder zieht das oft verwendete Beispiel mit dem Salz in der Suppe: die Prise würzt, von im Übermaß gegebener Zutat wird abgeraten („Mein Leben ist eine einzige Kette von Fehlern“).

d) Es gibt Unterschiede in der Art und Menge der Fehler, die dem Kandidaten in den einzelnen Lebensbereichen zugestanden werden. Mit steigendem Alter und gestiegener Hierarchieebene sollte die Fehlerquote eher ab- als zunehmen.

So darf der Schüler Gravierendes falsch gemacht haben – und sei es die ganze erste Studienwahl. Der Student hat ebenfalls noch viele Möglichkeiten, Fehler einzugestehen, ohne Schaden an seinem Marktwert zu nehmen. Der fertige Akademiker und Berufseinsteiger darf sich das falsche Unternehmen oder die falsche Tätigkeit für den Start ausgewählt haben, der Kandidat mit erster Praxis dürfte später durchaus noch zugeben, seinen ersten Arbeitgeber aus zu großer Ungeduld zu früh verlassen zu haben.

Mit steigendem Aufstieg in der Hierarchie werden die Chancen geringer, durch das Eingestehen wirklicher Fehler mehr zu punkten als einzubüßen: Der Manager ist auf vielen Gebieten gefordert, der Fehler von gestern ist nur zu leicht die Schwäche von morgen, fast alles ist irgendwie in der Zukunft relevant. Da empfiehlt sich dann doch schon der taktisch durchdachte „Fehler“ – der im potenziellen neuen Umfeld keine Rolle spielen wird („Ich hatte die Integrationsprobleme meiner großstadtorientierten Familie im ländlichen Schwaben unterschätzt“ – sagt er anlässlich einer Bewerbung in Berlin; bei einer Bewerbung im bayerischen Wald wäre die Aussage halt eine andere).

Und Napoleon? Der wäre zur Größe verpflichtet, auch hier. Etwa so: „Ich hätte Russland nicht in der Weite seines Landes angreifen sollen: keine Flucht aus Moskau, keine Beresina, keine Völkerschlacht bei Leipzig, kein Waterloo.“ Aber wer bin ich, ihm Vorgaben zu machen.

Kurzantwort:

„Es irrt der Mensch, solang er strebt“, legt Goethe Gott in den Mund. Wer ein wenig erfahren und ansatzweise selbstkritisch ist, erkennt die Weisheit dahinter: Fehler sind unvermeidlich.

Frage-Nr.: 358
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 22
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-06-04

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