Heiko Mell

Von vergeudeten Talenten

Antwort:

Kann das wahre Talent eines Menschen, der sich fachlich mit eher durchschnittlichem Erfolg im Gebiet A tummelt, in Wirklichkeit in B oder C liegen? Und könnte er dort tatsächlich Großes leisten? Es kann und er könnte, es gibt Beispiele dafür.

Das betrifft den Studenten, der am Ende seines Studiums merkt, dass er die falsche Richtung oder auch nur Vertiefung gewählt hat ebenso wie den berufserfahrenen Akademiker, dessen Lebenslauf eine Fixierung auf eine weder neigungs- noch begabungsgerechte Richtung ausweist. Sie alle gehören zu einer von zwei Gruppen:

Die einen können nur ihr diffuses Unbehagen an ihrem heutigen Status äußern und geben an, sie würden „eigentlich gern etwas ganz anderes tun“. Ihnen ist mit gängigen Mitteln nicht zu helfen; zu wissen, was man konkret will, gilt als „Mindestbringschuld“, die der Mensch dem Leben gegenüber hat.

Die anderen nun wissen ziemlich genau, was sie stattdessen tun oder sein würden, sie haben sich intensiv mit ihrem Ziel beschäftigt, haben so gut es ging, ihre Fähigkeiten geprüft und sich mit den Anforderungen des neuen Weges auseinandergesetzt. Sie sind, vergessen wir das niemals, für ihre „alte“ Laufbahn verloren – nie wird der Mensch gut machen, was er ungern tut, vor allem, wenn da ein völlig anderes Ziel klar vor ihm steht. Es bleibt tatsächlich nur der Wechsel.Allein, wir lassen genau den nicht zu. Wir denken in Standards und Rastern, suchen rote Fäden, verlangen zwingend zum Abschluss passende Studienfächer sowie einschlägige Praxis – und sind gefangen in einem Korsett, das uns zu Entscheidungen zwingt, die vor allem vernünftig sowie für uns auch dann ziemlich karriereunschädlich sind, wenn dabei etwas schief geht (während wir bei einer Entscheidung für jene Quer- oder Seiteneinsteiger, für Neustarter oder Fachwechsler im Misserfolgsfall hören würden „Wie konnten Sie bloß“ – was nicht gut wäre für unsere eigene Karriere).

Natürlich darf man die mit der Einstellung eines Seiteneinsteigers verbundenen Probleme nicht unterschätzen. Fehlende Fachqualifikation steht dabei noch nicht einmal an erster Stelle -fast alles ist lernbar, auch die heutigen Spezialisten waren einmal Anfänger, und persönliches Engagement in Verbindung mit dem Willen, sich unbedingt bewähren zu wollen, deckt manche Anfangslücke zu. Zu nennen bei den Problemen ist jedoch vorrangig der fehlende Beweis, dass die neue – unerprobte – Richtung auch tatsächlich die endgültig richtige ist. Dann kommt bei berufserfahrenen Kandidaten noch die Gehaltsfrage hinzu – der neu startende Mitarbeiter wird zu Abstrichen bereit sein müssen, diese sind ein ganz eigenes Problem.

Dennoch gehe ich davon aus, dass wir mit der ablehnenden Haltung heute Potenzial vergeuden: In seiner bisherigen, nun ungeliebten Umgebung fällt der Kandidat als Leistungsträger aus, in der neuen, angestrebten Richtung würde er sich mit einem Eifer einbringen, von dem wir sonst nur träumen. Und durchaus nicht jeder Job fordert lebenslang erworbene Spezialkenntnisse, mit ein paar Wochen, ggf. Monaten Einarbeitung ist oft ein überaus tüchtiger, für die Chance dankbarer Mitarbeiter (auch Manager!) zu gewinnen.

Wer also als Entscheidungsträger so souverän ist, dass er in der Hoffnung auf ein positives Resultat auch einige Risiken eingehen kann, sollte für Seiteneinsteiger zumindest gedanklich offen sein. Gerade der Mittelständler, der bei vielen Besetzungsfällen mit dem Großbetrieb nicht konkurrieren kann, ist hier gefordert, Flexibilität zu zeigen und so dem Konzern etwas voraus zu haben.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 357
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-05-14

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