Heiko Mell

„Schweigend ins Gespräch vertieft“

Antwort:

Bewerber sammeln, so berichten sie, höchst unterschiedliche Erfahrungen in Vorstellungsgesprächen. Was nicht grundsätzlich überrascht, aber mitunter doch im Detail.

Zu dem, was sie am meisten irritiert, gehören dabei nicht jene Arbeitgebervertreter, die viel oder Bohrendes fragen – darauf ist man offensichtlich gefasst. Nein, die größte Überraschung rufen Partner hervor, die – gar nichts fragen.

Nun gehen die sechzig oder neunzig Minuten nicht etwa mit beidseitigem Schweigen herum. Obwohl vom großen alten Mann der SPD, Herbert Wehner, berichtet wurde, er hätte den Kandidaten für eine Fraktionsgeschäftsführung zwei Stunden lang konsequent angeschwiegen – und dies als Test dafür gewertet, ob der Kandidat dem anstrengenden Tagesgeschäft gewachsen wäre (soweit ich mich erinnere, hat der Kandidat bestanden, wurde eingestellt – und man war später nicht so glücklich mit ihm).

In den hier angesprochenen Wirtschaftsunternehmen nun haben wir es mit einer völlig entgegengesetzt gelagerten Situation zu tun: Der Bewerber muss schweigen und kann nicht antworten – weil der potenzielle Chef ununterbrochen selbst redet. Sich darstellt und die Firma und seine Leistungen und Erfolge und Vorkommnisse aus der Kindheit und der frühen Jugend (und was man halt so erzählt). Wenn dann die Zeit ganz plötzlich und viel zu schnell vorbei ist, hat der völlig frustrierte Kandidat so gut wie gar nichts von dem anbringen können, was er vorbereitet hatte. Der potenzielle Chef hingegen gibt sich völlig entspannt sowie gut gelaunt und erklärt mehrfach, dies sei ein gutes Gespräch gewesen und er könne sich eine Zusammenarbeit absolut vorstellen.

„Wollte der mich auf den Arm nehmen? War das ein Test, hätte ich den Mann mit Gewalt unterbrechen sollen? Habe ich irgendetwas falsch gemacht?“ Der Bewerber versteht die Welt nicht mehr.

Was hat sich abgespielt? Zur Verblüffung des Bewerbers genau das, was der potenzielle Chef gesagt hat. Endlich hört ihm jemand gebannt und widerspruchslos zu und macht dabei auch noch einen interessierten Eindruck. So verständnisvoll, wie der die ganze Zeit geschaut hat – das muss ein guter Kandidat sein. Die Fakten kennt man aus den Unterlagen, was also soll’s.

Und der Bewerber? Prüfung bestanden, Vorbereitung darauf war zwar überflüssig, hat aber doch beruhigt. Und er hat doch einen sehr intensiven Eindruck vom künftigen Chef bekommen – der ihm dankbar ist für die Gelegenheit zur erschöpfenden Selbstdarstellung.

Der Bewerber wollte doch „siegen“. Nun hat er. Bloß nicht an Kleinigkeiten herummäkeln. Manche Chefs sind halt so. Lösung: selber Chef werden, besser machen.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 35
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 30
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-07-28

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