Heiko Mell

Extern entscheidet die Verpackung, intern der Inhalt

Antwort:

Ich verstehe nicht besonders viel von der darstellenden Kunst in Kino und Theater. Aber ein Grundprinzip ist auch mir klar: Wenn der Vorhang aufgeht und das Spiel auf den Brettern oder der Leinwand beginnt, dann hilft es schon viel, wenn der Darsteller wenigstens so aussieht, wie man das von dieser Figur im Stück erwartet, gelegentliche Überraschungseffekte inbegriffen.

Aber wer den Jung-Siegfried aus der Nibelungensage gibt, sollte besser groß, jung, breitschultrig und vielleicht auch noch blond sein, er hat es dann leichter, vom kritischen Publikum akzeptiert zu werden.

Nun kann man im Theater mit Schminke und Kostüm eine Menge tun – beim ähnlichen Prinzipien unterliegenden Vorstellungsgespräch im Rahmen externer Bewerbungen geht das leider nicht.

Also ist es dort wichtig, so weit wie möglich schon ungeschminkt der Rolle zu entsprechen, die man „spielen“ möchte. Ganz entscheidend ist der erste Eindruck. Jeder Fachmann weiß um dessen Gefährlichkeit – aber alle werden davon beeinflusst. Wenn ein Produktionsleiter für 400 unterstellte Mitarbeiter gesucht wird und zur Tür herein kommt eine zierliche Person mit zartgliedrigem Knochenbau, die so aussieht, als würde sie gleich aus einem Bändchen moderner Lyrik zitieren – dann hat sie schlechte Karten. Das gilt für andere Jobs entsprechend, manche sind in der Beziehung neutraler. Bei Managementpositionen gibt es stets eine Grunderwartung in Richtung „Über-/Weitblick, Erkennen des Wesentlichen, Motivationskraft, Durchsetzungsstärke“.

Zwar habe auch ich schon Berichte über Kandidaten geschrieben, in denen ich am Schluss zu einem Urteil kam, das entgegengesetzt zum ersten Eindruck war, aber das geschieht relativ selten – und ich bin Profi, nach allen Seiten offen, im Fall nicht emotional engagiert.

Völlig anders sieht das bei internen Bewerbungen aus. Dort kennt man die Person, die Leistungsstärke wird aus internen Urteilen persönlich bekannter(!) Führungskräfte deutlich, oft hat der künftige Chef sogar schon mit dem Kandidaten gearbeitet – und weiß, dass der jetzt keine Lyrik zitiert, auch wenn er so aussehen mag.

Im Grunde ist es das alte Lied: Wer fremde „Kunden“ (Bewerbungsempfänger) für sich begeistern will, muss sich gut „verkaufen“ können. Wer dagegen Grund zur Annahme hat, seine Fähigkeiten seien deutlich größer als der erste Eindruck im Vorstellungsgespräch, versuche es vorzugsweise intern – oder wechsele bevorzugt 1:1 und suche dann mittelfristig beim neuen Arbeitgeber den erstrebten Fortschritt/Aufstieg.

Kurzantwort:

Ich verstehe nicht besonders viel von der darstellenden Kunst in Kino und Theater. Aber ein Grundprinzip ist auch mir klar: Wenn der Vorhang aufgeht und das Spiel auf den Brettern oder der Leinwand beginnt, dann hilft es schon viel, wenn der Darsteller wenigstens so aussieht, wie man das von dieser Figur im Stück erwartet, gelegentliche Überraschungseffekte inbegriffen.

Frage-Nr.: 349
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-10-01

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